Etwa 13 % erhielt gestern die AFD bei der Bundestagswahl. Erstaunlich. Beängstigend. Heute hört man, dass die einem selbst doch eher radikal erscheinende Frauke Petry aber nicht in der Bundestagsfraktion der AFD vertreten sein möchte (wird sie diesen Kurs beibehalten?). Womöglich wurde ihr die AFD selbst zu radikal? Denn Frauke Petry, so erfuhr man gestern im Heute-Journal in einem Interview mit ihr, gehöre doch immerhin zum eher gemäßigten, wenn auch kleineren Teil der AFD.

Man sagt, nicht jeder, der die AFD gewählt habe, sei rechtsextrem oder gar ein Nazi. Das stimmt wohl nur zur Hälfte. Immerhin ein nicht ganz unbedeutender Anteil der AFD Abgeordneten, die nun in den Bundestag kommen, um dort ihre völkische Ideologie in die Welt hinaus zu spucken, wird dem extrem rechten Rand zugeordnet. Und wenn nun jemand eine rechtsextreme Partei wählt, so nimmt er doch zumindest billigend in Kauf, dass diese eine starke Tendenz hat, das Grundgesetz und die Bundesrepublik, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg kennen, als eine der Demokratie, der Gleichheit, der Freiheit und der Brüderlichkeit verpflichtete Republik, zumindest in Teilen beseitigen zu wollen.

Nein, wer AFD wählt, ist nicht zwangsweise ein Nazi, aber es macht auch keinen Sinn, den Belzebul zu wählen, um damit die moderaten Parteien zu schocken. Es ist ein Spiel mit dem Feuer und man muss annehmen, dass jeder AFD-Wähler der völkischen Ideologie der Partei zumindest keineswegs abgeneigt ist. Insofern kann man wohl annehmen, dass in etwa jeder zehnte Deutsche ein latenter Nazi ist oder zumindest mit einem derartigen Weltbild sympathisiert, oder, dezenter ausgedrückt, es zumindest nicht derart abschreckend findet, dass er es unbedingt verhindern wollte. Und diese Erkenntnis ist nicht gerade beruhigend, denn eine solche Ideologie kann das Land in eine Richtung führen, in der es in einigen Jahren oder vielleicht Jahrzehnten nicht mehr darum geht, das Haus Europa zu bauen, in welchem Kriege abgelöst wurden durch Unterstützungszahlungen untereinander. Wer in einer derart aus den Angeln geratenen Welt heutzutage zum Nationalstaat zurück möchte, zu einer vermeintlichen Lösung, die die eigene Identität zu schützen vorgibt, die nur den eigenen Vorteil im Sinn hat und alle anderen als Feinde sieht, spielt mit dem Feuer. Es geht aber in unseren Tagen mehr als bisher um ein großes Wir, nicht um ein Deutschland first. Der folgende Artikel der Zeit beschreibt das Dilemma.

AfD:Nie wieder „nie wieder“

Die Wahrheit ist, dass zur AfD ziemlich alles gesagt wurde. Es hat nichts geholfen. Völkische Ideologie ist in Deutschland leider noch immer attraktiv.

http://www.zeit.de/kultur/2017-09/afd-bundestagswahl-rassismus-deutschland-deutschstunde/komplettansicht

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