Offensichtlich leben wir ja in postfaktischen Zeiten. Wobei es nicht so ist, als hätte früher jeder Politiker sich zwangsweise und automatisch an die Fakten gehalten. Aber heute gibt es eine Tendenz, Fakten als alternative Fakten zu bezeichnen, welche dann von den objektiven Tatsachen diametral abweichen können. Exemplarisch konnte man das an den Brexitverhandlungen sehen. Farage beispielsweise gab an, Großbritannien würde eine ungeheure Summe monatlich an die EU zahlen müssen, 350 Millionen Pfund pro Woche. Das solle doch lieber ins britische Gesundheitssystem fließen. Gleich nach dem Brexit hielt er seine Idee für doch nicht so wichtig, wenngleich sie wohl eines der stärksten Argumente für den Brexit gewesen war. Egal. Und nicht 350 Millionen wöchentlich zahlt Großbritannien an die EU, sondern 110. Nur einen kleinen Geist kümmern die Fakten. Und so hatte auch Donald Trump gestern gleich sein erstes ernstzunehmendes Problem nach seiner Amtseinführung: dass nämlich irgendwie zu wenige Leute gekommen seien. Und ließ gleich dementieren, die Medien hätten da irgendwie manipuliert. Alternative Wahrheiten. Dass die Bilder, welche die Medien verteilten, zwar ihre eigene Sprache sprachen und unmissverständlich klar machten, dass bei Trump einfach ein ganzes Stück weniger Publikum zugegen war, als beispielsweise bei Obama, störte Herrn Trump und seine Elite dabei nicht.

In diesen Zeiten sollte man doch einmal versuchen, auch postfaktisch Rodeln zu gehen. Denn wer kennt es nicht, dieses unangenehme Gefühl, irgendwann den Berg wieder hoch laufen zu müssen und dabei den Schlitten zu ziehen. Alles nur wegen der Naturgesetze. Pfeifen wir doch einmal auf die Naturgesetze. Schließen wir uns einfach der alternativen Faktenlage an, dass sie nicht immer gelten, diese albernen Naturgesetze. Ist doch klar, dass es sich bei ihnen nur um die plumpe Erfindung einer kleinen naturwissenschaftlichen Bildungselite handelt. Setzen wir uns stattdessen lieber am Fuß des Berges auf unseren Schlitten und warten, bis er von selbst nach oben fährt. So geht Populismus. Und wenn dabei der Schlitten nicht von selbst nach oben zu fahren beginnt, sind die Medien schuld. Eindeutig.

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