Braucht man Gott für die Moral und Ethik?

Moralvorstellungen und ethische Konzepte sind nicht unbedingt an den Glauben an den einen Gott gebunden. Auch ohne diesen Glauben kommt man zu ethischen Entscheidungen und bleibt handlungsfähig. Oft oder vielleicht immer kommt man allerdings zu utilitaristischen, ethischen Konzepten. Denen zufolge hat die Mehrheit immer recht, ganz egal, ob sie tatsächlich Recht hat. Das ist der Unterschied zum Glauben an Gott. Denn wenn man an Gott als höchste und letzte Instanz glaubt, geht man davon aus, dass es gewisse Grundwahrheiten gibt, die nicht verhandelbar sind. Drum ist es auch nicht egal, welchem Gottesbild man sich anschließt. Das christliche Gottesbild ist in dieser Hinsicht eine recht gute Wahl. Denn zum einen wird dort der Mensch als Ebenbild Gottes gesehen, und von diesem Standpunkt aus leiten sich die Menschenrechte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit her. Zudem ist ganz zentral das Doppelgebot der Liebe, dass man Gott lieben soll und seinen Mitmenschen, also den Nächsten, wie sich selbst, unter der Voraussetzung, dass man sich selbst natürlich liebt. Zudem gibt es auch noch die Feindesliebe, der zufolge man eben gerade auch die Menschen lieben soll, die einem zuwider sind. Grundgedanke ist auch hier, dass selbst ein sogenannter Feind letztlich ein Ebenbild Gottes ist, wenn auch eines, das vielleicht auf Irrwege geleitet wurde.

Ein klassisches, utilitaristisches Dilemma ist folgendes. Ein Flugzeug wird entführt und droht, mit allen Insassen auf eine Stadt zu fliegen und dort womöglich abzustürzen. Was soll man tun? Das Flugzeug abschießen, oder in Kauf nehmen, dass möglicherweise in der Stadt noch mehr Menschen ums Leben kommen, nämlich sowohl die Insassen, als auch viele Bewohner der Stadt? Oder hoffen, dass vielleicht alles gut ausgeht?

Utilitaristisch gedacht würde hier die Mehrheit die Minderheit toppen. Das Flugzeug müsste abgeschossen werden.

Nimmt man die christliche Ethik als Entscheidungsgrundlage, dürfte man das Flugzeug nicht abschließen, weil jedes Leben, selbst das eines möglichen Flugzeugentführers, unendlich wertvoll ist und einem in jedem Menschen letztlich ein Funke Gottes begegnet. Allerdings ist hier das Dilemma, dass man zu keiner Entscheidung kommt. Deswegen bedient man sich oft im Leben der utilitaristischen Ethik, in zentralen Fragen weicht man jedoch auf christliche Ethik aus. Beispielsweise bei der Frage, ob die Todesstrafe gerechtfertigt sei. Nach christlicher Ethik ist sie dies nicht.

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