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Wie man sich aus Bindungen lösen kann

Es gibt Menschen, die sich in unseligen Bindungen vorfinden und nicht wissen, wie es weitergehen soll. In einer Partnerschaft, einer Familie oder einem Beruf. Dabei sind sie genauso Teil des Problems.

Zunächst einmal die gute Nachricht: im Grunde kann man sich aus jeder Bindung lösen. Es kostet nur etwas.

Wer beispielsweise in einem Beruf unglücklich ist, ist heutzutage nicht mehr gezwungen, ihn weiterzuführen. Man kann ihn beenden, es kostet aber was. Vielleicht ist man dann arbeitslos – oder aber man gewinnt etwas, vielleicht nämlich einen besseren Arbeitsplatz. Aber ausgeliefert ist man der Sache nicht. Man ist danach vielleicht einer anderen Sache ausgeliefert, hat aber eine gewisse Entscheidungsmöglichkeit und man kann das eigene Leben und die Zukunft gestalten.

Es gibt auch zwischenmenschliche Bindungen, z.b. extreme Fälle von Partnerschaften, wo ein Partner Ansprüche hat, die der andere niemals erfüllen kann.

Hat der eine Partner beispielsweise ein psychisch auffälliges Verhalten dergestalt, dass er dem anderen verbietet, Freunde zu treffen, abends wegzugehen oder generell eigene Entscheidungen zu treffen, ist ein Leben in einer solchen Partnerschaft die Hölle.

Die gute Nachricht, man muss so nicht weitermachen.

Die schlechte Nachricht, es kostet etwas. Wenn man aus so einer Partnerschaft oder Beziehung aussteigt, hat man diese danach eben nicht mehr. Allerdings kann es gut sein, dass man danach den Blick frei bekommt und erst dann klar sieht, in was man eigentlich drin gesteckt hat. Man müsste allerdings aufpassen, wenn man eine solche Partnerschaft verlassen hätte, sich nicht gleich wieder einen ähnlichen Partner zu suchen. Denn Psychologen sprechen hier davon, dass man sich meist Partner sucht, an denen man sich selbst entwickeln kann und an denen man etwas lernen will. Sucht man sich also einen extrem dominanten Partner, ist das die Lebensaufgabe, die man eigentlich meistern will, nämlich sich selbst abgrenzen zu lernen.

Um mit derartigen komplizierten Situationen zurecht zu kommen, ist es oft nötig, einen Blick von außen zu erhalten. Es empfiehlt sich in solchen schweren Fällen, in denen Menschen an Situationen extrem leiden, sich professionelle Hilfe zu holen, beispielsweise temporär einige psychotherapeutische Sitzungen in Anspruch zu nehmen. Zudem empfiehlt sich noch etwas anderes.

Und zwar der Glaube. Tief im jüdischen Gedenken ist eine Begebenheit verankert, die ganz zentral ist und an die bei jedem Pessachmahl erinnert wird. Der Stamm der Israeliten war einst Sklave in Ägypten: Wir waren Sklaven in Ägypten und Gott hat uns mit seiner Macht und Kraft herausgeholt.

Diese Kraft ist auch heute noch wirksam.

Psychologisch betrachtet könnte man es wohl so sehen, dass man einer sehr negativen Bindung an einen Menschen oder eine Sache eine sehr positive Bindung entgegensetzt und so die negative Bindung dadurch ersetzt. Der negativen Bindung an jemanden oder an etwas wird die Bindung an Gott, der für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde steht, entgegengesetzt.

Die vordergründige Geschichte der Rettung aus der ägyptischen Sklaverei lautet in etwa wie folgt. Moses hat eine Theophanie, also eine Gotteserscheinung, in der Wüste, wo ein Dornbusch zwar brennt, aber nicht verbrennt und wo dem Mose Gott erscheint. Dieser Gott hat für Mose den Auftrag, sein Volk aus der Sklaverei zu befreien und zum Pharao zu gehen, um zu bitten, das Volk ziehen zu lassen. Moses fühlt sich völlig überfordert und will zunächst nicht, vertraut dann aber letztlich doch diesem Gott, geht zum Pharao und erbittet die Freilassung. Dieser verneint zunächst, jedoch schickt Gott dann mehrere Plagen über die Ägypter, sodass der Pharao letztlich die Freilassung der Israeliten gestattet. Diese fliehen durch die Wüste zum Schilfmeer, werden aber dann doch von den Ägyptern verfolgt, weil dem Pharao auf einmal klar wurde, dass ohne Sklaven seine Dynastie und Herrschaft ja nicht mehr so bequem funktionieren würde. Gott lässt das Wasser des Schilfmeeres beiseite fließen, die Israeliten können durch das Meer entkommen, als aber die Ägypter hinterher stürmen mit ihren Streitwagen, kommt das Wasser überraschend schnell zurück und die Ägypter ertrinken jämmerlich.

Wenn man versucht, diese Geschichte psychologisch zu deuten, wenngleich sie ursprünglich sicher nicht psychologisch gemeint war, könnte es wie folgt aussehen:

Jemand möchte sich aus einer unsäglichen Bindung befreien, spricht mit seinem Peiniger, der verneint, aber dieser bekommt dann einige Schüsse vor den Bug, Begebenheiten, die den Peiniger zum Einlenken bringen, er verspricht einem die Freiheit. Diese nimmt man sich und flieht. Dem Peiniger wird klar, dass er ebenso auf den von ihm Unterdrückten angewiesen ist, weil sonst sein ganzes Lebenssystem nicht mehr funktioniert. Er versucht also, den bislang Unterdrückten aufzuhalten, der jedoch lässt sich von der Flut der Forderungen nicht mehr unterdrücken und rettet sich selbst, indem er auf die Forderungen nicht mehr eingeht, also Land unter den Füßen bekommt. Der Unterdrücker dagegen wird von der Wucht und Flut der eigenen Ansprüche schließlich erdrückt, ertrinkt also selbst darin.

Somit funktioniert die Rettung des Mose oder des Unterdrückten durch die Macht der Gedanken. Man verpflichtet sich etwas Gutem, um etwas Schlechtem zu entkommen.

Ein ähnlicher Gedanke findet sich auch im ersten Gebot in der Bibel, wonach Gott der Herr im eigenen Leben ist und man keine anderen Götter neben ihm haben soll.

Man soll also auch keine Menschen und keine Dinge und keine Begebenheiten zu etwas machen, dem man sich unterwirft. Denn dadurch würde man ja nur diese Menschen oder Dinge gewissermaßen zu einem selbst erschaffenen Gott machen, also zu einem Götzen. Der Trick bei der ganzen Sache ist also der, dass man sich Gott gegenüber verpflichtet, der für alles Gute steht, wie oben schon erwähnt. Dadurch ist er derjenige, an den man sich im Leben angedockt hat. Andere Dinge und Menschen können somit nicht mehr an dessen Stelle treten und somit auch keine Macht mehr über einen selber erlangen. Zumindest keine zerstörerische Macht mehr.

Neben dieser psychologischen Betrachtung ist es aber die Erfahrung der Juden sowie der Christen, dass es diese Kraft und Macht, die hinter allem steht, tatsächlich gibt. Sie ist nur ein Gebet weit entfernt und hilft.

Zwar hilft sie nicht immer so, wie man es sich wünscht, aber so, wie es gut ist. Falls Sie sich durch diesen Artikel also angesprochen fühlen sollten, versuchen Sie es mal mit einem Gebet: Gott, wenn es dich gibt, Jesus, wenn du mich hörst, komm bitte in mein Leben und verwandele es in ein gutes und richtiges Leben. Gib mir Gedanken, die mich in eine gute Richtung in deinem Sinne lenken. Gib mir die Kraft, meine Beziehungen in Freiheit zu gestalten. Amen. Wenn Sie so beten, sollte eigentlich etwas geschehen in Ihrem Leben. Vielleicht nicht gleich und vielleicht auch nicht so offensichtlich, wie Sie es sich wünschen, aber doch so, dass Sie es rückwirkend wahrnehmen werden.

Unabhängig davon sollte man in Erinnerung haben, dass man in unzähligen Beziehungen und Bindungen auch immer Teil des Problems ist. Man muss nicht unbedingt immer fliehen, um der zu werden, der man sein möchte. Denn wie schon oben angedeutet, sucht man sich schnell aus Gewohnheit wieder ähnliche Umstände oder Partner, auch, weil man eine Sache immer noch nicht gelernt hat. Und weil man diese Sache weiterhin an Umständen oder Partnern lernen möchte. Deswegen muss es nicht unbedingt zur Flucht kommen, sondern eine Verhaltensänderung würde schon ausreichen.

Denn viel von unserem Verhalten ist nur in unserem Kopf. Wenn jemand sagt, man dürfe dies und das nicht tun, existieren diese Gedanken ja nur in unserem Kopf. Die Sache kann man aber trotzdem tun, man muss nur diesen Gedanken zulassen.

Klar, das kann Konsequenzen haben, es kann etwas kosten. Man kann dadurch aber etwas gewinnen. Nämlich das Leben, die Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, Selbstachtung und Integrität mit sich selbst.

Das ist wichtig, weil man sonst am Ende seines Lebens zurückblickt und verzweifelt, wenn man nicht der wurde, der man hätte sein und werden können und zu dem man bestimmt war. Niemand ist zum Sklavendasein bestimmt, denn Gott schuf den Menschen, Sie ebenso, nach seinem Ebenbild. Und wer ein Ebenbild Gottes ist, soll auch so leben. Mit Würde.

Und Würde besitzt man dann, wenn man nach dem Doppelgebot der Liebe handeln und leben kann. Liebe Gott und den Nächsten, wie dich selbst.

Warum man Gott lieben soll, haben wir psychologisch und theologisch oben ja schon erörtert. Die Bindung an ihn befreit von anderen Bindungen und gibt Freiheit.

Den Nächsten, also den Mitmenschen, soll man lieben dergestalt, dass man ihm auch seine Grenzen lässt und diese nicht übertritt.

Und der letzte Punkt wird gerne vergessen: dies kann man nur, wenn man sich selber ebenfalls liebt, also sich selber respektiert, also auf die eigenen Grenzen achtet und darauf, dass niemand anders diese übertritt.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass es hilfreich für eine eigene Verhaltensänderung ist, Dinge einmal anders zu tun. Dies hatte ich in dem vorigen Artikel beschrieben: Der Grund, weshalb die Zeit so schnell vergeht. Hier bekommt man ein paar Impulse, wie man Dinge ändern kann.

Anbei noch zwei Videos, die den Auszug und die Befreiung aus Ägypten in einem Gospel abbilden.

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