In den Naturwissenschaften in Kombination mit der Philosophie trifft man auf ein Problem, das sogenannte Leib-Seele-Problem. Damit ist gemeint, dass es auch heute noch in letzter Instanz nicht schlüssig ist, warum aus Materie etwas wie Geist entstehen sollte oder könnte.

Dieses Problem begegnet einem, wenn man sich das menschliche Gehirn anschaut. Dieses besteht aus Milliarden von Zellen, dennoch sind wir Menschen ja eigentlich der Meinung, dass es nicht unsere Zellen sind, die da aus unseren Augen heraus schauen, sondern wir selber, ein eigenes Subjekt. Manche Hirnforscher meinen, die Komplexität mache es eben aus, ab einer gewissen Komplexität entsteht eben einfach das, was wir das Bewusstsein nennen. 

Der Bonner Philosophieprofessor Markus Gabriel legt dar, weshalb dieser Schluss logisch falsch ist. Man könne ebensogut behaupten, das menschliche Bewusstsein sei eine grüne Pyramide. Hier würde jedem die Absurdität der Behauptung sofort offensichtlich. Behauptet man dagegen, das Bewusstsein sei das Feuern von Neuronen im Gehirn, wirkt das irgendwie einleuchtend, da es ja wissenschaftlich klingt.

Das Problem, das der ganzen Sache zugrunde liegt, ist in unserem Weltbild begründet. Dort wird Materie als etwas vom Wesen her anderes gesehen, als Geist. Ob dies letztlich so ist, ist im Grunde fraglich. Denn Atome bestehen zwar aus noch kleineren Teilchen, diese bestehen aber letztlich aus Energie. Insofern ist die Frage, was denn eigentlich Energie ist. Aus was besteht eigentlich alles?

Laut einer Dokumentation des Bayerischen Rundfunks über das Thema Schöpfung gibt es offenbar einige Astrophysiker, die davon ausgehen, dass das Weltall letztlich etwas Geistiges ist. Dies sah auch Carl Friedrich von Weizsäcker, Physiker, so, der Bruder des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Angenommen, man würde sich dieser Sicht anschließen, würde ein Problem wegfallen, nämlich das Leib-Seele-Problem. Materie und Geist wären nichts vom Wesen her mehr Verschiedenes. Alles wäre Geist. Man könnte sich das ein wenig so vorstellen, wie in den Matrixfilmen, in denen einem die Welt auch erstmal real vorkommt, letztlich aber auch etwas Geistiges ist. Allerdings existiert in den Matrix Filmen außerhalb dieser Illusion dann natürlich doch das Materielle. In unserem Fall hier aber gäbe es das Materielle nicht, alles wäre Geist, das ganze Universum im Grunde.

Aus christlicher Sicht weitergedacht würde das dann heißen, wir sind alle in Gotte drin, wir sind alle ein Gedanke Gottes, wir sind alle in seinem Geist und ein Teil seines Geistes.

Das derzeitige naturalistische Weltbild, das Weltbild also, wonach die Welt und alles so beschaffen ist, wie von den Naturwissenschaften nachgewiesen, könnte möglicherweise in ein paar Jahrhunderten erweitert sein. Möglicherweise lachen dann Wissenschaftler über unsere heutige eingeschränkte Sicht, dass wir doch tatsächlich meinten, die Materie existiere tatsächlich in der Form, wie viele das heute glauben. Denn wenn Materie Energie ist, was ist sie dann eigentlich?

Die Vorstellung, dass alles letztlich Geist sei, könnte möglicherweise auch andere Phänomene erklären, beispielsweise diese, dass Menschen, die sich an anderen Orten befinden, plötzlich das Gefühl haben, voneinander zu wissen.

Es bleibt also spannend, wenngleich wir möglicherweise zu kurz leben, um das Ergebnis der wissenschaftlichen Diskussion irgendwie noch mitzubekommen. Aber wir können uns zumindest das Denken dahingehend offenhalten, diese Möglichkeit in Erwägung zu ziehen. Ob das, was dann später möglicherweise als Geist bezeichnet werden könnte, gleichbedeutend mit Gott wäre, wäre die Frage. Die Diskussion wäre auch dann nach wie vor eröffnet. Für gläubige Menschen wäre die Sache aber wohl klar, natürlich wäre das dann Gott.

Der Theologe Jürgen Moltmann beschreibt in seiner Dogmatik etwas ähnliches. Seiner Ansicht nach macht Gott in seiner Trinität innerhalb seiner selbst Raum für alles Sein und das Universum.

Genesis 1:

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 

2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. 

3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

Johannes 1

1 Im Anfang war das Wort (also etwas Geistiges, Geist) und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort

2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 

3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

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