Hat überhaupt eine Religion recht?

Die Diskussion aus der eingangs gestellten Frage geht lange zurück und sei hier anhand von zwei Positionen aus dem Zeitalter der Aufklärung kurz beleuchtet, sowie von zwei pluralistischen theologischen Positionen der Gegenwart.

Gotthold Ephraim Lessing formulierte in seiner Ringparabel Gedanken, wonach ein liebender Vater seinen drei Söhnen einen Ring hinterlassen hatte, der die Eigenschaft besitzt, vor Gott und den Menschen angenehm zu machen. Wer also diesen Ring besitzt, wird von den Menschen akzeptiert und geliebt. Der Vater wird hier als stellvertretend für Gott gesehen, die drei Söhne gelten als die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Unter den Söhnen entbrennt ein Streit, wer denn den richtigen Ring erhalten habe. So treten sie vor einen Richter, der ihnen mitteilt, dass er in vielen Jahren noch einmal darüber richten müsste, wer denn nun den richtigen Ring erhalten habe, und zwar aufgrund ihrer Taten. Derjenige, der ethisch gut handelt und somit also die ethisch besten Taten vollbringt, derjenige habe damit automatisch den richtigen Ring bekommen. Insofern ist das Rennen eröffnet nach den besten Werken, die dann auch den wahren Ring und die wahre Religion erkenntlich machen würden, wobei auch hier die Möglichkeit mitschwingt, dass es möglicherweise keine der Religionen sein könnte.

Lessing legt bei der Frage nach der wahren Religion die Werkgerechtigkeit zugrunde, also die Vorstellung, dass man sich durch die eigenen Werke und Taten vor Gott rechtfertigen muss und durch korrektes Handeln von ihm angenommen werden kann. Eine Vorstellung, die Martin Luther zu Beginn seines Lebens verinnerlicht hatte, die ihm dann aber zutiefst zuwider wurde, weil er der Meinung war, man könne nie derart gut handeln, dass man vor Gott bestehen könnte.

Er setzte nach einer Erkenntnis im Römerbrief eine andere theologische Sicht entgegen, dass der Mensch von Gott nämlich aufgrund von dessen Gnade angenommen ist, wenn man als Mensch daran glaubt und wenn man in der Offenbarung durch Jesus Gottes wirkliches Wesen erkennt.

Ein anderer Vertreter der Aufklärung war Reimarus, der eine deistische Position vertrat. Der Deismus hat die Auffassung, dass Gott zwar die Welt und das Universum erschaffen habe, sich dann aber komplett aus dem Weltverlauf heraushält, weswegen es auch nichts bringen würde, zu beten. Diese Vorstellung steht also im Widerspruch zur biblischen Tradition. Der Aufsatz „Die Unmöglichkeit der reinen Offenbarungsreligion“ von Reimarus wurde anonym von Lessing herausgegeben, da Reimarus seinerzeit fürchten musste, damit im religiös geprägten Umfeld massiv anzuecken.

In dieser Schrift geht es darum, dass Reimarus meint, es sei zwar möglich, dass einzelne Menschen eine göttliche Offenbarung bekommen hätten, dass diese aber im Laufe der weiteren Kommunikation immer mehr an Glaubwürdigkeit verlieren könnte, so dass man am Schluss möglicherweise nicht mehr wüsste, wie die ursprüngliche Offenbarung denn überhaupt ausgesehen habe. Zudem sei es denkbar, dass Menschen gar keine Offenbarung gehabt hätten, andere Menschen aber aus Eigennutz dies glauben machen wollten.

Deswegen, so Reimarus, müsse man sich seiner Vernunft und seines Verstandes bedienen und in den Wundern der Natur lesen, die als Spuren Gottes zu deuten sind. Gott findet man in seinen Werken der Natur, wenn man nur genau hinsieht.

Der zeitgenössische evangelische Theologe Michael von Brück vertritt die Idee der Allversöhnung. Jeder Mensch sei von vornherein von Gott angenommen, ohne es zu wissen. Gott, als Wesen von grenzenloser Macht, besitze auch grenzenlose Liebe. Wäre Gottes Liebe nicht grenzenlos und bedingungslos, könne er nicht Gott sein. Da Michael von Brück somit nicht nur eine Religion präferiert, sondern Gottes Liebe in Bezug auf alle Menschen sieht, vertritt er eine pluralistische Theologie.

Eine ebenfalls pluralistische Sicht vertritt John Hick, der die Religionen vergleicht mit Gesellschaften, die gewissermaßen in verschiedenen Tälern sich auf ihre kulturelle und spirituelle Reise begeben haben und zunächst nichts von anderen Religionen gewusst hätten, dann aber irgendwann aus ihrem jeweiligen Tal heraus gekommen seien und auf andere Religionen und somit auf andere Gottesbilder getroffen seien. Jede dieser Gesellschaften meine im Kern zwar Gott, habe aber unterschiedliche Gottesbilder von ihm entwickelt. Somit gelte es, auf die Suche nach einem gemeinsamen Gottesbild zu gehen, in dem sich im Sinne eines Kompromisses alle irgendwo wiederfinden und verorten können, wobei diese Suche natürlich Konflikte ergeben kann.

Warum ich das Ganze hier aufliste? Zumal als Christ? Weil es sinnvoll ist, diese Positionen zu kennen, da sie einen doch davor bewahren, in eine fundamentalistische Richtung zu kippen, nach der man mit der eigenen Religion die absolute Wahrheit gepachtet habe.

Zwar ist es klar, dass jede Religion diese Wahrheit für sich beansprucht, aber man sollte das Denken dahingehend offen lassen, dass Gott durchaus größer sein mag, als unsere religiöse Vorstellungen.

Für Christen ist es sicher der richtige Weg, sich an Jesus Christus, seinem Leben, seinen Aussagen, Taten und seiner Auferstehung zu orientieren.

Apriori allen anderen Religionen ihren Wahrheitsanspruch abzuerkennen, dürfte aber nicht allzu zielführend sein und nur Konflikte provozieren, die man dann nicht überbrücken kann.

Die hier genannten Sichtweisen bieten auf jeden Fall eine Grundlage, um gemeinsam ins Gespräch zukommen darüber, welches Gottesbild ein jeder hat und wo vielleicht Überlappungen sind, auf die man sich gemeinsam einigen und die man gemeinschaftlich betonen könnte.

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