Der Sonntag als Ruhetag

Am siebten Tag ruhte Gott, so die Vorstellung der Schöpfungsgeschichte ganz am Anfang der Bibel, in der Genesis. Dabei sollte man sich vergegenwärtigen, dass diese Geschichte sicherlich nicht sieben echte Tage meint, sondern ein theologisches Konzept darstellt, welches auf damals gängige naturwissenschaftliche Vorstellungen zurückgreift, sofern man hier von Naturwissenschaft sprechen kann. Theologen überlegten sich, in welcher Abfolge die Welt entstanden sein könnte und verorten Gott als Ursprung dieses Schaffens. Die Schöpfungsgeschichte wurde vermutlich als Gebet oder Lied in der jüdischen Gemeinde gelesen oder gesungen. Der siebte Tag als Ruhetag ist auch deswegen wichtig, weil das Volk Israel, an welches sich ja diese Geschichte zuerst einmal richtet, bevor sie auch von Christentum aufgegriffen wurde, die Erfahrung von Sklaverei und Unterdrückung in Ägypten gemacht hat. So soll am 7. Tage Ruhe für alle herrschen, auch für Bedienstete und Sklaven. Somit hat dieses theologische Konzept auch sozialgesellschaftliche Auswirkungen. Auch heute ist dieses Konzept nach wie vor aktuell, vielleicht sogar aktueller, als vor einigen Jahrzehnten noch. Denn heute gibt es viele Menschen, die mehrere Jobs haben und dennoch in prekären Verhältnissen leben. Bei ihnen gilt es oft, dass sie arbeiten müssen, wann immer der Arbeitgeber dies von ihnen verlangt. Die Schöpfungsgeschichte schiebt diesen vermeintliche Ansprüchen von Arbeitgebern einen starken Riegel vor. Denn die Aussage ist die, lieber Arbeitgeber, du magst vielleicht mächtig sein, im Vergleich zu Gott bist du aber nur sein Geschöpf und ihm doch wesentlich untergeordnet. Und wenn es dem Willen des höchsten Gottes entspricht, dass der Mensch, sein Geschöpf, einen Ruhetag in der Woche einnehmen soll, so soll das Wort Gottes gelten, nicht deines. Man sollte sich diesen theologisch begründeten, sozial gesellschaftlichen Gedanken immer wieder vergegenwärtigen: es tut dem Menschen gut, einen Tag in der Woche einmal zur Ruhe zu kommen. Ganz egal, wie vermeintlich wichtig gerade alle anderen Termine und Ansprüche sind. Nimm dir z.b. heute eine Auszeit, ganz egal, was du eigentlich tun müsstest. Und vielleicht schaust du auch in einer Kirche vorbei. Oder nutzt die Zeit, um einmal selbst zur Ruhe zu finden oder soziale Kontakte zu pflegen, die vielleicht schon länger vernachlässigt sind.

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