Der tägliche Trump

Früher musste man, wenn einem langweilig war, in Facebook nachschauen, was wer so gepostet hatte. Heutzutage reicht es, nach Washington zu sehen.

Heute morgen waren die Medien voll davon, dass der amerikanische Präsident Haiti und afrikanische Länder als Drecksloch-Länder bezeichnet hatte. Die Medien in den USA sprangen brav über das hingehaltene Stöckchen, und ich heute morgen übrigens auch. Dabei liegt das nächste Stöckchen schon bereit.

Denn Donald Trump meint, dass er sich wahrscheinlich mit Kim Jong-un, dem Raketenmann, ganz gut verstehen würde. Er, Donald Trump, sei in dieser Hinsicht sehr flexibel. Gestern Feind, heute Freund. So what?

Aber wie war das doch gleich, falls man das bisher Geschehene und Gesagte denn tatsächlich ernst genommen hätte? Bisher war die Kriegsrhetorik zwischen beiden Staatsmännern immer weiter hochgefahren worden und gipfelte schließlich in der Frage, wer den größeren Knopf hätte. Was aber hat den Umschwung gebracht? Man weiß es nicht genau, vielleicht hat ein Essen gut geschmeckt, ein lustiger Vogel ist vor dem Fenster vorbei geflogen oder es war auch einfach die Ankündigung, Nordkorea wolle mit Südkorea wieder ein bisschen reden, zumindest mal eine Zeit lang. Man weiß es nicht genau. Aber es soll uns Bürgern ja recht sein, wenn ein womöglich drohender nuklearer Krieg damit wieder ein wenig mehr in die Ferne rücken sollte.

Ein Maximum an Unterhaltung ist allerdings der ganzen Welt garantiert, seit Trump das Weiße Haus innehat. Unterhaltung nicht in dem Sinne, dass man sich nicht ab und zu auch mal gruseln und sorgen könnte oder müsste, aber ein Maximum an Aufmerksamkeit und ein Maximum an Gesprächsstoff werden dort fast tagtäglich in alle Welt hinaus gepustet und getwittert.

Was bleibt also? Soll man einfach nicht mehr über derlei Dinge berichten und sprechen? Das ist irgendwie auch keine wirklich gute Alternative, schon allein aus dem Grund, weil komplett unrealistisch. Irgendeiner wird immer drüber berichten und sofort werden die Medien auch wieder in diesen Teufelskreis hineingezogen, berichten zu müssen. Man kann also derlei Äußerungen aus Washington einerseits so wenig ignorieren, wie man sie andererseits hypen und befeuern sollte.

Es ist aber nicht ganz unwahrscheinlich, dass jemand, der weltweit diese Aufmerksamkeit erregt, auch in eine weitere Amtszeit als mächtigster Mann der Welt einmünden könnte. Denn, wie es im Showbusiness wohl gilt, auffallen ist alles, egal ob negativ oder positiv. Wer nicht auffällt, verliert. The One-Man-Show must go on. Es sei denn, Oprah Winfrey würde in diese Fußstapfen treten. Die US-amerikanische Koryphäe der Talkshows hatte dies schon öffentlich in Aussicht gestellt. There’s no business like show business. Über welches Stöckchen springen wir morgen?

http://www.zeit.de/politik/ausland/2018-01/donald-trump-beziehung-kim-jong-un-usa-nordkorea

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gestern Feind, heute Feind, morgen Feind.

    https://polldaddy.com/js/rating/rating.js

  2. Vermute auch, dass das nicht von langer Dauer sein dürfte

  3. Dummheit und Unkenntnis dauern an.

  4. Salzwolf sagt:

    Der dickliche Kim düpiert den tumben Trump doch richtig gut! „Hey guck mal, während Du mir den Unsinn erzählst, dass Du den größeren hast, habe ich diplomatische Kontakte mit dem Süden aufgenommen Ich bin doch wohl ganz klar der Weisere von uns!“ Ein lustig Spiel, das er da spielt. Werden andere bestimmt bald auch so mit dem unbeholfenen Blondschopf so machen

  5. Ja, das ist wirklich zu vermuten

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