Sind Atomwaffen gut für den Weltfrieden?

Die dialektische Antwort lautet ja! Und nein!

In der aktuellen Printausgabe der ZEIT geht Josef Joffe dieser Frage angesichts der Verleihung von Friedensnobelpreisen etwas nach. Er stellt fest, dass derartige Preise neuerdings oft nicht für etwas bereits Geleistetes vergeben werden, sondern für die gute Gesinnung und die angedachte gute Sache.

Wie ist das aber nun mit den Atomwaffen? Einerseits gehören sie zu der Kategorie von Waffen, mit der man die ganze Menschheit auslöschen und unseren Planeten für lange Zeit für Menschen unbewohnbar machen könnte. Mit Frieden haben sie zunächst einmal nichts zu tun, was ja schon der Begriff Waffe impliziert. Zur Zeit der Kubakrise beispielsweise bestand die akute Gefahr, dass die Sowjetunion auf Kuba nukleare Raketen stationiert und somit eine unmittelbare Gefahr für die USA gegeben gewesen wäre. Diese Krise konnte glücklicherweise abgewendet werden, wenngleich die Welt für einen bangen und langen Augenblick nahe am Abgrund stand. Auch in den weiteren Zeiten des Kalten Krieges kam es mindestens zu einer heißen Situation, als nämlich auf sowjetischen Radargeräten scheinbar der Start von US-amerikanischen Atomraketen angezeigt wurde. Die zuständigen russischen Militärs entschieden sich mit gesundem Menschenverstand glücklicherweise für das Richtige, indem sie annahmen, es könne sich nur um einen Fehlalarm handeln. Allein dieser kleine Umstand, dieser menschliche Faktor, dass Menschen, die am roten Knopf saßen, die Situation trotz anderer Angaben der Computer richtig einschätzen, sind wohl der Grund dafür, dass ich heute überhaupt diese Zeilen hier schreiben kann und die Welt weiterhin von Menschen bewohnt werden kann und lebenswert ist.

Das das war die dramatische Seite der Atomwaffen und die absolut tödliche. Es gibt aber auch noch eine andere. Ein Land, das eine Atomwaffe oder mehrere besitzt, ist praktisch nicht angreifbar. Denn wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter. Diese Logik verstehen im Grunde alle Staatslenker, auch, wenn sie sich möglicherweise als irrationale Irre darstellen wollen, denn mit Irren will sich ja anlegen. Man weiß, der Typ hat Atomwaffen, also nicht dran rütteln. Wer weiß, was dem zuzutrauen ist. Derart irrational sind sie aber wohl in der Regel nicht, denn das, worauf es ihnen meistens ankommt, ist, die eigene Macht zu sichern und zu erhalten.

Sollte man Atomwaffen abgeben? Diese Frage stellte sich unter anderem der Ukraine im Jahr 1994, doch wurde diesem noch jungen Staat, der sich gerade aus dem Würgegriff der Sowjetunion entwunden hatte, in Aussicht gestellt, dass er große und seriöse Beschützer habe. Im sogenannten Budapester Memorandum von 1994 verpflichteten sich ehrenvoll und getreulich die USA, Großbritannien und Russland, für die Souveränität der Ukraine geradezustehen, sofern diese ihre noch aus der Sowjetzeit bestehenden Atomwaffenbestände abgebe. Die Ukraine vertraute auf dieses Versprechen, wurde aber vor ein paar Jahren eines Besseren belehrt. Denn zunächst fanden sich auf der ukrainische Halbinsel Krim sogenannte grüne Männchen ein, russische Soldaten mit fehlenden Hoheitsabzeichen. Diese übernahmen in Windeseile die Kontrolle über die Krim und ininitiierten ein fingiertes Referendum, wonach herauskam, dass die Bewohner der Krim angeblich die Unabhängigkeit von der Ukraine unbedingt wollten und zu Russland, in den Schoß des Zaren gewissermaßen, zurückkehren wollten. Alsdann ging der verdeckte, hybride Krieg der Wladimir Wladimirovich Putin weiter und richtete sich gegen die Ost-Ukraine, beispielsweise gegen das Donezbecken. Die Menschen, die in dieser Region gewohnt hatten, lebten zwar nicht in Saus und Braus und auch nicht unbedingt gut, aber auch nicht so schlecht, als dass man ihnen abnehmen würde, dass auch sie plötzlich in einem Referendum die Unabhängigkeit von der Ukraine forderten. Umso erstaunlicher waren die ganzen Waffenarsenale, welche die dort ansässigen Bergarbeiter auf einmal besaßen. Panzer, Luftabwehrraketen, Buk-Raketen und so weiter.

Insofern muss man sagen, dass es kein guter Plan und insgesamt etwas naiv war, dass die Ukraine ihre nuklearen Waffen gegen vermeintliche Sicherheitsgarantien abgab. Die USA wollten zwar auf dem Höhepunkt dieser Krise tödliche Waffen in die Ukraine liefern, jedoch bremste Deutschland aus, welches ja in nicht allzu ferner Nachbarschaft der Ukraine liegt. Zu groß sei die Gefahr eines gewaltigen Flächenbrandes, der derart eskalieren könne, dass man womöglich am Schluss einen dritten Weltkrieg habe. Denn die russischen Streitkräfte sind nach wie vor in Deutschland gefürchtet. Viele Menschen aus der deutschen Bevölkerung, die in den 70er Jahren groß geworden sind, können sich noch erinnern, wir freitags gegen 12 Uhr immer die Sirenen heulten, um den Probealarm zu testen, für den Fall, dass die Sowjetarmee anrücken sollte. Man wollte also einen Flächenbrand vermeiden.

Einen solchen Flächenbrand hätte man aber vermutlich auch schon dadurch vermieden, dass die Ukraine ihre Atomwaffen behalten hätte. Denn ein nuklear bewaffnetes Land greift man nicht an. Insofern schützen Nuklearwaffen den Weltfrieden, zumindest dann, wenn sie nicht in die falschen Hände fallen und nicht zufällig abgeschossen werden, wie eingangs bereits erwähnt.

Aber spätestens seit den Lehren aus der Ukraine wird wohl kein Staat der Welt jemals wieder bereit sein, seine Atomwaffen freiwillig zurückzugeben. Eine Ausnahme ist hier wohl der Iran, der in einem speziellen Atomwaffenvertrag derzeit und die nächsten Jahre auf den Ausbau seines nuklearen Arsenals verzichtet. Auch dies dient natürlich der Friedenssicherung, sofern in diesem Fall diesmal die Sicherungsgarantieren bestehen bleiben. Das kann man nur hoffen.

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