In Deutschland lebt man in einem der reichsten Länder der Welt, dennoch sind viele Menschen nicht glücklich. Warum eigentlich?

Erstmal ist es wohl so, dass die Frage nach dem Glück und damit einhergehend nach persönlicher Selbstverwirklichung erst relativ spät kommt, auf der Bedürfnispyramide von Abraham Maslow nämlich erst ganz oben. Vorher müssen eine ganze Menge Grundbedürfnisse befriedigt sein, damit der Mensch sich überhaupt Gedanken machen kann, ob er denn glücklich ist. Wer kein Brot zum Essen hat, für den ist der Hunger das größte Problem und ein Stückchen Brot und Wasser dazu sind ihm im Grunde schon das Glück in Person. Aber da wir in Deutschland mehrheitlich nicht um das Stückchen Brot bangen müssen, sondern viele Menschen tatsächlich nach Selbstverwirklichung streben, was auch legitim ist, ist die Frage des persönlichen Glücks natürlich stets aktuell.

Man könnte jetzt hier eine ganze Menge psychologischer Ratgeber anführen, die auch sicherlich alle ihre Berechtigung haben und je nach Autor verschiedene Aspekte beleuchten. Man kann aber auch versuchen, ein wenig direkter und einfacher erst einmal an die Sache heranzugehen. Wie wird man also glücklich?

Nach Alfred Adler steht das persönliche Leben auf drei Säulen, die wesentlich dafür sind, dass wir es als sinnhaft empfunden. Diese Säulen sind Partnerschaft, Freunde und Beruf. Nur wenn diese Säulen einigermaßen im Ausgleich sind, ist das Leben für einen stimmig. Ein Workaholic beispielsweise hat praktisch keine Zeit mehr für Freunde und Partnerschaft, beispielsweise für die Ehe oder eine intime Beziehung, und wird daher sein Leben als defizitär empfinden. Wer eine Partnerschaft mit einer Frau oder einem Mann hat, auch Freunde, aber keinen Beruf, dem fehlt die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten irgendwie produktiv umzusetzen. Auch hier spürt er Defizite in einem Bereich. Dies wirkt sich dann automatisch auf die Partnerschaft und die Beziehungen zu Freunden aus, in denen der fehlende Beruf bzw die fehlende tätige Erfüllung immer wieder Thema ist. Und auch Leute, die einen Beruf haben, allerdings im Sinne eines Jobs, den man im Grunde nur tut, um irgendwie Geld zu verdienen, der aber nichts mit Berufung zu tun hat und einen dementsprechend auch völlig kalt lässt oder sogar frustet, empfinden ihr Leben und Handeln als defizitär. Und wer nur eine Partnerschaft hat und Beruf, aber keine Freunde, kann in die Partnerschaft wenig Interessantes und Neues mit einbringen, sodass sie wohl ein wenig langweilig wird. Und  Langeweile führt nicht unbedingt zu Glücksgefühlen.

Was kann man also tun, um einigermaßen glücklich zu sein? Zuerst sollte man sich einmal klar werden, dass das Leben ambivalent ist. Es ist meistens nie so, dass man absolut glücklich ist, genauso wenig, wie man absolut traurig ist. Die Momente, wo man beispielsweise etwa zu 80% Glück empfindet sind im Grunde schon die absoluten Highlights, denn 100% Glück erlebt man vielleicht dann, wenn man verliebt ist oder sich in ähnlichen hormonellen Extremsituationen befindet. Dieses Wissen kann einen etwas entkrampfen.

Zudem sollte man die drei Säulen nach Alfred Adler einigermaßen ins Gleichgewicht bringen, wobei das natürlich nicht leicht sein muss. Aber, wie schon Seneca sagte: Nicht, weil es schwer ist, tun wir es nicht. Sondern weil wir es nicht tun, ist es schwer.

Sind die Probleme hauptsächlich beruflicher Art, können Sie hier einmal nachlesen.

Eine ganz gute Möglichkeit, um einigermaßen glücklich zu leben, ist es, das Leben doch etwas zu planen. Machen Sie gerne etwas mit Freunden? Dann rufen Sie doch nicht zehn Minuten vorher an und wundern sich, wenn keiner Zeit hat. Gehen Sie vorher mal in sich und überlegen Sie, dass Sie sicherlich morgen Abend oder am Freitag oder am Samstag nicht so gerne alleine zu Hause sitzen und überlegen sich, was sie tun könnten. Und wenn niemand Zeit hat, dann überlegen Sie sich Situationen und Orte, an denen sie mit Menschen in Kontakt kommen können. Planen ist die eine Sache.

Es gibt aber auch Dinge, die man nicht planen kann. Werden sie sich dessen bewusst. Genießen Sie Situationen, so wie sie sind, ohne immer im Kopf zu haben, sie müssten irgendwie anders sein. Sonst leben Sie nicht in der Gegenwart.

Und das ist der dritte Punkt, der gewissermaßen mit einer Frage einhergeht. Was ist die wichtigste Zeit, der wichtigste Ort und der wichtigste Mensch?

Die wichtigste Zeit ist immer die Gegenwart, denn nur die haben Sie zur Verfügung. Die Vergangenheit ist vergangen und verschwunden, zwar werden Sie durch sie geprägt, aber dennoch ist sie nicht mehr da. Und die Zukunft, egal, wie sie denn aussehen möge, ob sie ganz toll sein könnte oder Sie fürchterlich ängstigt, ist noch nicht da. Im Augenblick sind Sie absolut sicher. Sie sind nämlich in der Gegenwart. Hier kann Ihnen gar nichts passieren.

Der wichtigste Mensch ist immer der Mitensch, also der, mit dem sie gerade z.b. im Raum sind, in der S-Bahn sitzen, im Auto fahren, im Büro am Tisch sitzen und so weiter. Denn nur er ist gerade da. Stecken Sie Ihr Smartphone weg und wenden sich den Mitmenschen zu. Direkte Kontakte mit Menschen vermitteln sicherlich mir Glücksgefühle, als indirekte Kurzmitteilungen von sogenannten Freunden in irgendwelchen Netzwerken. Diese kann man zwar auch haben, aber sollte sie eher als sekundär betrachten.

Und der wichtigste Ort ist natürlich immer der, an dem Sie gerade sind. Nicht der Urlaub im Sommer, und auch nicht der Urlaub letztes Jahr, denn beides sind Orte, an denen Sie nun in der Gegenwart definitiv nicht sind. Nur an Ihrem jetzigen Ort können Sie Menschen kontaktieren und am Leben teilnehmen. Ansonsten verschwinden Sie gedanklich wieder in die Vergangenheit oder Zukunft, wenn Sie Ihren aktuellen Aufenthaltsort nicht als Möglichkeit begreifen, im Hier und Jetzt Erfahrungen zu machen und zu leben.

Das wichtigste noch einmal in Kürze. Planen Sie, nehmen Sie Situationen so, wie sie sind, und machen das Beste daraus und versuchen Sie, stärker im Augenblick zu leben. Dann könnten sie womöglich glücklicher werden. Ausprobieren kostet eigentlich nichts.

Ein Kommentar zu „Wie man glücklich wird und bleibt

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