Epikur und Zenon

In der antiken griechischen Philosophie gibt es zwei Gegenpole. Der eine davon war der Philosoph Epikur, der meinte, die Welt sei aus Atomen zusammengesetzt und die menschliche Seele ebenso, wenngleich aus besonders feinen Atomen. Sobald sich die Atom-Verbindungen auflösen, aus denen die Seele besteht, löse sich also automatisch auch die Seele auf. Es gebe demnach also nichts, wovor der Mensch Angst haben müsse, da er nach der Auflösung der Seele ja nicht mehr existiere, also auch keine Wahrnehmung mehr habe.

Sagt sich natürlich so leicht. Der Mensch ist ja irgendwo einen sinnsuchendes Wesen und allein dieser Tatbestand könnte darauf hinweisen, dass tatsächlich auch Sinn existiert. Sinn allerdings kann nicht existieren, wenn es nur die Materie, also nur die Atome gibt. Denn Sinn ist eine geistige Dimension. Eine rein materielle Welt, in der es nichts Geistiges gibt, würde funktionieren wie ein Uhrwerk oder wie ein großes Getriebe aus Zahnrädern, aber innen drin wäre niemand zu Hause, also keine Seele, welche den Mensch ausmacht. Anders ausgedrückt, der Typ, der aus Ihren Augen herausschaut, würde gar nicht existieren und würde auch nicht wahrnehmen, dass er aus den Augen heraus schaut. Denn das System Gehirn würde automatisch laufen, ohne, dass innendrin irgendjemand zu Hause wäre. Deswegen ist diese Sicht problematisch. Sie kann irgendwo die Wirklichkeit nicht korrekt abbilden.

Einen Gegenpol zu Epikur bildete Zenon, der die Schule der Stoa gründete. Er ging davon aus, dass es eine unsterbliche Seele gebe, welche ein winziger Teil eines göttlichen Geistes sei. Mit dem Tod vereine sich die Seele dann mit dem göttlichen Geist wieder. In dieser Hinsicht würde also das Fünkchen einer göttlichen Seele während des irdischen Lebens in den Kategorien und Denkmustern des menschlichen Gehirns denken, wäre aber vom Wesen her etwas anderes. Dieser Teil der Philosophie kann zumindest erklären, weshalb es eine geistige Welt geben kann, die es ja offensichtlich geben muss. Warum muss es sie geben? Weil es Gedanken gibt. Gedanken sind im Prinzip auch dann wahr, wenn niemand sie denken kann. Man kann nämlich vermuten, dass sie prinzipiell auch unabhängig von Menschen existieren könnten. Der Gedanke, dass Sie beispielsweise letztes Jahr in Italien im Urlaub waren, ist wahr, unabhängig davon, ob irgendwelche Menschen diesen Gedanken denken oder ob keine Menschen mehr existierten. Sie wären dennoch letztes Jahr in Italien im Urlaub gewesen. Weil diese Tatsache nachwievor wahr wäre, wäre das ein Hinweis darauf, dass eine geistige Welt existieren muss.

Oder anders ausgedrückt. Wenn Sie der Meinung sind, Sie selbst existieren, dann ist das ein Hinweis darauf, dass es eine geistige Dimension der Wirklichkeit geben muss. Dann ist das ein Hinweis darauf, dass der reine Materialismus irgendwo nur teilweise stimmen kann, nicht aber die Wirklichkeit an sich schlüssig erklären kann.

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