Ein neuer Facebookbekannter meinte, es sei jetzt genug. Wir wüssten es ja jetzt. Was wir wüssten ist folgendes. Seit nun über zwei Wochen ist Präsident Trump im Amt und hat seitdem praktisch jeden Tag von sich reden gemacht. Es geht in großen Teilen der Bevölkerung sowie in großen Teilen von Regierungskreisen die Sorge um, dass die Demokratie und die demokratischen Kontrollinstanzen in den USA möglicherweise nicht ausreichen könnten, um ein System zu stoppen, welches von Präsident Trump ins Rollen gebracht wird. In der Heute-Show im ZDF wurde zwar satirisch, aber natürlich mit realem Hintergrund die Befürchtung genannt, es könne möglicherweise tatsächlich in den USA einen Staatsstreich von oben geben.

Da auch mich die Sache bewegt, zumal man in der Türkei gesehen hat, wie schnell unter Erdogan große Teile der demokratischen Freiheit massiv eingeschränkt wurden, da man ähnliches in Polen sieht und auch in Ungarn, da in Österreich nur knapp ein rechtsextremer Kandidat gerade nicht zum Staatspräsidenten gewählt wurde, da in den Niederlanden die Wahlen anstehen und zu befürchten ist, dass der rechtsextreme Geert Wilders, der gewissermaßen die Islamophobie in jeder seiner Poren aufgesogen hat, und da in Frankreich wohl möglicherweise ebenfalls die rechtsextreme Marine Le Pen ans Ruder kommen könnte, und zudem in Deutschland die AfD große Zuwachsraten hatte, welche auch am extrem rechten Rand nach Wählern kratzt, aus all diesen Gründen bin ich der Meinung, dass man derzeit über Trump berichten muss. Ob man das nun will oder nicht.

Vorher, im Wahlkampf, wären die Medien gut beraten gewesen, ihre Verkaufsquoten nicht dadurch steigern zu wollen, indem sie über diesen Präsidentschaftsanwärter berichteten. Sie boten ihm damit ja die erwünschte kostenlose und landes- bzw. sogar weltweite Werbeplattform. Heutzutage muss man aber über ihn berichten. Man muss es, weil man sonst seinen Fake-News und Alternativen Fakten Raum einräumt, den sie auf keinen Fall haben dürfen. Sonst finden wir uns bald tatsächlich in George Orwells Roman 1984 wieder, in welchem die Regierung auch alternative Fakten vorstellt, welchen man Glauben schenken muss.

Was hat das nun alles mit diesem Menschen zu tun, mit dem ich kürzlich auf Facebook befreundet war? Nachdem ich also immer mal wieder, aber nicht nur, aktuelle Entwicklungen zu Donald Trump gepostet hatte, Links von seriösen Zeitungen wie der Zeit beispielsweise, schrieb er sinngemäß und obwohl er mich erst seit ein paar Tagen kennt, ich solle doch damit mal aufhören. Wir wüssten es ja jetzt.

Das finde ich aus verschiedenen Gründen völlig falsch. Zum einen kenne ich ihn fast kaum. Wenn man dann Kritik anbringen möchte, sollte man es vielleicht nicht in einem Satz mit fünf oder sechs Wörter machen. Sondern etwas genauer erläutern, warum man was meint. Zum anderen müsste diese Person dann irgendwie erklären, warum sie meint, man solle nun nicht mehr über Trump berichten, denn dieser liefert ja täglich leider neue Schlagzeilen. Das einfach so in den Raum zu stellen ist unglaublich unbegründet und somit auch nicht nachvollziehbar. Und das Dritte ist, dass diese Person von einem ominösen „wir“ sprach. Wer ist denn bitte „wir“? Bezeichnet diese Person sich selbst gerne im Pluralis majestatis? Oder möchte derjenige damit gewissermaßen alle meine Facebookkontakte ungefragt mit einschließen, die sich also implizit seiner Meinung anschließen würden und sollten?

Gegen eine sachliche Diskussion habe ich überhaupt nichts einzuwenden. Aber zu meinen, wir hätten davon ja nun genug gelesen, ist einfach nur dazu geeignet, jede anderslautende Meinung zu unterdrücken. Es gibt nämlich kein „wir“. Es gibt nur „ihn“. Er ist der Meinung, er möchte über dieses Thema nichts mehr lesen. Das sei ihm gegönnt. Er braucht bei mir in Facebook nicht hinein zu lesen. Er braucht auch überhaupt keine Zeitung zu lesen.

Und um ihm diese Dinge zu ersparen, wurde er somit die erste Person, die ich von meinen etwa 180 Facebookkontakten entfreundet habe. Nun können wir, die geschätzt 179 Kontakte und ich, uns weiterhin in Diskussionen austauschen, die übrigens keineswegs dahin gehen, dass sie immer meiner Meinung sein müssten. Gerade auch Menschen, die nicht meiner Meinung sind, schätze ich unter diesen Kontakten sehr. Aber besagte Person möchte ich besser nicht mehr belästigen. Und auch umgekehrt in dieser Art besser nicht mehr belehrt werden, in einer Art, die ich als schulmeisterlich empfinde, ohne dass dann irgendeine eine Begründung hinterher käme, die dann zumindest in eine Diskussion münden könnte.

Wenn eine Demokratie bedroht ist und es nicht auszuschließen ist, dass sie womöglich untergeht, wie beispielsweise in der Türkei oder im Ansatz bereits auch in Polen, und wenn es sich womöglich um die für den Westen bedeutsamste Demokratie handelt, was ihren Einfluss auf alle möglichen Länder angeht, dann kann ich einfach nicht schweigen. Aber der Besagte und Entfreundete darf stattdessen natürlich auch lieber aus dem Fenster schauen und die Tauben füttern. Vielleicht beruhigt ihn das.

Insofern habe ich ihn also erlöst von der Trump-Berichterstattung, welche er folgendermaßen kommentierte.

„So, nun ist auch genug Trump.“

„Ja, das wissen wir ja alle nun auch.“

Es fehlte eigentlich nur noch, dass er mich als „Gutmensch“ beschimpfte. Denn Gutmenschen haben ja offiziell überhaupt keine Ahnung und sind einfach dumme Trottel, die sich auch bitte nicht zu politischen Themen äußern sollten. „Gutmensch“ ist nämlich ein politischer Kampfbegriff zur Abqualifizierung Andersdenkender. Denken sollten da also lieber andere. Leute wie er eben vermutlich. Leute, die sich die Definitionshoheit anmaßen, bestimmen zu dürfen, wer sich äußern darf und wer nicht. Ein irgendwie falsch verstandenes Demokratieverständnis. Klar, wenn so jemand kein Problem mit Trump hat.

Ach ja, wo es doch eigentlich um den „so called president“ ging, wie ist die Lage derzeit im Weißen Haus ? Sie wird unterschiedlich eingeschätzt:

Stehen die Zeichen in Washington auf Entspannung? Das ist noch nicht ausgemacht. Denn im Weißen Haus ringen die Realisten mit hitzköpfigen Ideologen um die Außenpolitik.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-02/donald-trump-usa-mike-pence-stephen-bannon-aussenpolitik

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