Vom Hans guck in die Luft

Wenn man nach Großbritannien schaut, steht der bevorstehende Brexit immer mit im Raum. Ein Viertel der Zeit bis zum Ausstieg aus der EU ist bereits verstrichen, ohne dass irgendwelche nennenswerten Ergebnisse in Bezug auf den Austritt zu vermelden wären. Die Verhandlungen bleiben stockend und nichts geht voran. Die Regierungschefin Theresa May hat auch nicht mehr allzu großen Rückhalt in ihrer Partei und man weiß nicht genau, wie lange sie diesen Posten noch behalten wird. Ins Rollen kam der ganze Stein des Brexits, weil David Cameron ein Referendum anberaumt hatte über die Frage, ob man denn in der EU bleiben wolle oder nicht. Einen Plan B gab es nicht für den Fall, dass man sich dagegen entschied, zu absurd erschien dies David Cameron. Er hat sich verzockt. Und auch die Populisten haben sich verzockt. Nigel Farage, einer der großen Fürsprecher des Brexits, sprang noch in letzter Sekunde vom sinkenden Schiff, indem er sich aus der Politik zurückzog, nachdem der Brexit dann beschlossene Sache war. Boris Johnson ist nun Außenminister. Aber außer viel heißer Luft scheint nicht sonderlich große Substanz an den Ausstiegsplänen gewesen zu sein, denn nach wie vor sieht es in Großbritannien so aus, dass man nicht weiß, wie das alles vonstatten gehen soll und was für Auswirkungen das haben könnte. Analysten gehen davon aus, dass beispielsweise das britische Handelsvolumen um 40% zurückgehen könnte. Unklar ist auch, ob die britischen Fluglinien weiterhin Ziele in Europa direkt ansteuern können nach dem Brexit. Und das sind nur ein paar von vielen ungelösten Problemen. Irland beispielsweise wird in der EU bleiben, Nordirland zu Großbritannien gehören. Wird die Grenze zwischen beiden Ländern wieder geschlossen und wird es dann dort wieder zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen?

Was also mit Cameron begann, befördert von populistischen Schreien, wurde letztlich erst möglich durch eine Wählerschaft, die ihr Recht auf Wahl zu wenig wahrnahm. Viele Briten wachten am Tag nach dem Referendum auf und trauten ihren Augen nicht. Wären sie doch abends besser nicht in den Pub gegangen, sondern zum Wählen. Insofern ist der Brexit ein Mahnruf nach Europa, die politische Stimme, die jeder Bürger besitzt, auch wahrzunehmen. Dann hat man sie erst einmal weggeworfen und nicht genutzt, gibt es womöglich kein Halten mehr.

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