Arbeitest du noch oder lebst du schon?

Dann hat man es geschafft, denken viele Menschen. Dann, wenn man nicht körperlich arbeiten muss, sondern elitär in einem Büro. Da verschleißt man sich nicht, nicht so, wie auf der Baustelle beispielsweise oder bei anderen Berufen, in denen man körperlich bei Wind und Wetter ackern muss und der Körper über die Jahre arg in Mitleidenschaft gezogen wird.

Das ist wahr und dennoch ist es nur die eine Seite der Medaille. Denn viele Menschen bezahlen diese scheinbare Bequemlichkeit und diesen vermeintlichen Vorteil mit einem großen Sinnverlust in ihrer Arbeit.

Wer im Büro sitzt, erlebt die Arbeit oft so, dass er den ganzen Tag über irgendwelche Tabellen hin und her schiebt, hier und da mal telefoniert, ein paar Akten nach dort, ein paar Blätter hier rein, dann noch einmal ein Telefonat, Stress durch den Chef, weil irgendwas fertig werden muss, was letztlich wieder nur Zahlen oder Wörter sind. Abends kann man nicht erzählen, was man eigentlich gemacht hat, den Montag scheut man, den Freitag ersehnt man, die Zeit dazwischen zieht sich wie Kaugummi.

Zu Recht entsteht in vielen derartigen Berufen eine Sinnkrise bei Menschen, denn der Mensch ist ein Wesen, das zum Ebenbild Gottes geschaffen wurde, so sieht es zumindest die Genisis. Und Gott ist kein Büroschimmel, der den ganzen Tag über Akten brütet, so vermuten wir zumindest. Gott ist das Leben in Reinform und so soll auch der Mensch, sein Ebenbild, ein sinnvolles Leben führen.

Wie soll man das aber anstellen?

Am besten in zwei Schritten.

Der erste ist, dass man sich vergegenwärtigt, dass man wohl nicht ewig leben wird. Angenommen, man wird vielleicht sogar 100 Jahre alt, lassen wir mal die medizinischen Fortschritte dafür sorgen, so werden auch diese 100 Jahre irgendwann einmal aufgebraucht sein und insgesamt betrachtet wird man länger nicht existent als existent sein. Was sind schon 100 Jahre im Vergleich zur Ewigkeit. Aus diesem Blickwinkel heraus macht es also durchaus einen Unterschied, wie man seinen Tag, seine Woche, seinen Monat, sein Jahr und seine Jahrzehnte verbringt. Man kann nicht eine Arbeit verrichten, die einen innerlich völlig leer lässt. Bestenfalls kündigt man sonst innerlich und macht Dienst nach Vorschrift, schlechtestenfalls wird man depressiv, schlimmstens und spätestens dann, wenn man ins Rentenalter kommt und auf sein Leben zurückblickt, wo man dann verzweifelt, weil man im Nachhinein alles anders machen wollen würde, aber keine Zeit mehr dazu hat. Man zerbricht dann über der Trauer des ungelebten Lebens und der ungenutzten Chancen und Möglichkeiten.

Traurig blicke ich auf den, der ich sein könnte, so fasst es der Arzt und Psychotherapeut Alfred Adler zusammen.

Die eine Möglichkeit, die sich aus für diesen Betrachtungen ergibt, ist also die, im Hier und Jetzt zu versuchen, das Beste daraus zu machen. Und das Beste meint nicht unbedingt Karriere. Man sollte versuchen, sich den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass man ihn irgendwo positiv sehen kann. Z.b. dadurch, dass man Beziehungen gestaltet von und mit Menschen, denen man täglich dort begegnet.

Wenn man versucht, in den Mitarbeitern nicht einfach nur komische Typen, die nach unten treten und nach oben streben, zu sehen, sondern wenn man beginnt, sie als Menschen zu sehen, mit all ihren Nöten, Ängsten und Hoffnungen, bieten sich sicherlich Möglichkeiten, ihnen menschlich zu begegnen. Auf einmal wird das Arbeitsumfeld interessant, nicht der Arbeit wegen, sondern der Beziehungen wegen.

Die zweite Möglichkeit ist die, grundlegend darüber nachzudenken, was man sonst machen könnte. Für einige Menschen ist es vielleicht eine Weiterbildung, für manche ein vielleicht komplett neuer Beruf, für mehrere vermutlich der Wechsel des Arbeitgebers. Wobei man sich auch hier bewusst werden muss, dass in manchen Branchen der Arbeitgeber zwar ein anderer sein mag, das System, das einen einengt, stresst und drückt, dort vielleicht dasselbe ist.

Das System kann man in aller Regel nicht oder kaum ändern, ändern aber kann man sich selber. Und sich denjenigen Weg suchen, der zu einem passt. Das kann mühsam sein, aber es dürfte sich lohnen. Es muss übrigens kein Weg sein, der sich finanziell extrem lohnt, es sollte aber einer sein, der sich persönlich lohnt und den man persönlich für sinnvoll erachtet.

Dabei sollte man im Blick haben, dass dies auch einige Jahre dauern kann. Man sollte sich überlegen, wo man in zehn Jahren stehen würde, wenn man so weiter macht, wie bisher, und ob man das wollte. Bzw umgekehrt sollte man sich ausmalen, wie es in 10 Jahren sein könnte, wenn man nun gewisse Schritte einleiten und gehen würde. Dabei sollte man tief durchatmen. Denn gehen muss man immer nur einen Schritt nach dem anderen. Planen sollte man allerdings schon ein wenig.

Wenn es also nicht gelingt, den eigenen Arbeitsplatz angenehmer zu gestalten, sollte man über diese zweite Möglichkeit nachdenken.

In dem Fall erwähne ich gerne den Gedanken von Seneca, dem Erzieher des Kaisers Nero, der dann leider von diesem, weil er beim Kaiser in Ungnade gefallen war, zum Selbstmord gezwungen wurde, den er dann in stoischer Gelassenheit vollzog. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Gedanken des Seneca sind auf jeden Fall sehr hilfreich, wie folgt. Bitte langsam lesen und darüber meditieren, sonst verstehen Sie das möglicherweise nicht. Und zwar nicht, weil Sie es prinzipiell nicht verstehen könnten, sondern weil Sie zu kurz darüber nachdenken.

Nicht, weil es schwer ist, tun wir es nicht. Sondern weil wir es nicht tun, ist es schwer.

Bild als E-Card verschicken.

Kommentar verfassen...(Kommentare, die Links enthalten, müssen auf Freischaltung warten)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s