Wo die Tauben essen

Gemeint sind hier nicht die Gehörlosen, sondern die Vögel. Es gibt Orte, an denen gibt es viele Tauben und zudem Menschen, die an Tischen sitzen und essen. Beispielsweise am Markusplatz in Venedig. Dort gehören die Tauben gewissermaßen zum Flair und man arrangiert sich mit ihnen. Wie sollte man es auch anders anstellen, wo der Platz doch nach oben offen ist und Vögel aller Art dort ganz selbstverständlich fliegen und landen können.

Ähnlich verhält es sich mit Bahnhöfen, so auch mit dem Münchner Hauptbahnhof. Zu groß sind dort die Öffnungen, als dass man die Vögel fernhalten könnte. Nun mag nicht jeder Tauben gleichermaßen, wenngleich es auch beispielsweise das Symbol der Friedenstaube gibt und sie also mitunter für Hoffnung steht. Ein etwas nüchternerer Blick auf dieses Gefiedervieh haben manche Leute, die darauf hinweisen, dass es sich dabei ja um die Ratten der Lüfte handle, weil sie im Gefieder eine ganze Menge Keime und Bakterien beherbergen, die sie dann auch gerne mal übertragen könnten. Zwar sind sie bei weitem nicht so gefährlich, wie beispielsweise die Flöhe, welche in Madagaskar gerade die Pest wieder zum Ausbruch gebracht haben, dennoch könnten natürlich auch Tauben rein prinzipiell Flöhe in ihrem Gefieder beheimaten, wenn gleichwohl nicht vergleichbar schlimme.

Wie auch immer. Sitzt man am Münchner Hauptbahnhof in einer Fastfoodkette innerhalb dir Bahnhofshalle, die sich selbst als „Der König der Burger“ bezeichnet, kommt es immer wieder vor, dass im Innenraum eine Taube umherspaziert, sich ein Pommes in den Schlund zu würgen bemüht ist und dann, wenn dies nicht gelingt, zwischenzeitlich an die Decke fliegt und sich dort auf den metallenen Fachwerkträger setzt. Mit einem Auge schielt man also nach oben, ob da nicht vielleicht irgendeine Flüssigkeit aus der Taube heruntertropft, mit dem anderen hat man sie dann im Blick, wenn sie zwischen den Füßen entlang tippelt, um sich wieder dem Pommes anzunehmen. Und man fragt sich, ob sie denn eigentlich nur im Essensbereich der Fastfoodkette als Gast unterwegs ist, oder ob sie nicht auch einmal die Küche besuchen möchte, welche ja durch keine Türen, sondern nur durch eine Theke mit viel Möglichkeit zum Hindurchfliegen von dem Gästebereich abgetrennt ist. Und man fragt sich auch, ob die leider nicht allzu gut bezahlten Bediensteten denn gegen Dienstschluss hin die werte Taube darauf hinweisen werden, doch nun bitte auch das Restaurant zu verlassen, ob sie bei einiger Widerspenstigkeit möglicherweise auch mit einer Leiter nach oben klettern werden, um sie dort zu überzeugen, oder ob sie sich damit begnügen, sie oben auf ihrem Fachwerkträger sitzen zu lassen und eindringlich zu mahnen, nachts, wenn niemand da ist, sich bitte nur im Gästebereich aufzuhalten, auf keinen Fall aber in die Küche zu fliegen und dort auch bitte nichts zu hinterlassen, was eigentlich in eine Toilette gehörte. Da ich sehr selten in diesem Restaurant bin und es aber nun schon das zweite oder dritte Mal ist, wo ich diese oder eine ähnliche Taube antraf, kam ich nun wirklich nicht umhin, mir solche Fragen zu stellen. Zumal besagte Burgerkette vor nicht allzu langer Zeit aufgrund von zweifelhafter Hygiene einige Monate geschlossen war, um danach mit einem neuen Hygienekonzept zu starten. Vielleicht sollte man deshalb erwägen, Tauben generell den Zutritt zu verwehren, um der neuen Unternehmensphilosophie gerecht zu werden. Wobei das Wort „Philosophie“ bei Unternehmen irgendwo immer fehl am Platz zu sein scheint und doch etwas schal klingt, besteht doch in der Regel die ganze Philosophie von nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung arbeitenden Unternehmen eigentlich darin, den Profit zu erhöhen und bestenfalls die Mitarbeiter noch glauben zu lassen, dass sie gerne dort arbeiteten. Aber ich verzettel mich. Ich wünsche der Taube auch weiterhin einen guten Flug und dem Unternehmen den nötigen Blick für das Bakterien tragende Federvieh.

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