Wie wäre es, Gott zu sein?

Wenn Sie eine kurze Antwort bevorzugen, dann diese: wir Menschen haben keine Ahnung, nicht die leiseste. Wir können auch keine Ahnung haben, denn wir können in diesen Kategorien unmöglich denken. Wollte man aber die Sache gedanklich zumindest ein wenig zu fassen versuchen, nicht im Sinne einer Hybris, sondern nur des Interesses halber, könnte man folgende Überlegungen anstellen.

Gott wird ja gesehen als der Urgrund allen Seins, der vor allem war. Aus menschlicher Sicht wäre dies beängstigend, wenn man hier einmal in die Rolle Gottes schlüpfen sollte oder müsste. Man würde existieren, ohne, dass irgendetwas anderes existiert. Man selber wäre sich klar, warum man existiert und warum man schon seit Äonen und Unendlichkeiten und bis in alle Unendlichkeiten existieren wird. Aber als Mensch stellt man sich das doch eben ziemlich überwältigend vor, beängstigend. Ohne einen würde nichts existieren, weil man alles erschaffen hätte. Bevor man dies getan hätte, bevor es den Urknall gab, das ganze Universum, alles, was es gibt, wäre man nur man selbst und ganz allein gewesen. Dann hätte man vermutlich den Wunsch gehabt, etwas Kreatives zu bewirken und hätte dann plötzlich, z.b. durch den Urknall, alles in Existenz kommen lassen. Zuvor jedoch gab es vermutlich die ganzen physikalischen Gesetze noch nicht, die nämlich auch erst mit dem Urknall in Erscheinung traten. Zuvor gab es vermutlich keinen Raum und keine Zeit. Wie aber kann man sich das vorstellen, so ohne Raum? Wo wäre man da? Umgekehrt ist das Problem aber auch nicht gelöst, wenn es den Raum dann gibt. Wir fragen, wo ist das Ende des Universums? Und selbst, wenn Gott uns beantworten sollte, dass dort eine Mauer käme, müssten wir unwillkürlich sofort fragen, was dann hinter der Mauer wäre? Und so ist es auch mit der Zeit. Was ist denn unendlich? Ziemlich lange vermutlich. Und davor? Es gibt kein Davor. Unendlich ist einfach unendlich. Die Verfasser des Schöpfungsberichtes in der Genesis stellen sich Gott so vor, dass er den Menschen zu seinem Ebenbild schuf. Zu einem Gegenüber, so dass es außer Gott dann plötzlich noch etwas gab. Etwas, was nicht man selber war, was einen eigenen Willen hat und eine eigene Verantwortung, die ja damit einhergeht. Man hätte als Gott etwas geschaffen, was außerhalb von einem selbst liegt, oder vielleicht innerhalb von Gott, aber so, dass dieses Wesen Mensch eben keine Marionette ist, sondern mit Gott Kontakt haben kann, wenn es das möchte. Im Neuen Testament dann die Stelle, dass Gott den Menschen so sehr geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn für die Menschheit gab, um der Menschheit, die keine Marionette Gottes ist, die Möglichkeit zu geben, Gott erkennen zu können. Vielleicht sind dies einerseits menschliche Interpretationen des Göttlichen, andererseits, stellte man sich vor, man selber müsste einen Augenblick lang Gott sein, hätte man vielleicht tatsächlich ein großes Verlangen nach einem Gegenüber. Nach dem Menschen vielleicht. Nach etwas, das einen eigenen Willen haben kann, das einen überraschen kann, positiv wie auch negativ. Denn alleine als Gott in der Unendlichkeit zu sein, ist einerseits sicherlich ziemlich mächtig, vielleicht aber, zumindest würde man es sich als Mensch so vorstellen, doch auch etwas einsam. Der Theologie Jürgen Moltmann stellt es sich so vor, dass Gott, zumindest christlich gedacht, innerhalb von sich noch einmal selbstdifferenziert ist in die Trinität, also aus drei Personen besteht, Vater, Sohn, heiliger Geist, die sich nach außen hin jedoch als das Eine zeigen. So hätte man als Mensch, der einmal Gott spielen müsste für ein paar Momente, immerhin das Gefühl, man wäre nicht alleine, aber dennoch hätte man vielleicht nach wie vor den Wunsch, etwas Kreatives zu gestalten. Und dann käme man auf den Gedanken einer Schöpfung von etwas, was einem selbst ein Gegenüber sein könnte. Ein einerseits menschlicher und sehr vermessener Gedanke. Aber wir sind Menschen und können nur menschlich denken. Das ist unsere Crux und zugleich unser Vorteil. Oder wie der Theologe Karl Barth es formulierte, dialektisch: wir sind Menschen und können nicht von Gott sprechen. Zugleich sind wir Menschen und sollen von Gott sprechen. Und dann, menschlich weiter gedacht, zeigt sich Gott zu Weihnachten den Menschen in einem kleinen Kind, weil der Mensch es sonst einfach nicht verstehen könnte. Und Gott zeigt sich, weil er die Menschen liebt und ein vitales Interesse an einer Beziehung zu ihnen hat. Er drängt sich ihnen jedoch nicht auf, er macht von seiner gewaltigen und gigantischen Macht, die durch einen einzigen Gedanken das ganze Universum erschuf, keinen Gebrauch, nicht einmal dann, als er von der Besatzungsmacht in Galiläa, von den Römern, brutalst gefoltert und ermordet wird. Er macht keinen Gebrauch von seiner Macht, weil das den Menschen zu einer Marionette machen würde. Denn dann müsste der Mensch Gott gehorchen, Gott, der Macht schlechthin, die sich dann gewaltig gezeigt hätte. Aber offenbar geht es Gott darum, ein freies Gegenüber zu haben. Drum lässt er in der Erscheinung als Mensch alles mit sich machen, um dem Menschen zwar einerseits weiterhin das Du anzubieten, ihn aber nicht in die Rolle einer Marionette zu drängen. Das ist Weihnachten. Das ist Liebe und das ist ein Geschenk, das der Mensch annehmen darf, aber nicht muss. Weil es keine Gegenleistung verlangt. Gott schenkt sich zu Weihnachten den Menschen in Jesus. In dem Menschen Jesus, den die Menschen verstehen können.

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