Der Theologe Karl Barth formulierte es ähnlich wie schon Paulus: Christentum ohne Auferstehung ist irgendwo Unsinn. Aber gut, als Theologe kann man das ja noch glauben, wie sieht es jedoch mit dem Normalbürger aus?
Auferstehung ist eine seltsame Vorstellung. Sie widerspricht zunächst einmal völlig unserer naturalistisch und rational geprägten Lebenswelt. Dort hat man sich dran gewöhnt, dass die Physik in weiten Feldern das Sagen hat. Allerdings war die Physik noch nie dafür zuständig, Sinn zu deuten. Sie beschreibt nur, wie sich Dinge verhalten – interpretieren, was für ein Sinn dahinter stehen mag, kann und darf sie nicht.

Die Evangelien halten sich leider auch ziemlich bedeckt damit, wie denn die Auferstehung Jesu nun von statten gegangen sein soll. Der Theologe Rudolf Bultmann setzt dort an und stellt fest, dass es eigentlich nicht um das Wie, sondern um das Dass geht. Die Hauptsache ist, dass die Auferstehung stattgefunden hat. Wie genau, lässt sich schwer verstehen und mit dem geschichtlichen Abstand auch kaum noch rekonstruieren, sofern man das Ganze überhaupt rekonstruieren könnte. Dennoch möchte man genau dies natürlich gerne versuchen.

In Mk 16,12 findet man die folgende Beschreibung: 12 Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie aufs Feld gingen. 

In Joh 20,15ff: 15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen. 16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!

Auch in Lk 24,13ff, der Erzählung der Emmausjünger, findet sich der Befund, dass Jesus sich in einem anderen Menschen zeigt. 

In diesen Stellen ist es also nicht das Wesentliche, dass oder ob Jesus in Fleisch und Blut auferstanden ist, sondern: er ist nicht im Tod geblieben und zeigt sich in anderen Menschen. Maria glaubt, es handele sich um den Gärtner, das heißt, es erscheint ihr ein Mensch, der wohl nicht aussieht wie Jesus. Erst dadurch, wie er spricht, fällt es ihr wie Schuppen von den Augen, dass es Jesus ist, der sich ihr da in diesem Menschen zeigt. Auch bei den Emmausjüngern gesellt sich ein Begleiter zu ihnen, der viel von Jesus erzählt und von den beiden Jüngern dann zum Abendessen eingeladen wird. Dort vollzieht er das Abendmahl genauso, wie Jesus es getan hatte. Da wird den beiden Jüngern schlagartig klar, dass sich Jesus hier gezeigt hat. In einem anderen Menschen.

Der katholische Theologe Hans Kessler beispielsweise ist der Meinung, dass es zur Zeit Jesu bereits die Auffassung gegeben hat, ein toter Körper könne durchaus tot im Grab liegen, der Leib des Menschen aber, also das, was sein Wesen ausmacht, vielleicht das, was heute landläufig mit Seele bezeichnet wird, könne aber durchaus auferstehen und somit nicht im Tod bleiben. Die Bibelstellen oben kann man wohl in diese Richtung gehend verstehen, dass dort Menschen in eindringlicher Weise die Erfahrung gemacht haben, dass Jesus nicht tot ist, sondern sich ihnen zeigt, wenngleich auch in anderen Menschen. 

Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen, so sagte Jesus in Mt 18,20.

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Ebenbild, heißt es in der Genesis (1,27).

Die Berichte oben machen deutlich, dass Jesus sich den Jüngern und der Maria offenbar in anderen Menschen zeigte. Wenn Menschen in Jesu Namen zusammenkommen, kann sich in ihnen Jesus, was gleichbedeutend mit Gott ist, zeigen. 

Man kann das so interpretieren, dass in jedem Menschen, also in jedem von uns, ein Funke Gottes steckt, der in besonderer Weise hervorleuchten kann, wenn wir die Botschaft Gottes, also die Botschaft Jesu, leben und kommunizieren. Und dieser Gott kann nur hervorleuchten, weil er natürlich nicht im Tode geblieben ist, weil also auch Jesus nicht im Tode geblieben ist. Und wenn man das Ganze weiter interpretiert, dürfen auch wir hoffen und glauben, mit in diese Auferstehung hinein genommen worden zu sein, sind wir doch letztlich auch eine Art Gedanken Gottes, geschaffen zu seinem Ebenbild. Diese Vorstellung ist wohl ähnlich derjenigen von Rudolf Bultmann, der meint, dass Jesus ins kerygma, also in die Verkündigung auferstanden ist. Wo immer Menschen die Botschaft Jesu verkündigen und nach ihr leben, ist Jesus mitten unter ihnen. Und zwar nicht nur im Sinne der Erinnerung in den Gedanken der Menschen, sondern als reale Präsenz. Und somit ist Gott real zugegen, da Jesus und Gott eins sind. Nicht der Mensch Jesus, aber Gott, der sich in Jesus gezeigt hat. Betet man zu Jesus, betet man nicht zu dem Menschen, der damals um das Jahr 30 Jahren gekreuzigt wurde, sondern zu Gott, der sich in Jesus gezeigt und von sich selbst etwas mitgeteilt hat.

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