Worum geht es beim Streit um das Vaterunser?

Führt Gott die Menschen in Versuchung oder ist es eine böse Macht, die das tut? Darum geht es beim aktuellen Streit um das Vaterunser.

Vor kurzem hatte Papst Franziskus zu bedenken gegeben, dass die deutsche Übersetzung des Vaterunsers eine problematische Passage enthalte. Dort heißt es nämlich in einer Bitte an Gott:“…und führe uns nicht in Versuchung!“. Diese Stelle sei im Deutschen schlecht, vielleicht sogar falsch übersetzt. Denn „…führe uns nicht in Versuchung…“ hieße ja, dass man Gott bitten müsste, er solle einen doch bitte nicht in Versuchung führen. Papst Franziskus stellte jedoch richtig, dass es ja nicht Gott ist, der den Menschen auf Abwege führt, sondern der Satan, der Teufel oder wie man diese lebensfeindliche und Leben zerstörende Macht auch immer bezeichnen mag. Drum sei es besser zu beten „… und lass uns nicht in Versuchung geraten!“. Denn in dieser Version ist Gott derjenige, der dem Menschen zur Seite steht und ihn vor Fehltritten möglichst bewahrt, sofern der Mensch sich bewahren lassen möchte. Das Argument von gewissen Theologen gegen die Interpretation des Papstes lautete sogleich, der griechische Urtext sei wortwörtlich übersetzt worden und dort heiße es „… und nicht führe uns hinein in Versuchung“. Wie in der aktuellen Printausgabe der ZEIT angeführt wird, kontert der Publizist Franz Alt, der den Bestseller „Was Jesus wirklich gesagt hat“, schrieb. Er weist nämlich darauf hin, dass die Sprache Jesu aramäisch war und nicht griechisch. Die Worte Jesu, die zwar nur mündlich überliefert wurden, aber ihren Ausdruck dann doch im griechischen Urtext des Neuen Testaments fanden, könne man in die aramäische Version zurück übersetzen, die demnach hieße „lass retten uns aus unserer Versuchung.“ In dieser offenbar ursprünglichen Version ist also Gott doch derjenige, der den Menschen bewahrt und rettet. Das ist immerhin eine gute Nachricht, zumal in der Adventszeit, wo man sich auf die Inkarnation Gottes zu Weihnachten vorbereitet. Allerdings werden Christen in Deutschland, die glücklicherweise einer fundamentalistischen Bibelauslegung ohnehin nicht sehr zuneigen, da sie zum einen durch den Geist der Aufklärung und durch einen verantwortlich geführten schulischen Religionsunterricht geprägt sind, sich nicht so sehr am Wortlaut oder einer wortwörtlichen Auslegung der Bibel stoßen und eine solche auch gar nicht propagieren. Denn sie haben gelernt, die Botschaft Jesu nicht dem Wortlaut entsprechend auszulegen, sondern innerhalb des gesamten Deutungszusammenhangs von Jesu Botschaft zu interpretieren. Und Jesus spricht immer wieder von einem liebenden Gott. Von einem, der loszieht, um das eine verlorene Schaf zu suchen, obwohl er doch 99 davon noch besitzt. Von einem, den der jüngste Sohn verlassen hatte, nachdem er sich sein Erbe hat auszahlen lassen, dann aber kleinlaut zurückkommt und hofft, zumindest noch wie ein Tagelöhner vom Vater behandelt zu werden. Diesen verlorenen Sohn nimmt der Vater, nimmt Gott liebevoll und ohne böse Belehrungen wieder auf. Denn der Sohn hatte bereits genug durchgemacht. Der Vater war froh, dass er wieder daheim war. Von Gleichnissen wie diesen ausgehend kann man sicherlich auch das Vaterunser interpretieren in dem Sinne, dass Gott es ist, der den Menschen davor bewahren möchte, auf Abwege zu geraten.

.

Kommentar verfassen...(Kommentare, die Links enthalten, müssen auf Freischaltung warten)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s