Von Karottenhosen und Froschbeinen

Kann man optisch verletzt werden? Die Frage ist nicht ganz ernst gemeint, aber mal im Ernst: Wenn man in den 70er Jahren aufgewachsen ist, galt damals in Bezug auf Hosen der Cowboystyle, Bootcut Hosen, die unten immer bereiter wurden. Irgendwann einigte man sich auf die Levi’s 501, die immerhin einen geraden und eleganten Schnitt aufweist. Schaut man auf die heutige Jugend, denkt man gleich, so wie es die alten Tanten und Onkels und Großeltern einem früher immer gesagt hatten, oh, diese Jugend! Diese Jugend. Mittlerweile ist man aber wirklich in dem Alter, wo man sagen muss, diese Jugend! Kann die sich denn nicht richtig anziehen? Denn sie, die Jugend, zieht gerade das an, was damals doch so verpönt war, karottenförmige Hosen. Damit aber nicht genug, es gibt sie auch noch in der slim fit Ausführung, wo sie körpereng anliegen. Wenngleich das bei manchen vielleicht optisch ansprechend sein mag, gilt das jedoch längst nicht für alle. Und diese karottenartigen, Leggings-Jeans lassen dann sogar noch den Knöchel frei, unabhängig davon, ob nun der Winter ins Haus steht oder der Frühling. Ganz besonders hip ist man heutzutage, wenn nicht nur der Knöchel, sondern schon die halbe Wade herausschaut. Vermutlich berufen sich die verirrten Seelen dieses Modetrends auf die im Grundgesetz festgeschriebene Modefreiheit, wenngleich die Beine einiger dieser Leute, die derartig kurze Slim Fit Jeans tatsächlich freiwillig tragen, irgendwie ins Frosch artige umgedeutet werden. Oben ein etwas schwererer Körper auf zwei zu einer Stelze zusammengepressten Beinen. Ein gewisses Mitleid überkommt einen schon, wenn solch ein Modeopfer an einem vorüber zieht. Und ja, diese Modefreaks sehen einen ebenso mitleidsvoll an, wie man denn guten Gewissens und aufrechten Gangs in solch einer old fashioned Cowboyhose überhaupt durch die Stadt gehen kann und fragen sich im Stillen, wo man denn sein Pferd angebunden hat. Insofern ist das Unverständnis auf beiden Seiten groß und man hat sich im Grunde nichts gegenseitig vorzuwerfen, weil die Sache in einem Patt enden würden. Wer Lust hat auf Froschbeine, kann ja den Cowboy zu Hause lassen und umgekehrt. Und heimlich mit einem verschmitzten schmunzeln an dem jeweils anderen Modeopfer Vorbeigehen, unabhängig davon, ob man nun der Cowboy oder das Froschbein ist.

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