Und wie beten Sie eigentlich so? (Falls Sie überhaupt jemals beten)

Pardon, die Frage soll jetzt nicht zu persönlich sein, aber ich stell mal eine persönliche Frage.

Falls Sie zufällig Christ sind, oder von mir aus auch Moslem oder Jude oder irgendein anderer Gläubiger, whatever, werden Sie ja gewisse Vorstellungen haben, wenn Sie beten, oder? Haben Sie vielleicht eine Gebetsmühle in der Hand, die Ihnen die Anzahl der Gebete abnimmt, anhand derer Sie glauben, Gott werde Ihnen wohlgesonnen sein? Glauben sie, die Erfüllung ihres Wunsches oder ihrer Hoffnung hängt von der Anzahl der Gebete ab? Oder haben Sie konkrete Vorstellungen im Kopf, die Gott Ihnen erfüllen soll?

Ja, ich glaube, das haben Sie. Das liegt in der Natur des Menschen und es liegt wohl auch in meiner Natur. Wir haben gewisse Vorstellungen, von denen wir hoffen und wünschen und glauben, Gott werde sie erfüllen.

Und dennoch, ich muss Sie enttäuschen, ist Gott wohl anders, als wir es vermuten und erwarten, Gott ist derjenige, von dem wir uns nicht im Entferntesten auch nur ein bisschen vorstellen können, wer er wirklich ist, von dem wir aber andererseits immerhin, und das ist eine gute Nachricht, zumindest das Fünkchen einer Ahnung haben können, wenn wir auf ihn schauen, wie er sich uns gezeigt hat, in Jesus. Jesus, der 100% Mensch war und gleichzeitig 100% Gott, erzählte nämlich von Gott und seinem Wesen. Deshalb, glauben wir Menschen, oder genauer gesagt, glauben zumindest wir Christen, können wir in unserer menschlichen Vorstellung ein wenig von ihm, von Gott, verstehen.

Aber so wie Janis Joplin es singt, dass wir ein Gebet bei Gott einschmeißen und dann genau das hinaus bekommen, was wir uns wünschen, ist es wohl nicht. Das wissen wir wohl alle. Wer sich einen Mercedes Benz wünscht, bekommt von Gott nicht unbedingt einen Mercedes Benz. Aber er bekommt vielleicht die Fähigkeit geschenkt, einen Führerschein machen zu können.

Und dennoch, so absurd ist der Wunsch eines Gebetes auch nicht. Es gibt Berichte über Jesus, wo Menschen ihn bitten, sie von ihren Krankheiten zu heilen oder sogar eine verstorbene Tochter wieder zum Leben zu erwecken. Jesus erfüllt diese Wünsche. Drum ist das Lied von Janis Joplin auch so abwegig nicht, wenngleich wir wohl sicher sein können, dass Gott wohl nicht den Wunsch nach einem Mercedes-Benz erfüllen wird. Aber vielleicht den Wunsch nach Heilung, den Wunsch nach Rettung, den Wunsch nach einem mehr oder weniger gelingenden Leben. Dieses Gebet und diese Bitte dürfen wir formulieren in dem Glauben und dem Wissen, dass Gott sich unserer Hoffnung annehmen wird. Gott kann natürlich auch auf konkrete Bitten eingehen, warum denn auch nicht. Ein Mercedes-Benz wird es wohl nicht, Heilung vielleicht aber schon. Trotzdem bleibt Gott für uns etwas völlig unverständliches. Manche Menschen werden geheilt, andere nicht. Dennoch lohnt es sich, zu beten.

Denn sogar Jesus lehrt uns das Gebet, das die meisten von uns kennen, das Vater Unser.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Amen.

In der Bitte, dass das Reich Gottes komme, wie auch Jesus es angekündigt hatte, der sagte, das Reich Gottes breche bereits im Hier und Jetzt an, liegt die Hoffnung, dass Dinge nicht unbedingt so sein müssen, wie sie uns erscheinen. Wenn Gott nah ist, können Dinge auch anders – und hoffnungsvoll sein.

Und lassen Sie mich einen letzten Gedanken formulieren. Janis Joplin wird wohl niemals, nicht im entferntesten, hat erahnen können, welche Kreise ihr Song Mercedes-Benz jemals hätte ziehen können und in Zukunft auch ziehen wird. Auf Partys und in theologischen Kreisen.

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