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Die lange Nacht

Kaum, dass der heutige Tag hinter dem Horizont hervorgeblinzelt hat, wird er schon wieder im Dunkel verschwinden. Es folgt die längste Nacht des Jahres. Eine politisch durchaus treffende Metapher.

Die Briten bereiten ihren Ausstieg, den Brexit, aus der EU vor, welche als Wertegemeinschaft gilt und den Frieden sicherte, indem nicht mehr Waffen zwischen Völkern standen, sondern Finanzströme. Gegen Polen hat die EU ein Verfahren eingeleitet wegen Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit, denn in der EU müsse überall Rechtssicherheit gelten, was natürlich nicht mehr der Fall ist, wenn die Regierung der Judikative und der Legislative hineinreden kann. Viktor Orban aus Ungarn wird Polen wohl zu Hilfe eilen und eine EU Resolution gegen Polen zu verhindern wissen, so gut er kann, denn er ist selber die personifizierte Fliehkraft in Europa. Die Katalanen stimmen neu ab und wählen, wobei die stay- und die leave-Befürworter nach aktuellen Umfragen gleichauf sein dürften. Mit einem derart knappen Ergebnis ist wohl nicht damit zu rechnen, dass Katalonien tatsächlich derzeit die EU verlassen dürfte, was wohl auch rechtlich aufgrund der spanischen Gesetzgebung nicht gehen dürfte, weil nicht vorgesehen. Dennoch brodelt es in der Provinz Katalonien. Trump setzt derweil in der UN andere Staaten unter Druck, sich seiner Jerusalemresolution, die Jerusalem als Hauptstadt Israels definieren will, anzuschließen, ansonsten droht er, Gelder an widerborstigen Staaten einzufrieren. Parallel dazu hält er mit dem dicken Anführer aus Nordkorea den Atomkonflikt am Köcheln. In Syrien ist nach wie vor Bürgerkrieg, und auch weiterhin gibt es Flüchtlinge aus Afrika, die unter anderem in Libyen stranden und dort in zwielichtigen Lagern interniert und teilweise sogar versklavt werden. Einige abgelehnte Asylbewerber werden aus Deutschland zurück nach Afghanistan ausgeflogen, wenngleich das Auswärtige Amt beispielsweise Reisende dringendst davor warnt, nach Afghanistan reisen zu wollen, viel zu gefährlich. Allerdings wird die Wahrscheinlichkeit, in Afghanistan durch äußere Einwirkung den Tod zu finden mit dem Verhältnis von 1 zu 800 als hinnehmbar angesehen, sodass man als Asylbewerber dorthin wieder abgeschoben werden dürfe. Im Umkehrschluss würde jedoch niemand sein eigenes Kind auf eine Schule mit 800 Schülern schicken, wenn dort die Wahrscheinlichkeit von 1 zu 800 bestünde, nicht mehr heil nach Hause zu kommen. Emmanuel Macron in Frankreich hatte bei der letzten Präsidentenwahl Europa bezaubert und vor der rechtsradikalen Marine Le Pen bewahrt, wenngleich nur auf Zeit. Er müsste Reformen umsetzen, kommt aber nicht in die Gänge, weil er die deutsche Unterstützung bräuchte. Diese aber gibt es nicht, vermutlich auch auf längere Zeit hin nicht, weil in Deutschland keine Regierung gebildet werden kann. FDP-Chef Lindner tönte groß und laut auf seinen Schwarz-weiß-plakaten während des Wahlkampfes, als es dann aber hart auf hart kam, meinte er, es sei doch irgendwo besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren. Keine Lust auf Regierungsverantwortung. Nun soll die SPD wieder einspringen, aber viele aus ihren eigenen Reihen haben keine Lust mehr auf eine große Koalition. Also dümpelt das deutsche Staatschiff führungslos dahin und kann folglich auch nicht am dringend erforderlichen Bau Europas mitwirken. Vielleicht wird also bei der nächsten französischen Präsidentschaftswahl dann die extreme Rechte an die Macht kommen, Marine Le Pen, zumal Russland die radikalen Fliehkräfte in Europa weiterhin finanziell unterstützt, sowie auch ideologisch. Und zudem an den Grenzen Europas in der Ostukraine weiterhin Krieg führt. Insgesamt ist die Lage also hoffnungslos, aber nicht ernst. Naja, doch, eigentlich auch ernst. Das Ganze erinnert mich ein bisschen an die Science-Fiction-Serie Andromeda Ascendant, welche auch als „Die lange Nacht“ bezeichnet wird. Der Kapitän des Raumschiffs Andromeda, Dylan Hunt, kämpft quasi im Alleingang mit einer winzigen Crew gegen die sich weiter im Universum ausbreitende Dunkelheit, als Heilsbringer auf scheinbar verlorenem Posten. Fragt sich nur, wer hier den Dylan übernehmen und spielen will. Macron will, kann aber derzeit nicht. Also bleibt es wohl erstmal bei der langen Nacht, politisch gesehen. Jenseits der Politik jedoch dürfen wir darauf hoffen, dass nach dem heutigen Tag die Tage wieder länger und lichter und heller werden.

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