Es sind die kleinen Dinge im Leben

… die dem Leben Würze verleihen. Einige Menschen warten auf das Große, auf den Moment, in dem angeblich alles passt. Sie werden wohl dauerhaft enttäuscht leben müssen. Denn wann passt schon mal alles?

Die wirklich guten Zeiten im Leben, an die wir uns erinnern, sind vermutlich diejenigen, in denen 80% unseres Lebens als gut empfunden wurde und nur 20% als schlecht. Die 100% erreicht man praktisch nie. Wohl nur in der Theorie. Und so sind es die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen. So Banales, wie, dass man beispielsweise in der Früh ein paar schmutzige Gläser in die Spülmaschine räumt. Daran ist nichts besonderes. Aber die Wohnung wird gleich ein Stück aufgeräumter, obwohl man sie nicht komplett aufgeräumt hat. Oder dass man den Nachbarn oder die Nachbarin grüßt. Auch dies nichts besonderes, aber die Welt wird ein wenig freundlicher. Dass man alte Bekannte oder die Familie anruft, auch, wenn es nur ein paar Minuten lang dauert. Dass man 5 Minuten joggen geht, anstatt diese angestrebten 30 Minuten niemals joggen zu gehen, obwohl man immer auf diese 30 Minuten wartet, die einem dann aber nie in den Kram passen. Dass man einfach aus der Wohnung geht und einen Spaziergang macht, obwohl man noch so viel machen müsste. Dass man auf seinem Spaziergang auf Neues achtet, mal schaut, ob man Vogelstimmen hört. Dass man in einen Laden geht, den man bisher übersehen hat, freundlich grüßt und ein paar Worte mit dem Inhaber oder der Angestellten wechselt, obwohl man das sonst nie macht oder nur auf das Notwendigste reduziert.

Sie merken, es gibt vieles, was das Leben in kleinen Etappen lebenswert und liebenswert machen kann. Die großen Etappen kommen vermutlich nie. Auch, wenn der große Karibikurlaub ansteht, besteht er doch nur aus kleinen, zwischenmenschlichen Etappen. Wenn das Kleine stimmt, stimmt deswegen automatisch auch das Große.Umgekehrt aber nicht. Wer glaubt, der große Urlaub würde eine Beziehung beispielsweise gut mgutmachen, irrt sich wohl. Die kleinen Schritte machen eine Beziehung gut, dann klappt es auch im Großen.

Unser Leben ist fragmentarisch. Als Kind glaubt immer noch, zumindest, sofern man in einer behüteten Atmosphäre aufwuchs, dass die Welt nur gut sei und alles einfach so funktioniert. Doch je älter Menschen werden, desto mehmir machen sie die Erfahrung, dass andere Menschen sich verändern, dass man selber sich verändert, dass Beziehungen nicht immer so bleiben, wie sie waren, sondern dass sie ambivalent sind, dass man eine gewisse Rollendistanz zu sich selber braucht, um auch mal über sich selbst lachen zu können, eine Ambiguitätstoleranz, die es einem ermöglich, unklare Situationen auszuhalten, obwohl man sie doch gerne klar hätte, und dass man auch Frustrationstoleranz benötigt, um durchs Leben zu kommen, weil einfach die Dinge nicht immer so sind, wie man sie gerne hätte. Aus diesen Gründen ist man gut bedient, zwar auf das Gestern zu schauen, denn es formte uns, auch das Morgen zu planen, damit auch das Morgen lebenswert ist, aber zu wissen, dass man nur das Hier und Heute und den gegenwärtigen Augenblick hat, den man leben kann und soll und muss. Und diesen Augenblick kann man sich durch die kleinen Dinge gestalten, so, dass er lebenswert ist. Und vielleicht so, dass man morgen zurückblickt und sagt: was war denn das für ein guter Augenblick, hätte ich gestern ja gar nicht erwartet.

Bild als E-Card verschicken.

Advertisements

Kommentar verfassen...(Kommentare, die Links enthalten, müssen auf Freischaltung warten)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s