Anders formuliert, ist es ethisch korrekt, Essen wegzuwerfen?

Vordergründig gibt es zunächst einmal zwei Antworten. Ja, denn man hat es ja selber gekauft und bezahlt. Nein, denn Menschen auf der Welt leiden Hunger und sterben sogar wegen Unterernährung.
Bei der ersten Antwort wird nicht einmal der Versuch unternommen, das möglicherweise problematische Verhalten, Essen wegzuwerfen, irgendwie zu rechtfertigen. Drum wird dieser Punkt gar nicht weiter besprochen. Klar können Sie mit Ihrem Geld machen, was sie wollen. Das ist der ungezügelten Macht des Kapitalismus zu eigen. Sie können sich Ihr Geld auch in die Nase stecken oder es verbrennen, wenngleich ethisch problematisch.

Im zweiten Fall schwingt implizit irgendwie eine Art ethisches Konzept mit, welches aber oft nicht wirklich begründet werden kann. Klar, man solle Essen nicht wegschmeißen, denn wenn das die hungernden Menschen beispielsweise in Afrika wüssten, wären sie womöglich verzweifelt. Verzweifelt wären sie zurecht, allerdings muss man sagen, dass sie zwar möglicherweise insgesamt von der Verschwendung in der sogenannten Ersten Welt wissen, aber nicht von Ihrem speziellen Einzelfall. Von diesem Standpunkt aus wäre es egal, wenn Sie persönlich ihr Essen wegschmeißen würden, weil niemand in Afrika je davon von wüsste.

Möchte man aber ethisch irgendwie begründen können, warum das Entsorgen von gutem Essen, und um solches geht es hier, nicht um abgelaufenes Essen (wobei man sich dann fragen müsste, warum es denn überhaupt ablaufen konnte), problematisch ist, landet man möglicherweise bei Immanuel Kant. Ihm zufolge kann ein ethisches Konzept dann als zutreffend und legitim bezeichnet werden, wenn mit ihm grundsätzlich eine allgemeine Gesetzgebung begründet werden könnte. Würde der Fall also heißen, es wäre okay, einwandfreies Essen wegzuschmeißen, so hieße das allgemeine Gesetz, dass es jeder natürlich tun kann: ja, du sollst einwandfreies und gutes und genießbares Essen wegwerfen! So ist es in unseren Zeiten ja auch. Das hätte allerdings zum Problem, dass, wenn jeder Mensch dies weltweit täte, es möglicherweise zu einer Nahrungsmittelknappheit führen könnte, welche in der Folge ebenfalls den Tod von Menschen herbeiführen würde. Von daher könnte dieses Prinzip nach Kant wohl nicht zu einem allgemeinen ethischen Gesetz gemacht werden.

Im umgekehrten Fall wäre es nachvollziehbarer: Nein, du sollst kein genießbares und gutes Essen wegwerfen, denn täten dies alle, würden womöglich Hungersnöte auftreten und dein Einzelverhalten wäre zu einem kleinen Prozentsatz ebenso für den Tod anderer Menschen mitverantwortlich.

Im speziellen Einzelfall steht man dann allerdings schnell vor der Frage, ob denn irgendjemand in Afrika nun davon profitieren könnte, wenn ich hier gerade mein altes Brot, das mir nicht mehr so richtig schmeckt, wo doch ein neues, frisches Brot auf dem Tisch liegt, wegschmeißen würde. Nein, muss man zunächst sagen, von diesem speziellen Einzelfall würde in Afrika niemand profitieren. Und auch sonst nirgendwo in der Welt.

Ein bisschen weiter gedacht dann aber schon. Angenommen, wir würden es zunehmend in immer höherem Maße schaffen, nur das einzukaufen, was wir auch essen wollen, würden wir zum einen weniger wegschmeißen, zum anderen hätten wir am Monatsende mehr Geld auf dem Konto, welches wir sonst einfach in den Müll zu werfen gewohnt waren. Mit diesem Geld könnte man dann durchaus natürlich Hilfsprojekte, die den Hunger weltweit bekämpfen, unterstützen.

Nach Immanuel Kant könnte es auch allgemeingültiges ethisches Gesetz werden, den Hunger weltweit zu bekämpfen, weil es sich um Menschen handelt, deren Leben deswegen, weil sie Menschen sind, einen unschätzbaren Wert hat. Ebenfalls ein kantisches Gesetz.

Die Antwort auf die Eingangsfrage lautet also: nein, es ist ethisch nicht korrekt, Essen wegzuschmeißen. Kaufen Sie weniger ein, verzehren Sie das, was sie im Kühlschrank haben und spenden Sie die 5 € oder die 50 €, die Sie dadurch monatlich eingespart haben, einer vertrauenswürdige Organisation, um den Hunger in der Welt zu lindern und bestenfalls sogar zu beseitigen.

Um dies im Alltag etwas besser umsetzen zu können, beherzigen Sie den Gedanken, nach Möglichkeit niemals mit leerem Magen einkaufen zu gehen. Denn ihr leerer Magen hat die unablässige Tendenz, ihren Einkaufswagen bis zum Bersten zu füllen. Ethische Konzepte dagegen sind ihm völlig Wurst.

Lesen Sie dazu auch:

Globale Ziele: Ernährung sichern (SDG 2)

 

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