Überwintern draußen, in der Stadt

Heute morgen lagen am Königsplatz wieder einige junge Männer auf dem Lüftungsschacht der U-Bahn. 6 bis 8 Leute dürften es gewesen sein. Einer hatte sich aufgesetzt und ich fragte ihn, ob er oder sie Hilfe bräuchten. Einige konnten Englisch, einer sogar ein paar Brocken Deutsch. Die Antwort war etwas ambivalent, nein bis vielleicht auch ja. Ich sagte ihnen, dass nebenan die Kirche St. Bonifaz ist, wo es eine Obdachlosenspeisung gibt. Heute Mittag suchte ich diese Obdachlosenspeisung auf und redete mit ein paar Mitarbeitern. Diese meinten, die jungen Männer oder auch Jugendlichen, denn einige von ihnen sind womöglich noch minderjährig, kämen bei ihnen oft vorbei und würden dort ihr Essen abholen, manche von ihnen hätten auch ein etwas problematisches Verhalten. Insofern wissen sie zumindest immerhin, wo sie hingehen können. Die Mitarbeiter berichteten auch, dass sie diesen Jugendlichen bzw jungen Erwachsenen bereits Flyer gegeben hatten und ihnen ausführlich erklärt hatten, wohin sie sich wenden könnten. Mit den Flyern könnten sie mit der S-Bahn kostenlos zur Bayern-Kaserne fahren, wo ihnen ab dem 1. November eine Wärmeunterkunft für die kalte Jahreszeit zusteht. Die Plätze seien dort massiv aufgestockt worden, sodass im Grunde jeder unterkommen könnte. Sie wollten aber offensichtlich nicht. Insofern ist zumindest in dieser Hinsicht ein wenig Entwarnung angesagt, denn diese jungen Leute könnten, wenn sie wollten. Warum sie nicht wollen, darüber spekulierten die Mitarbeiter. Sie meinten, unbegleitete Jugendliche, denn bei diesen Menschen handelt es sich womöglich um Flüchtlinge, würden generell eher auf dem Land untergebracht, wo man dann auch versuchen würde, dass sie eine Schulbildung bekämen. Viele wollten aber offensichtlich eher in die Städte, vermutlich deswegen, weil sie sich dort leichter mit irgendwelchen Jobs oder möglicherweise auch mit dem Verticken von Drogen etwas Geld verdienen könnten. Vor diesem Hintergrund ist die Sache dann allerdings auch wieder beunruhigend. Man muss davon ausgehen, dass die Polizei diese jungen Männer dort auf dem Luftschacht nachts duldet, denn gestern hatte ich der Polizei ja diesbezüglich Bescheid gegeben, zu dem Zeitpunkt allerdings noch unter dem Gedanken, dass niemand einen Kältetod sterben solle. Wie es nun weitergeht, ist für mich etwas unklar. Die jungen Männer wissen, wohin sie sich wenden können und holen sich auch immer dort ihr Essen, die Polizei ist auch informiert, so what. Eine etwas unzufriedenstellende Situation insgesamt. Gerne würde man einerseits helfen, allerdings gibt es ja Hilfsstellen. Zum anderen sollten Jugendliche, sofern sie tatsächlich noch minderjährig wären, natürlich nicht einfach so unbegleitet von Erwachsenen in der Stadt herum hängen, worum sich aber im Grunde auch die Streetworker kümmern müssten, die ja mittlerweile Bescheid wissen, sowohl von St. Bonifaz als auch von der Schillerstraße 25 oder aber die Polizei. Man kann gespannt sein, wie es weitergeht. Naja, und last but not least, ein Gedanke, der mir zuerst gar nicht kam, nun aber nach diesen Informationen doch auch im Hinterkopf ist, ist natürlich der, dass man auch in Bezug auf Kriminalität aufpassen sollte, was mit diesem jungen Männern und Jugendlichen geschieht. Ein Grund, dass sie nicht in die Bayern-Kaserne wollen, könnte der sein, dass sie nicht registriert werden möchten. Dies aber wäre natürlich auch problematisch, ganz besonders in einem Land, in dem jeder Bürger selbstverständlich registriert ist. Denn Kriminalität lässt sich ja im Grunde nur dann bekämpfen oder vorbeugend begegnen, wenn man auch weiß, mit wem man es zu tun hat. Auf jeden Fall sollten die oben genannten Stellen sich auch diesbezüglich um die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kümmern.

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