Halloween und Reformationstag

Vermutlich wird erwartet, dass man hier einmal wieder daran erinnert, dass Halloween als ein keltisches Fest sich mit Geistern und allerlei ähnlichem Ungetier befasst. Und dass die Reformation dagegen eine neue Vorstellung von Glaubensfreiheit und Gewissensfreiheit in Gang gebracht hatte, und man auch keinen päpstlichen Konzilien mehr blind vertrauen musste, sondern selber in der Heiligen Schrift nachlesen durfte. Und konnte, weil sie ins Deutsche übersetzt wurde.

Das Problem ist nur, dass man hierzulande glücklicherweise an die Glaubensfreiheit und Gewissensfreiheit so sehr gewohnt ist, dass man eigentlich keinen mehr hinter dem warmen Ofen hervor bekommt mit diesem Versprechen von Freiheit. Glücklicherweise, einerseits. Andererseits wäre es natürlich schön, wenn man sich dieser Errungenschaft alljährlich immer wieder neu bewusst werden könnte. Wäre da nicht Halloween. Denn dieses Fest spricht gewissermaßen die niederen Instinkte des Menschen an, die Lust am Gruseln. Die Sendung Aktenzeichen XY ungelöst beispielsweise gibt es jetzt schon seit etwa vier Jahrzehnten und auch sie spielt mit dem Gruseln und der Angst. Sie ist deswegen ein Dauerbrenner. Vielleicht müsste man folgerichtig den Reformationstag irgendwie etwas gruseliger gestalten, vielleicht müssten die kleinen Halloweenmonster künftig eine Luthermaske aufziehen, um von Tür zu Tür zu ziehen, wenngleich Luther natürlich nichts Erschreckendes an sich hat, ganz im Gegenteil. Solch einem Luther könnte man dann aber zumindest seine Lutherbonbons schenken, die ja manche evangelischen Christen scheinbar zu Hause haben, um der Bedrohung durch Halloweenkinder angemessen antworten zu können. Nun mag ich persönlich Halloween nicht besonders, sondern verorte mich doch tatsächlich mehr auf Seiten des Reformationstags. Aber er müsste irgendwie spannender gestaltet werden, um mit dem Horrorangebot konkurrieren zu können. Die Frage ist nur, wie. Denn Freiheit ist kein Horror. Das ist hier das Problem. Wenngleich dieses Problem unter normalen Umständen, solange eben kein Halloween ist, ein Segen ist.

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