93 Milliarden Lichtjahre: was hat Weihnachten mit der Größe des Universums zu tun?

So groß schätzt man die Ausdehnung des Universums. Fragt sich noch, worin es eigentlich ist? Hier hakt es bei uns Menschen dann immer aus, weil wir einfach nur so denken können, dass ja alles in irgendetwas drin sein muss. Die Beantwortung der Frage würde einen Regress in infinitum nach sich ziehen, denn wüsste man beispielsweise, dass das Universum in einer sehr großen Schachtel stecken würde, wäre ja sogleich wieder die Frage, in was die dann drin steckt. Wir kommen da irgendwie nicht weiter. Ähnlich aussichtslos ist wohl auch die Frage nach dem phänomenologischen Bewusstsein, also nach der Frage, was unser Bewusstsein vom Kern her ist. Ich hatte mich an anderer Stelle schon mal auf die Stoa bezogen, in welcher Philosophenschule man davon ausging, dass der Mensch eine Seele habe und diese Teil einer gewaltigen, göttlichen Seele sei. Die menschliche Seele kehre also nach dem irdischen Tod zurück in diese göttliche Seele. Interessant fand ich auch die von Professor Markus Gabriel einmal angestoßene These, dass unsere wie selbstverständlich erscheinende Theorie, Materie und Geist seien zwei unterschiedliche Entitäten, durchaus zu hinterfragen ist. Denn in einem rein materialistisch gedachten Weltall könnte ja im Grunde nichts Geistiges sein. Es gibt einige Astrophysiker, die der Meinung sind, das Universum sei im Grunde etwas Geistiges, nichts Materielles. In diesem Zusammenhang muss ich auch einen Artikel bzw ein Dossier aus der ZEIT denken, in dem der statistische Zufall behandelt wurde. Implizit klang dort die Theorie mit an, den Zufall an sich gebe es ja gar nicht, er sei eine rein statistische Größe. Einerseits stimmt das sicherlich, denn wenn man einen Würfel sehr, sehr oft wirft, sollte im Grunde jede Augenzahl gleich oft gewürfelt werden. Andererseits ist es meiner Ansicht nach völlig unzulässig, von dieser statistischen Betrachtung des Zufalls auf den Einzelzufall zu schließen. Im Einzelzufall wäre meiner Ansicht nach eine ganz gute Möglichkeit für das Wirken Gottes zu suchen. Auch generell hinter der Welt, die uns manchmal so materiell erscheint, ist dieses Wirken denkbar. Das neutestamentliche Gottesbild ist ja kein deistisches, in dem Gott sich aus der Welt komplett heraushält, nachdem er sie zuvor zwar erschaffen hat. Sondern es ist eines, in dem es sich beispielsweise zu beten lohnt, weil Gott reagiert. Nicht so, wie bei Janis Joplin, wenn sie sich einen Mercedes Benz wünscht, auch nicht so, wie bei einer Jukebox, in die man einen Quarter einschmeißt und dann das gewünschte Lied herausbekommt. Wohl aber so, dass Gott oder auch die göttliche Seele oder wie man das Ganze betrachten will, je nach Weltsicht eben, reagiert. Der biblische Gott und speziell natürlich der neutestamentliche wird gesehen als ein personhafter Bezug, der am Menschen ein vitales Interesse hat. Es ist nicht der abstrakte Gott der Philosophie, der hinter dem Universum gewissermaßen nur als letzte Ursache steht, sondern es ist einer, der Beziehung ist. Das zeigt sich auch in dem christlichen Gedanken der Trinität, die von Jürgen Moltmann einmal so erklärt wird, dass die drei Personen, Vater, Sohn und heiliger Geist, die sich nach außen hin als eins zeigen, nach innen hin Beziehung durch und durch sind. Weil Gott innerlich selbst differenziert ist in die drei Wesenheiten und deren Kern das ist, was man menschlich gesehen als die Liebe bezeichnen würde, nimmt Moltmann an, dass diese drei Hypostasen innerhalb ihrer selbst und aufgrund ihrer Liebesbeziehung Raum schaffen für die Existenz allen Lebens und des Universums. Natürlich ist unser ganzes Wissen und unsere Erkenntnis leider nur Stückwerk und auch ich kreise immer wieder um ähnliche Gedanken, in die ich Sie aber automatisch mit hineinnehme und die Sie gerne mit- und weiterdenken können. Gehen Sie mal nicht davon aus, dass ich irgendwann das Geheimnis gelüftet haben könnte. Es reicht aber schon, wenn man im Diskurs und in der Überlegung bleibt, bewahrt einen dies doch davor, die Welt allzu eindimensional zu begreifen und zu sehen und somit das Göttliche apriori auszuschließen. Nein, meiner Meinung nach müsste es doch so sein, dass die Welt zutiefst durchdrungen ist von dem Göttlichen und vielleicht ist es ja so, wie der Bruder des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, nämlich der Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker, meinte, dass alles im Grunde etwas Geistiges ist, nichts Materielles. Diese Sicht kann man dann so weiter formulieren, dass letztlich alles, was es gibt, ein Gedanke Gottes ist. Sie und ich und das ganze Universum. Damit entfiele dann automatisch auch die Frage, warum es das Bewusstsein überhaupt gibt. Wir wären in Gott drin und gewissermaßen ein winziger Teil des Göttlichen. Vielleicht ist es das, was Jesus mit seiner präsentischen Eschatologie meinte, als er darauf hinwies, dass das Reich Gottes bereits im Hier und Jetzt beginnt. Wenn man daran glauben kann.

Denn der Glaube versetzt Berge. Würde jemand glauben, er wäre krank, sähe sein Leben schlagartig anders aus. Würde jemand glauben, er sei von einer schweren Krankheit plötzlich geheilt, würde auch dies sein Leben mit einem Schlag radikal ändern. Von jetzt auf gleich. Und wenn man glauben kann, was ja durch einige oben genannte Dinge durchaus naheliegt, dass wir in Gott drin sind, würde das auch mit einem Mal die Sicht auf die Welt, die Mitmenschen, die Schöpfung, die Umwelt und alles verändern. Wer das glauben kann, wird auch anders handeln, als er es bisher getan hat.

Na ja, und nun in der Adventszeit, wo Weihnachten kurz bevorsteht, bereitet man sich ja auf das Fest vor, das an die Inkarnation Gottes im Menschen Jesus erinnert. Jesu Leben kann nach christlicher Lesart nur so richtig verstanden werden, dass man zwar sieht, er war ein wahrer Mensch, aber auch wahrer Gott. In ihm, seiner Botschaft, seinem Leben und seiner Auferstehung zeigt sich das Göttliche, das so etwas von sich mitgeteilt hat. Am besten schließe ich deshalb hier mit einem: Amen.

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