„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ ?

Die Floskel aus der Überschrift, allerdings mit einem Ausrufezeichen am Ende, findet man oft bei Rechtspopulisten. Irgendwelche vermeintlichen oder tatsächlichen Tabubrüche werden mit dieser Floskel eingeleitet. „Man wird doch wohl noch sagen dürfen, dass Flüchtlinge… Dass Ausländer… Dass Andersdenkende…“. Und so weiter.

Es ist die eingespielte Floskel der Tabubrüche. Dennoch gibt es, wenn wir mal diesen politischen und ausländerfeindlichen Kontext verlassen, Zusammenhänge, in denen einem fast eine solche Formel unterstellt wird, obwohl man selber liberal orientiert ist. Nämlich dann, wenn es darum geht, die Wunder der Natur zu bestaunen und einen Gottesbezug dabei herzustellen. Wenn man z.b. sagt, es ist doch sehr erstaunlich, dass aus so vielen kleinen Atomen und so vielen Körperzellen so derart komplexe Lebewesen wie Mensch und Tier entstehen. Hier gerät man fast selber ins Fahrwasser, dass man sagen möchte: „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“ – weil man nämlich automatisch im Hinterkopf hat, man würde gleich in die Intelligent-Design-Ecke gestellt werden. Das ist aber ein Trugschluss. Denn beim Intelligent Design geht es um den Versuch, Gott aufgrund der Komplexität in der Natur nachweisen zu können. Im Grunde ist die Intelligent-Design-Bewegung daher dem teleologischen Gottesbeweis ähnlich, der versucht, ebenfalls Gott nachzuweisen aufgrund der Tatsache, die er annimmt, dass nämlich das Leben irgendwie zielgerichtet konzipiert erscheint. Aber sowohl der Versuch der Intelligent-Design-Bewegung als auch der teleologische Gottesbeweis scheitern letztlich, weil man das Transzendente nicht greifen und nicht nachweisen kann. Am Ende steht der Glaube, Gewissheit kann man wissenschaftlich niemals erlangen. Dennoch möchte man gerne dem Staunen über die Wunder der Schöpfung Ausdruck verleihen und hat so schon auf der Zunge den Ausdruck liegen „das wird man ja wohl noch sagen dürfen…“. Und ja, natürlich darf man es sagen, sofern man weiß, dass es sich um keinen Beweis handeln kann. Natürlich darf man sagen, die Wunder der Schöpfung sind für uns Menschen nicht begreifbar und letztlich mit dem menschlichen Verstand irgendwo höchstens partiell ergründbar und nur in Ansätzen verständlich. Wenn wir die mehr als 13 Milliarden Jahre bis zum Urknall gedanklich zurückblicken, erschlägt uns allein die Größe dieser Zahl und ist für uns im Prinzip völlig unvorstellbar. Wir können die Zahl zwar lesen, aber haben damit nicht wirklich etwas zu assoziieren. Aus dem Urknall heraus entwickelten sich über Milliarden von Jahren hinweg in vielen Metamorphosen die verschiedenen Elemente, wie beispielsweise auch der Kohlenstoff, der die Grundlage des Lebens, wie wir es kennen, darstellt. Aus einer gewaltigen Abfolge kosmischer Ereignisse entstanden unter anderem auch all diejenigen Elemente, mit denen Leben erst möglich wird, aus denen sich Moleküle bilden können, welche sich dann zu Körperzellen zusammenfügen und dann hochkomplexe Lebewesen ergeben.

Im Sinne dieses ungläubigen Staunens findet man in der Bibel viele Stellen, die Gott preisen und seine Werke und seine Schöpfung. Dieses Wunder der Schöpfung darf man aber durchaus laut benennen und bestaunen. Einen Beweis für Gott bilden diese Dinge nicht, aber für gläubige Menschen weisen Sie doch stark auf Gott hin. In der Bibel klingt das beispielsweise so wie in Psalm 104, den man unter folgendem Link finden kann.

http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/psalm/104/

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