Wie kann man heute von Gott reden?

Nicht überall auf der Welt, aber in Deutschland ist es nicht ganz leicht, von Gott zu reden. Einer der Gründe dafür ist, dass die Naturwissenschaften in den Köpfen vieler Menschen einen Großteil der Deutungshoheit unserer Welt übernommen haben. Wie das gekommen ist, ist einerseits logisch nachvollziehbar. Denn viele positive Auswirkungen der Naturwissenschaften lassen sich ganz konkret messen, in der Medizin, der Pharmazie, der Technik, der Informatik. Da scheint kein Raum für Götter mehr zu sein. Und schon gar keiner mehr für Gott.

Innerhalb der Kirche funktionieren sicherlich weiterhin die kirchlichen Floskeln, die zwar für manche Menschen leer klingen, letztlich jedoch etwas ausdrücken sollen, was in ihnen geronnene Tradition und komprimiertes Erfahrungswissen ist. Insofern sind diese Floskeln dann eigentlich nicht leer, aber nicht jedem geben sie noch etwas, und schon gar nicht Menschen, die ohnehin kirchenfern sind.

Man müsste also hinaus in die Welt gehen und dort versuchen, Gott irgendwie als möglich und plausibel erscheinen zu lassen. Man könnte dazu anknüpfen an den ersten Anfängen der Evangeliem, beispielsweise dem des Johannes, der bereits griechische Philosophie integriert. Jesus ist bei ihm nicht einfach nur ein Mensch, sondern der Logos, was einen Begriff meint, der eine lange philosophische Tradition aufweist. Damit kann das Vernunftprinzip gemeint sein, eine Weltvernunft, die hinter allem steht, eine Seinsform, die tiefer geht, als die sichtbare Welt. Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Jesus ist der Logos.

Auch heute wird es Sinn machen, an philosophische Gedanken anzuknüpfen. Dies wären beispielsweise auch Gedanken, die erst einmal im naturwissenschaftlichen Gewand daherkommen. In dem Buch „Der Wissenschaftswahn“ wird darauf hingewiesen, dass unser Universum überhaupt nicht so ist, wie wir es wahrnehmen. Was ist das Universum dann? Das, was wir sehen, messen und irgendwie mit Instrumenten nachweisen können, entspricht nur 4% des sichtbaren und messbaren Universums. Bei 96% des Universums haben auch die Naturwissenschaftler nicht die geringste Ahnung, um was es sich im eigentlichen Sinn handeln könnte. Man geht davon aus, dass 23% des Weltalls dunkle Materie und 73% sogenannte dunkle Energie ist. Dunkel deswegen, weil man eben nicht die geringste Ahnung hat, von was man da spricht. Diese Prozentzahlen ergeben sich rechnerisch aufgrund astronomischer Untersuchungen und Betrachtungen.

Dennoch macht es sicherlich nicht allzu viel Sinn, die dunkle Energie automatisch mit Gott gleichzusetzen, denn wenn die Theologie eins gelernt hat, dann dies, dass Gott nicht für physikalisch unerklärbare Phänomene herhalten soll. Er steht hinter der Welt, vielleicht zeigt er sich in ihr, aber nachweisbar mit Beweisen ist er wohl kaum. Dennoch könnte man darauf verweisen, dass die Welt, wie wir sie sehen und wahrnehmen, keineswegs das widerspiegelt, was sie realiter ist. Immanuel Kant hatte bereits gedanklich in diese Richtung gezeigt, indem er meinte, über die „Welt an sich“ können wir als Menschen überhaupt nichts aussagen. Ein weiteres Rätsel ist der Urknall, der ja das Standardmodell der Astrophysik darstellt. Philosophisch gesehen völlig absurd, dass das ganze Universum, alle Planeten, alle Sonnen, alle Galaxien, unsere Erde, jegliche Materie auf ihr, also alle Pflanzen, alle Bäume, alle Tiere, alle Menschen und so weiter aus einem winzigen Punkt von extrem hoher Energie, Dichte und Hitze mit einem gewaltigen Knall entstanden sein soll. Des Weiteren könnte man nachdenken darüber, was Evolution ist. Damit Evolution in dem Sinne, wie wir sie erkennen, überhaupt stattfinden konnte, musste das Universum so beschaffen sein, dass es nicht gleich in sich wieder zusammenfiel einerseits, andererseits aber auch nicht derart expandierte, dass darin hätte kein Leben entstehen können. Wie schon einmal in einem anderen Artikel erwähnt, weist der Astrophysiker Harald Lesch darauf hin, dass diese Feinabstimmung des Universums doch ganz immens ist. Er vergleicht sie mit zehn hoch 63 Rasierklingen, die fein abgestimmt übereinander stehen, oben drauf sitzt der Mensch. Eine kleine Ungereimtheit in der Abstimmung und das expandierende Universum wäre sofort wieder kollabiert oder derart schnell auseinander gerast, dass es keine Welt gäbe.

Durch eine immens große Anzahl von Transformationsprozessen entstand in diesem Universum dann ein Element nach dem anderen, ohne deren Entstehung auch Leben auf der Erde überhaupt nicht hätte stattfinden können, maßgeblich darunter der Kohlenstoff. Unter anderem aus diesen Kohlenstoffmolekülen setzte dann eine Entwicklung ein, aus der sich aus winzigsten Molekülen Zellen formten, Organismen, Leben, bis hin zu hochkomplexen Lebewesen wie dem Menschen.

Reden müsste man auch darüber, was Materie überhaupt ist. Auch, wenn die meisten Naturwissenschaftler schon weiter sind, hängt in vielen Köpfen von Menschen noch die Vorstellung, Materie bestünde aus kleinsten Teilchen, aus Atomen. Zunächst einmal sind diese Teilchen noch in viele Unterteilchen unterteilt, aber letztlich handelt es sich dabei nicht um Teilchen in Form von Murmeln, sondern um Energiewellen. Und hier muss man philosophisch ansetzen und fragen, was eigentlich Energiewellen sind? Was ist Energie, philosophisch gedacht? Aus was besteht alles?

Einige Astrophysiker gehen davon aus, dass das Universum etwas Geistiges ist, nichts Materielles in dem Sinne, dass dort kleine Murmeln, die Atome, die Welt formen würden.

Hieraus ergibt sich auch die Frage, was Bewusstsein überhaupt ist. Die klassisch materialistische Antwort ist die, dass das Bewusstsein angeblich nur eine Illusion sei. Das, was da aus unseren Augen heraus schaue, seien letztlich nur einzelne Gehirnzellen. Dass dies so nicht stimmen kann, weiß im Grunde jeder, der einmal aus seinen eigenen Augen heraus geschaut hat. Das Ich ist keine Illusion, sondern durchaus real.

Auf all diese Fragen sollte man eingehen, wenn man von Gott sprechen möchte in unserer modernen, technisierten und naturwissenschaftlich durchdrungenen Welt. Man sollte darauf hinweisen, wo die Grenzen von Naturwissenschaft liegen, auch, wenn deren praktische Anwendung natürlich verlockend und überzeugend ist. Man sollte darauf hinweisen, dass die Naturwissenschaft einen Teil der Welt sehr gut und zum Nutzen der Menschen erklären kann, nicht aber die Welt an sich. Man sollte auch darauf verzichten, Gott beweisen zu wollen, wie es Vertreter des Intelligent Design gerne tun, wobei diese ja eigentlich versuchen, einen teleologischen Gottesbeweis zu führen. Es würde wohl reichen, auf all die Ungereimtheiten hinzudeuten, bei denen die Naturwissenschaften keine Antworten liefern können. Denn dann wird man freier, sich selber Gedanken über Gott, den Menschen und die Welt zu machen. Dann, wenn man sich aus dem Korsett der scheinbar alles erklärenden Naturwissenschaften befreit hat. Wir brauchen sie, sie sind hilfreich in ihren Anwendungen, sie erklären einen Teil der Welt sehr gut, über den anderen Teil sagen sie aber überhaupt nichts aus, weil es nämlich nicht ihr Zuständigkeitsbereich ist.

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  1. dierkschaefer sagt:

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