Machen Sie sich gerne Glaubensdruck ?

Manche Menschen sind Christen und glauben, seit sie das sind, sich auch so verhalten zu müssen. Das ist einerseits gut gemeint, aber wie verhält man sich als Christ eigentlich?

Man orientiert sich sicherlich am Doppelgebot der Liebe, wonach man Gott lieben soll und seinen Mitmenschen, wie sich selbst, unter der Voraussetzung natürlich, dass man sich selbst liebt.

Darüber hinaus machen sich manche Christen aber gerne mal das Leben zur Hölle, zumal das Glaubensleben, weil sie irgendwie implizit der Meinung sind, als Christ müsse man unglaublich fromm erscheinen, müsse immer fröhlich auf andere wirken, dürfe nie Probleme haben und auch niemals irgendwie Glaubenszweifel und solle am besten auch noch ein Vorbild für andere sein und möglichst alles richtig machen im Leben. Stress pur. Soll das so sein?

Gehen wir gedanklich kurz einmal ein paar Jahrhunderte zurück, nämlich ins 16. Jahrhundert, wo ein junger Mönch ins Kloster eingetreten war, bzw umgekehrt, erst ins Kloster eintrat und dann Mönch wurde und versuchte, alles richtig zu machen. Dieser Mönch hieß Martin Luther und er hatte sich der damals als richtig angenommenen Werkgerechtigkeit verpflichtet gefühlt. Dieser Begriff meint, dass man glaubte, Gott werde einen nur in den Himmel lassen, also nach dem Tode nur dann annehmen, wenn man in seinem Leben alles richtig gemacht habe.

Klingt erstmal so einfach, aber wenn man sich das eigene Leben einmal genauer anschaut, merkt man, dass das eigentlich nur schief gehen kann und ein Ding der Unmöglichkeit ist. Und so ging es auch Martin Luther und er verzweifelte an diesem Gottesbild, bis er im Römerbrief die Stelle fand, die da heißt, der Mensch ist gerecht aus Glauben.

Römer 5,1. 1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.

Gerecht vor Gott aus Glauben meint: angenommen sein von Gott aus Glauben.

Als Christ darf man darauf hoffen, dass man von Gott angenommen ist, weil man an ihn glaubt. Punkt. Nicht, weil man gute Werke und Taten tut. Sondern weil man an ihn glaubt und weil Gott ein gnädiger Gott ist, der die Menschen annehmen will und sie liebt. Würde er dies nicht wollen, hätte man ohnehin ziemlich schlechte Karten.

Diese Botschaft richtig verstanden kann unglaublich befreiend wirken. Denn heißt sie doch, dass wir beispielsweise aus einem Gebet keinen Hochleistungswettbewerb machen müssen, um von Gott angenommen zu werden. Denn Gott kennt ohnehin unsere Gedanken.

Es reicht, wenn wir uns im Gebet an ihn wenden, so, wie es uns gerade einfällt. Besonders professionell und ausgefeilt braucht das aber nicht zu sein, stattdessen lieber authentisch. Auch in Bibelkreisen, Hauskreisen oder in der Kirche brauchen wir keine Hochleistungen zu erbringen, wir müssen auch nicht unablässig in die Kirche laufen – wir dürfen aber.

Unabhängig von unseren Taten, die wir tun, liebt Gott uns und nimmt uns an.

Und dann, im zweiten Schritt, aus dieser Freiheit heraus, dürfen wir natürlich versuchen, Gutes zu tun, dürfen beten, um mit Gott ins Gespräch zu kommen, dürfen in die Kirche gehen und so weiter.

Und ja, natürlich sollen wir versuchen, unsere Mitmenschen zu lieben und, so wie Jesus es zuspitzte, was im Grunde schon fast eine Zumutung ist, weil es beinahe unmöglich scheint, sollen wir sogar unsere Feinde lieben. Also die Menschen, mit denen wir uns gerne streiten, mit denen alles im Argen liegt. Auch die sollen wir lieben.

Aber bei all diesen Versuchen werden wir auch immer wieder scheitern. Doch glücklicherweise ist dies nicht maßgeblich dafür, dass Gott uns liebt und annimmt. Allein, wenn wir an Gott glauben, sind wir schon gerettet und angenommen.

Was aber, wenn jemand nicht glauben kann?

In seinem Katechismus erklärt Martin Luther, was es mit dem Glauben auf sich hat. Der Mensch allein kann gar nicht glauben, so meint Luther, sondern der Heilige Geist bewirkt den Glauben im Menschen.

Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten […]

Quelle: das zweite Hauptstück,der Glaube

Wenn nun jemand also Atheist ist, braucht man ihn nicht zu bedrängen, warum er denn nicht endlich glauben wolle. Sondern man kann für ihn beten, dass der Heilige Geist auch ihn erfassen möge und ihm in seiner Weise begegnen möge. So dass auch er sich Gedanken über Gott machen kann und glauben kann. Und dann soll man nicht von außen urteilen und meinen, man wisse, ob dieser Jemand nun glaube oder nicht, sondern solle das beruhigt Gott überlassen, der ins Herz eines jeden Menschen sehen kann. So kann auch der größte Atheist im tiefsten Inneren womöglich gläubig sein, auch, wenn er das nach außen niemals zugeben würde und wollte.

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Muriel sagt:

    Dann macht der hier thematisierte Gott seine Entscheidung, einen Menschen anzunehmen, davon abhängig, ob dieser Mensch an ihn glaubt, entscheidet aber komplett selbst, wen er an sich glauben lässt und wen nicht?
    Hast du eine Meinung dazu, warum er dieses merkwürdige System gebaut hat und wovon die Entscheidung dann tatsächlich abhängt?

  2. theolounge sagt:

    Gute Frage. Natürlich ist es so, so viel Theologen man fragt, jeder hat da seine eigene Schwerpunktsetzung. Vielleicht könnte man Luther dahingehend interpretieren, dass Gott jedem Menschen prinzipiell die Möglichkeit gibt, glauben zu können, wenn der Mensch es will. Aber das wäre dann schon wieder meine Theologie.


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  3. Muriel sagt:

    Och, mir reicht völlig deine Meinung. Bist du dieselbe Person, von der der Artikel da oben stammt? Weil mir scheint, dass deine These nicht ganz zusammenpasst mit „Der Mensch allein kann gar nicht glauben, so meint Luther, sondern der Heilige Geist bewirkt den Glauben im Menschen.“
    Ich wär schon neugierig, wie das siehst, und so.

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