Darf ein Christ politisch sein? Darf er womöglich sogar bewaffneten Widerstand gegen ein Unrechtsregime unterstützen? Dietrich Bonhoeffer tat dies und unterstützte den Versuch eines Attentats auf Adolf Hitler. 

Er war der Ansicht, als Pastor könne man zwar für sich selbst im Prinzip nach den Werten der Bergpredigt leben, also gewissermaßen die andere Wange hinhalten, wenn einem auf die eine geschlagen wird. Wenn aber andere Menschen zu Schaden kommen, müsse man durchaus handeln. Es könne nicht Aufgabe eines Pastors sein, wenn ein Wahnsinniger, in diesem Fall Adolf Hitler, im übertragenen Sinne mit einem Auto durch die Stadt fährt und Menschen wahllos zu Tode bringt in seiner wahnsinnigen Fahrt, dass man also als Pastor dann einfach nur zuschaue und den Hinterbliebenen Trost spende. Im Gegenteil, wenn andere Menschen zu Schaden kommen, müsse auch ein Christ handeln. Notfalls sogar mit Gewalt. Dennoch stehe immer die friedliche Wahl der Mittel absolut im Vordergrund.

Dietrich Bonhoeffer wurde von den Nazis im Konzentrationslager Flossenbürg kurz vor Kriegsende ermordet.

Sein Verantwortungsgefühl gerade in Bezug auf das geplante Attentat auf Hitler gründet wohl auch in Luthers Rechtfertigungslehre. Ihr zufolge ist der Mensch von Gott aufgrund Gottes Gnade angenommen und aufgrund des menschlichen Glaubens an Gott und dessen Erlösungswerk in Jesus Christus, nicht aber aufgrund der eigenen Werke. Sich an Gott heran arbeiten, indem man alles richtig mache, sei einfach nicht möglich. Insofern könne der Mensch frei handeln, weil er nicht aufgrund seiner Werke beurteilt wird. Wenn also Bonhoeffer der Meinung ist, er könne es aus christlich-ethischen Gründen nicht zulassen, dass Hitler Millionen von Menschen ermordet, man ihn im Gegenzug aber mit Gewalt stoppen könnte, wenngleich dies gegen die Zehn Gebote, also das Tötungsverbot im Besonderen, verstößt, so schwingt dort die Hoffnung mit, dass auch Dietrich Bonhoeffer, falls sein Handeln christlich eventuell nicht korrekt sein sollte, letztlich von Gott vergeben werden würde. Und zwar deswegen, weil Gott die Menschen aufgrund seiner Gnade annimmt. Bonhoeffer macht es sich nicht leicht. Frieden hat im Grunde absolute Priorität, aber wenn die Nächsten, bzw. die Mitmenschen, grausam ermordet werden, darf seiner Ansicht nach ein Christ im Grunde nicht einfach zusehen. Es geht bei Bonhoeffer also nicht um das normale Leben, in dem der Christ natürlich durchaus versuchen sollte, die hohen Ansprüche der Bergpredigt zumindest im Ansatz zu erfüllen. Sondern es geht bei ihm um eine extreme und existenzielle Notsituation, in der andere Menschen um ihr Leben gebracht werden und man als Christ, egal wie man handelt, schuldig wird. Handelt man nicht, ist man womöglich indirekt als eine Art Mitläufer für das Handeln des Diktators verantwortlich. Handelt man aber, verstößt man gegen das Gebot, dass man nicht töten darf. Es gilt also abzuwägen zwischen dem Leben eines Diktators, der Millionen Leben vernichtet und zwischen dem Anspruch dieser Millionen Leben auf Unversehrtheit. Moralisch heile kommt man aus einer solchen Dilemmasituation natürlich niemals heraus. Im utilitaristischen Sinne entscheidet sich Bonhoeffer für die Leben der Vielen, die im Grunde unschuldig sind und gegen das Leben des einen, welcher ebenfalls das Verbot des Tötens missachtet. Als Christ könne man zwar, wenn man der Bergpredigt völlig folgen möchte, es hinnehmen, wenn man selbst um sein Leben gebracht wird. Wenn Andere aber derart bedroht werden, könne man einfach nicht tatenlos zu schauen, so Bonhoeffer.

Mehr dazu finden Sie unter folgendem Link.

Das Foto zeigt die Münchner Feldherrnhalle, auf die Hitler 1923 marschierte, als er einen ersten Putschversuch unternahm.

Wer fromm ist, muss politisch sein

Dietrich Bonhoeffer unterstützte die Attentatspläne gegen Hitler. Dafür wurde der Theologe hingerichtet. Eine Würdigung des großen evangelischen Pazifisten zu seinem 70. Todestag.

http://www.zeit.de/2015/15/dietrich-bonhoeffer-todestag-protestantismus-widerstand?

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