Evolution und wie ich sie mittlerweile sehe

Ich weiß schon, ich kenne die evolutionsbiologische Erklärung. Da haben sich also Zellen zusammengetan, survival of the fittest, Selektionsprinzip und so weiter.

Dann haben sich nach und nach also immer mehr Zellen zusammengetan, ihnen tat es irgendwie gut zusammen, sie fanden es angenehm und sie hatten Vorteile in der Biologie, sind irgendwie besser durchs Leben gekommen. Drum hat die Evolution, wer auch immer diese Frau Evolution ist, sie begünstigt. Man tut hier übrigens oft so, als sei die Evolution irgendwie eine Person.

Nun gut. Also diese Zellen sind immer besser durchs Leben gegangen und plötzlich sind es dann 80 Billionen. Entschuldigung, Sie haben nicht falsch gelesen. 80 Billionen pro Mensch in etwa. 80 Billionen Körperzellen pro Mensch haben sich also so zusammen gefunden, hochkomplex verschaltet untereinander, und da sind noch gar nicht die Zellen mit dabei, die mit dem Körper in Symbiose leben, beispielsweise diejenigen im Darm.

Und diese Zellen gehen dann in eine Bar oder einen Pub und trinken dort ein Bier.

Sorry, spätestens hier ist mir diese rein biologische Sicht irgendwie zu kurz gedacht. Warum sollten diese Zellen bitte ein Bier trinken? Und wer ist der Typ, der aus den Augen herausschaut? Schauen da ein paar Zellen aus den Augen heraus?

Ich halte mich hier doch lieber an die Sicht der beiden großen Kirchen in Deutschland, evangelisch und katholisch. Mittlerweile haben sie sich damit abgefunden, dass die Evolutionstheorie dann eben die biologisch gedachte Erklärung der Welt ist, und das ist ja auch gut so, dass man den aktuellen Stand der Wissenschaft respektiert und akzeptiert. Die beiden Kirchen lassen diese Erklärung aber nur gelten, wenn sie dahinter Gott sehen, irgendwo dahinter, ohne genauer zu definieren, wo oder wie.

Und sorry, so sehe ich das auch. Es sind nicht ein nur einfach paar Körperzellen, die aus den Augen heraus schauen, sondern es ist ein Ich. Das Geheimnis des Bewusstseins. Nach Platon vielleicht die Seele, die da herausschaut.

Ich schaue aus den Augen heraus. Nicht ein paar Körperzellen. Denn diesen Zellen wäre es völlig egal, wo sie herausschauen. Die einzelne Zelle würde auch niemals einen Schmerz oder eine Freude spüren können, denn sie ist nur eine Zelle, die Ansammlung von ein paar Molekülen. Sie würde nur elektronische Impulse wahrnehmen, mehr nicht. Sie ist kein Ich. Das, was wir Menschen sind, sind nicht nur die Körperzellen, wie die Evolutionsbiologie es uns weismachen will, oder zumindest die Evolutionsbiologie, wie manche Darwinisten sie auslegen. Das, was uns ausmacht und was aus uns zu unseren Augen herausschaut, ist das Ich. Von Gott gewollt und von Gott geschaffen, so die christliche Vorstellung. Gerne auf dem Wege der Evolution. Wie auch immer. Aber wir sind ein Ich. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Clown bzw sehr einseitig ausgerichtet in seiner Sicht.

Biologisch, rein biologisch gesehen, ihr Neodarwinisten, mögt ihr meinetwegen Recht haben. Dann sind das eben nur ein paar Körperzellen. Philosophisch habt ihr aber den Punkt irgendwo verfehlt. Philosophisch steckt ein Ich dahinter, eine Seele, eine ontologische Seinsweise. Und ich möchte nicht sagen, dass ihr generell und prinzipiell das nicht kapiert, aber manche von euch nicht. Der Mensch ist nicht einfach nur und ausschließlich die Summe von 80 Billionen Körperzellen, welche aus Molekülen bestehen, welche aus Atomen bestehen, welche aus noch kleineren Teilchen bestehen, welche aus Energie bestehen, was auch immer Energie philosophisch gesehen sein mag.

Der Mensch ist etwas, was transzendent ist, was mehr als die Summe seiner Teile ist. Und den Menschen sowie die ganze Welt kann man zwar evolutionstheoretisch herleiten, erklären kann man damit philosophisch gesehen aber nicht, was er und die Welt ist. Genauso wenig, wie man bei einem Auto erklären würde, was ein Auto ist, wenn man all die tausenden von Einzelteilen aufzählen würde, aus denen es besteht.

Damit Sie mich nicht falsch verstehen. Ich verstehe, dass die Naturwissenschaften und die Biologie die Welt und den Menschen nur aus ihrem Blick heraus erklären können, den in den Naturwissenschaften können natürlich nur experimentell verifizierbare Annahmen als Grundlage genommen werden, anders als in der Philosophie. Von daher ist die Evolutionstheorie für manche die einzig mögliche Erklärung, weil sie nur die Kausalität als Erklärungszusammenhang haben. Die Kausalität hört jedoch spätestens mit dem Urknall auf. Was dahinter ist, ist völlig unklar. Und hier setze ich dann an. Ich denke, dass hinter allem etwas steht, ich nenne das Gott.

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Zusammenfassung, um nicht falsch verstanden zu werden.

Die Evolutionstheorie ist die wissenschaftliche Methode, die biologische Welt zu erklären, wie sie ist. In diesem Sinne ist sie sicherlich richtig und die beste Möglichkeit, die Entstehung der Arten und auch des Menschen zu erklären. Ich finde aber als Christ, dass man das Denken dahingehend offen halten sollte, dass dieses Erklärungsmodell nur einen Teil der Wirklichkeit abbildet und dass man noch gedanklich Raum für Gott lassen sollte. Wie Gott insgesamt das Leben und alles erschaffen hat, ist für uns Menschen wohl einfach unbegreiflich. Ich wende mich also nicht gegen die Erkenntnisse der Evolutionstheorie, sondern nur gegen diejenigen (vielleicht auch gar nicht allzuviel vorhandenen) Menschen, die glauben, sie sei das alleinige Erklärungsmodell für das Leben. Mir würde bei solchen Leuten der Gottesbezug in ihrem Denken fehlen, oder falls sie denn keinen Gottesbezug herstellen möchten, zumindest eine philosophische Betrachtungsweise.

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Kommentare

  1. Ja, man kann nur staunen und sein Denken dahingehend offenhalten, dass vermutlich nicht eine einzige Theorie das alles jemals wird zufriedenstellend erklären können

  2. Das wirklich spannende ist dabei wiederum, dass die 80 Billionen Bestandteile oder genauer gesagt die noch wesentlich mehr Bestandteile, aus denen sich diese Bestandteile zusammensetzen, ganz anderen „spukhaften“ Gesetzen zu gehorchen scheinen als die Summe der Bestandteile, die nur in der Makrowelt betrachtet einen einheitlich festen Körper bilden. Und diese Gesetze der Mikro- und Makrowelt auch nach heutigem Stand der Forschung noch nicht so 100%ig zusammenpassen will.

  3. Das Problem an der Sache ist, dass der Typ, der aus den Augen rauskuckt recht vielen physikalischen Gesetzen gehorchen muss. Also seine 80 Billionen Bestandteile. Und deren Bestandteile. Kann sein, dass sich das ein Gott oder wie auch immer man das nennt mit Vorsatz so ausgedacht hat. Aber die Faszination für diese Komplexität ist ja erst mal unserem primitiven Verstand geschuldet. Nur weil etwas komplex ist muss das noch nicht dem religiösen Gottesgedanken – nur meine persönliche Meinung – geschuldet sein. Gott ist meiner Meinung nach mehr etwas im Sinn von „das ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“. Also schon da, aber eben nicht so, wie es als Verständnis und Erklärung über die letzten 2000 Jahre zusammengedacht wurde. Die Frage ist dann doch eher: was ist dieses „Ding“ Gott, dass sich die Evolution „ausgedacht“ hat ? Und ist der „Sinn“ der Evolution überhaupt von unserer Denkkapazität erfassbar ?


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