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Warum gibt es Streit?

Die vordergründige Antwort ist einfach: deswegen, weil es unterschiedliche Meinungen gibt. Es gibt aber verschiedene Arten von Streit. Oft ist es so, dass der Eine von dem Anderen etwas möchte, der Andere aber vorgibt, einfach nicht zu verstehen, was der Eine will.

Beispiel: Eine ältere Frau hat ein Auto und vorne ist ein Licht kaputt. Weil Wochenende ist und sie selber sich mit Autos nicht allzu gut auskennt, braucht sie schnell eine Lösung. Sie fragt einen Nachbarn, ob er ihr die Lampe auswechseln könne. Der sagt, er habe keine Zeit, er könne das nicht, es sei doch ganz einfach, eine Werkstatt anzurufen und sie könnte doch bei der Werkstatt selber vorbeifahren. Und hätte sie ihm das mit der Lampe doch vorher gesagt, er sei doch eben erst an einer Tankstelle vorbei gefahren und hätte da doch eine besorgen können. Aber nun, nun ginge das einfach nicht.

Nach dem griechischen Philosophen Sokrates ist es so, dass jemand, der das Gute erkannt hat, dies automatisch auch tut. Im oben genannten Fall wäre es also so, wenn der Gefragte erkennen würde, dass es etwas Gutes ist, seinen Mitmenschen zu helfen, dass er dies automatisch und sofort auch machen würde. Wir merken aber, das ist etwas zu einfach gedacht.

Nach dem dänischen Philosophen und Theologen Sören Kirkegaard liegt die Sache etwas anders. Der Mensch ist ihm zufolge zwar prinzipiell fähig, das Gute zu erkennen, will es aber nicht erkennen.

Deswegen, weil er es nicht will, kann er es auch nicht erkennen.

Im vorher genannten Fall wäre es also so, dass der Gefragte nicht erkennen will, dass es etwas Gutes ist, der Frau zu helfen. Er hat Gründe dafür. Es würde ihn Bequemlichkeit kosten, er müsste etwas machen, was außerhalb seiner selbst liegt und was ihm selbst nicht unbedingt etwas nützt. Er müsste uneigennützig für jemand anderen etwas machen. Deshalb führt er alle möglichen Gründe auf, weshalb er die Hilfe nicht leisten kann und es angeblich doch so leicht sei für die Frau, sich selbst zu helfen. Das ist aber nicht der Fall, denn sie hat ihn ja gefragt, weil sie selber nicht weiter weiß, für sie ist es also keineswegs leicht. Weil er aber nicht erkennen will, erkennt er auch nicht. Er glaubt, es sei so, wie er vorgibt. Tausend Gründe hindern ihn, und er ist davon überzeugt, dass er Recht hat.

Wenn Sie das nächste Mal in einen Streit verwickelt sind, gehen Sie mal in sich und fragen sich selbst, was in diesem Fall denn eigentlich und unabhängig von Ihrer privaten und persönlichen und um Sie selbst herum kreisenden Sicht das Gute wäre. Und ob Sie es denn eigentlich prinzipiell auch erkennen möchten. Denn nur, wenn Sie das wollen, haben Sie auch gute Karten, den Streit gütlich zu lösen.

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