Wespenstiche und Sepsis

In der aktuellen Printausgabe der ZEIT erfährt man von einer in Deutschland und wohl auch in vielen Ländern weit unterschätzten und oft falsch diagnostizierten Gefahr, der Sepsis, landläufig auch als Blutvergiftung bekannt. Der Artikel beschreibt den Fall von einem etwa 40 jährigen Mann, der abends nach Hause kommt, sich nicht wohlfühlt, von meinem Arzt zwar befragt, aber überhaupt nicht untersucht wird, dessen Befinden sich in der nächsten Stunde noch einmal massiv verschlechtert und der dann mit dem Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden muss, wobei die Intensivstation bereits darüber informiert wird, dass multiples Organversagen bei ihm auftreten kann. Der Mann hatte eine Blutvergiftung, ohne es vorher zu merken und auch der Arzt ist nicht auf den Befund aufmerksam geworden, zumal er den Patienten bei seinem Hausbesuch ja nicht einmal untersucht hatte. Denn hätte er dies getan, wäre er vielleicht zumindest hellhörig geworden, weil der Puls erhöht und der Blutdruck stark gesenkt war. 

Besagter Patient, dem es also innerhalb von Stunden massiv immer schlechter ging, musste im Krankenhaus für einige Tage ins künstliche Koma versetzt werden und konnte letztlich glücklicherweise doch noch gerettet werden. Dennoch war während seiner Erkrankung eine Hand schlecht durchblutet, so dass ihm einige Glieder von Fingern amputiert werden mussten. Richtig erinnern konnte sich der Mann an eine Verletzung nicht, möglicherweise jedoch  kann die Infektion dadurch zustande gekommen sein, dass er vor einigen Tagen im Keller etwas umgeräumt hatte und sich am Finger  aufgeritzt hatte. 

Etwa 70000 Todesfälle gibt es in Deutschland aufgrund einer Blutvergiftung jährlich und jeder Vierte, der eine Blutvergiftung hat, überlebt diese nicht. 

Bei weitem nicht jede Verletzung wird zu einer Blutvergiftung, weil das Immunsystem meistens an der lokalen Entzündungsstelle die Infektion bekämpfen kann, so dass die Infektion nicht weiter in den Körper wandern kann. Wenn dies aber passiert, also der Infektionsherd sich auf den ganzen Körper ausbreitet, spricht man von Blutvergiftung bzw Sepsis.

Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, musste ich an zwei beginnende Blutvergiftungen denken, welche ich beide Male durch Wespenstiche bekommen hatte. Man spricht in diesem Stadion von Lymphangitis, welche sich jedoch, wenn die Infektion in den Blutkreislauf gelangt, zu einer echten Sepsis ausweiten kann, wenngleich die Prognose an sich günstiger ist.

Eine davon war derart massiv, dass der linke Arm bereits fast bis zum Schultergelenk diesen typischen Strich zeigte, der sich bei einer Blutvergiftung vom Infektionsherd bis in den Körper hinein zieht. Ich ging in die Notaufnahme eines Krankenhauses, traf dort jedoch auf eine Chirurgin, die meinte, man müsse notfalls schneiden. Mir war damals überhaupt nicht klar, was sie genau meinte, ich vermutete nur, dass sie notfalls dem Arm amputieren wollte, was mir völlig übertrieben vorkam. Nach diesem Artikel jedoch nicht mehr. Damals wurde der Arm ruhig gestellt und ich bekam ein Antibiotikum, vermutlich eines mit Breitbandwirkung. Das andere Mal, als ich eine Sepsis hatte, ich glaube, es war der andere Arm, war ich etwas schlauer und stellte den Arm bereits gleich zu Anfang relativ ruhig und lagerte ihn hoch. Zudem, wenn ich mich richtig erinnere, kam später ebenfalls noch ein Antibiotikum hinzu.

Ich hatte, zumindest in meiner Erinnerung, nie so wirklich darüber nachgedacht, ob ich damals vor etwas ziemlich Üblem bewahrt sein worden könnte. Wenn ich mir die mögliche Sterberate in diesem Artikel aber anschaue, betrachte ich die beiden Fälle von damals doch etwas anders. In beiden war ja eine Blutvergiftung bereits aufgetreten, in einem der Fälle sogar massiv fortgeschritten. 

Einerseits verdanke ich sicherlich die Tatsache, dass ich beide Fälle gut und ohne Folgen überstanden habe, der modernen Medizin. Andererseits, das sage ich natürlich als und gläubiger Mensch, denke ich, dass Gott dort behütend auf mich aufgepasst hat und mir möglicherweise auch die richtigen Gedanken gegeben hat, wie zu handeln ist. Dafür bin ich sehr dankbar. Jetzt, Jahre später.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. pgeofrey sagt:

    Nur zur Differenzierung: Das mit dem „roten Strich“ ist eine Lymphangitis, eine Sepsis ist eine deutliche schwerer Erkrankung, die nicht von allein und auch nicht mit Gottes Hilfe wieder weggeht.
    Unter Wikipedia gibt es einen guten, übersichtlichen Artikel zum Thema Sepsis und über „Blutvergiftung“ einen Querverweis zu Lymphangitis. Mit einer Sepsis sollte man auf einer Intensiv-Station liegen.

  2. theolounge sagt:

    Danke für den Hinweis. Bei Wikipedia heißt es allerdings auch, dass eine Lymphangitis sich zu einer echten Sepsis entwickeln kann, wenn die Infektion sich auf den Blutkreislauf ausweitet. Allerdings ist die Prognose deutlich günstiger. Danke dennoch für den Hinweis.

  3. theolounge sagt:

    Habe den Artikel diesbezüglich etwas ergänzt und geändert. Danke schön.

  4. pgeofrey sagt:

    Ohne Zweifel! Auch eine Bronchitis kann über eine Lungenentzündung zur Sepsis werden, in einem gewissen Rahmen jeder entzündliche Prozess der auf ein geschwächtes Immunsystem trifft.
    Ich bin, berufsbedingt pingelig, was die Definitionen angeht.

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