Ridley Scott schneidet Kevin Spacey heraus

Ridley Scott, der Kultregisseur, bekannt für Filme wie Blade Runner, Alien, Thelma & Louise und Gladiator, reagiert drastisch auf Vorwürfe gegen den Schauspieler Kevin Spacey. Diesem nämlich wird vermehrt zur Last gelegt, sexuell immer wieder übergriffig geworden zu sein. Ridley Scott zieht Konsequenzen und schneidet aus dem bereits abgedrehten Film „Alles Geld der Welt“, der in sechs Wochen in den Kinos starten soll, sämtliche Szenen heraus, in denen Kevin Spacey vorkommt. Die Szenen werden mit einem anderen Schauspieler nachgespielt. So sehr man das Vorgehen Ridley Scotts einerseits gut finden und auch nachvollziehen mag, sollte man sich klar werden, dass hier eine Vorverurteilung stattfindet, ohne, dass die Vorwürfe offensichtlich bisher tatsächlich begründet und als richtig nachgewiesen wurden. Eine solche Stigmatisierung eines Menschen wird dieser niemals wieder loswerden. Es mag durchaus sein, dass die Vorwürfe den Tatsachen entsprechen, allerdings gilt beispielsweise in Deutschland im juristischen Bereich zunächst einmal die Unschuldsvermutung. Sollte nach einiger Zeit herauskommen, dass Kevin Spacey womöglich doch unschuldig wäre, könnte seine öffentliche, mediale Vorverurteilung jedoch niemals wieder vollständig rückgängig gemacht werden. Der Ruf wäre für immer ruiniert, was er wohl bereits schon ist. Ein ziemlich zweischneidiges Schwert also. Denn einerseits will man natürlich nicht, dass Leute, die tatsächlich sexuell übergriffig werden oder wurden, einfach so davonkommen. Und in diesem Bereich ist es sicher schwer, tatsächliche Beweise anzuführen, besonders, wenn die Taten schon längere Zeit zurückliegen. Andererseits läuft man eben Gefahr, Menschen dauerhaft zu stigmatisieren, die womöglich unschuldig sein könnten. Ridley Scotts Sorge ist aber vermutlich, dass der ganze Film floppen könnte, sofern die Vorwürfe sich als zutreffend herausstellen sollten oder zumindest nicht rechtzeitig hinreichend glaubhaft entkräftet werden könnten. Somit steht hier wohl letztlich ein finanzielles Interesse im Hintergrund, die moralische Empörung ist wahrscheinlich eher zweitrangig.

http://www.zeit.de/kultur/film/2017-11/alles-geld-der-welt-kevin-spacey

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