Wochenende und Beruf

Hurra, das Wochenende ist da und die meisten Leute können es sicherlich genießen. Ganz besonders können das die Leute, die unter der Woche einen Job gemacht haben, oder besser gesagt, sie müssen es genießen. Denn ein Job unterscheidet sich von einem Beruf dadurch, dass man ersteren macht, um Geld zu verdienen, wenngleich er nicht unbedingt identitätsstiftend ist. Ein Beruf dagegen hat etwas mit Berufung zu tun, er ist durchaus auch anstrengend, aber generell stimmt man in der Regel mit seiner Tätigkeit überein und identifiziert sich mit ihr.

Viele Menschen haben einen Job, einige Menschen einen Beruf. Die Menschen, die bei der Arbeit also ihrer Berufung nachgehen können, empfinden die Woche in der Regel nicht als sonderlich lang, sondern als interessant. Die Woche vergeht wie im Flug und das Wochenende ist zwar angenehm und durchaus willkommen, der Montag hängt aber nicht drohend vor der Tür.

Mögen möglichst viele Menschen ihre Berufung erkennen und einen Beruf ergreifen können, womöglich auch auf dem zweiten Bildungsweg. Das Leben ist zu kurz, als dass man es sich leisten könnte, einen Job zu machen, der einen innerlich leer lässt. Schöne Worte, denn viele Menschen müssen einen Job tun, weil sie Verpflichtungen haben, beispielsweise einer Familie gegenüber. In ihrem Fall ist es sicher hilfreich, Martin Luthers Sicht zu dem Thema zu kennen. Er war der Meinung, man könne Gott in seinem Tun dienen, in seiner Arbeit, egal, was dies für eine ist. Jede Arbeit könne letztlich ein Gottesdienst sein. Allerdings stammt Luthers Ansicht auch aus dem 16. Jahrhundert, in dem es noch normal war, dass verschiedene Stände unterschiedliche Rechte besaßen. Heutzutage muss man wohl mehr im Sinne Erich Fromms denken, dass sich das Gewissen dann meldet, wenn es einen warnen will, nämlich davor, die eigene Integrität mit sich selbst zu verlieren. Und die verliert man nach Fromm dann, wenn man eben Dinge tut, mit denen man nicht übereinstimmt.

Und wie könnte nun ein Fazit aus diesen Gedanken lauten? Nun, ganz heile kommt man aus der ganzen Misere nicht heraus, wenn man beispielsweise einen Job tun muss, ihn aber nicht tun will. Entweder versucht man, sich gemäß der lutherischen Vorstellung damit über Wasser zu halten, dass das eigene Tun für andere Menschen ein Segen sein kann. Oder man nimmt sein Kreuz auf sich und fängt noch einmal neu von vorne an in der Hoffnung, die eigene Berufung in einen Beruf umwandeln zu können. Das ist für viele Menschen sicher der bessere Weg, wenngleich auch der meistens steinigere. Aber nur, weil etwas schwer ist, heißt es ja nicht, dass man es nicht tun könnte. Wie Seneca schon sagte, nicht weil es schwer ist, tun wir es nicht, sondern weil wir es nicht tun, ist es schwer.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Gedanken, falls Sie zufällig auf diesen Artikel hier gestoßen sein sollten und dies ihr Thema sein sollte.

Ach ja, und in der Bibel, unter anderem in den fünf Büchern Mose, findet sich die Vorstellung, dass der Mensch ein Verwalter auf und für Gottes Erde sein sollte, der kreativ und zugleich verantwortungsbewusst die Welt gestaltet. Der Mensch als Ebenbild Gottes ist von Gott nicht gedacht als Maschine an einem Fließband, sondern als kreatives Wesen.

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