Vor vor etwa zwei Jahren war die Terminologie in Bezug auf Flüchtlinge die einer Welle: die Flüchtlinge schwappten angeblich wie eine unkontrollierbare Welle hinein nach Europa, ohne jeden Sinn und Verstand. Dass die so nicht stimmt, merkte man, als die Balkanroute gesperrt wurde. Die Flüchtlinge hatten natürlich Sinn und Verstand, denn es handelte sich um Menschen, nicht um ein Naturgesetz.

Derzeit schwappen immer noch Flüchtlinge hinein ins Mittelmeer, um dort zu ertrinken. Mittlerweile wird einigen Hilfsorganisationen vorgeworfen, sie würden Absprachen mit Schleppern treffen.

Aus Flüchtlingen, die es zu stoppen gilt, sind mittlerweile Schlepper geworden, die es zu stoppen gilt. Das wirkt natürlich wesentlich ethischer, zumindest in der allgemeinen Wahrnehmung. Schlepper, also Menschenhändler, die es zu stoppen gilt, das würde doch jeder unterschreiben.

Dass hinter den Menschenschleppern aber Menschen stehen, die gewisse Gründe haben, um sich abschleppen zu lassen und dafür sogar noch sehr viel Geld zahlen, gerät dabei leicht in Vergessenheit.

Ohne weiter in diese Thematik einsteigen zu wollen, sei hier einmal die Frage gestellt, ob es denn Sinn macht, Flüchtlingen zu helfen?

Im weiteren Sinne die Frage, macht es Sinn, armen Menschen zu helfen? Macht es Sinn, hilflosen Menschen zu helfen? Macht es Sinn, für Gerechtigkeit zu sorgen in dieser Welt, auch wenn es einen selber vielleicht ins Gefängnis bringen könnte? Nämlich dann, wenn man beispielsweise in einer Autokratie lebt, in der man nicht alles sagen und schreiben darf, was man so denkt?

Es sei mit einer kleinen Geschichte geantwortet, die der ein oder andere vielleicht kennt.

An einem Strand in Costa Rica werden jährlich von tausenden Schildkröten Eier in den Sand gelegt. Irgendwann schlüpfen die jungen Schildkröten, versuchen aus den Eiern heraus zu krabbeln und treten dann den für sie relativ langen und gefährlichen Weg zum Meer an, wo sie gerettet sind. Leider werden sie aber von Geiern zuhauf weggepickt, denen sie schmackhaft erscheinen.

Ein Spaziergänger, der an diesem Geschehen vorbeipromeniert, sieht einen Jungen, der immer wieder einzelne Schildkröten in die Hände nimmt, um sie ins rettende Meer zu tragen.

Der Spaziergänger sieht dem Treiben eine Weile zu, nimmt dann den Jungen beiseite und fragt ihn: Junge, was macht das denn für einen Sinn? Glaubst du, du kannst das ganze Elend hier beseitigen? Glaubst du, deine Hilfe macht einen Unterschied für die Schildkröten?

Der Junge überlegt einen Augenblick, sieht dabei in seine Hände, in denen ein Schildkrötenbaby liegt, schaut es an und antwortet: für dieses Baby macht es schon einen Unterschied.

2 Kommentare zu „Soll man Flüchtlinge retten?

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