Einige Sportlehrerinnen kennen das Phänomen, dass generell Mädchen ab einem gewissen Alter, sprich in der Pubertät, monatelang unpässlich sind, sobald es um Schwimmunterricht geht. Keine Lust auf Sport. Es ist also keine Phänomen speziell von Muslimen, wenn pubertierende Mädchen nicht ins Wasser wollen. Jedoch gibt es einige Muslime, die es nicht gerne sehen, wenn ihre Töchter am Schwimmunterricht teilnehmen. Eine solche Teilnahme hat der europäische Gerichtshof für Menschenrechte nun aber gerichtlich verordnet,  weil soziale Integration und Bildung Vorrang vor Religionsfreiheit haben.

Dabei haben die meisten muslimischen Eltern überhaupt kein Problem damit, wenn ihre Töchter am Schwimmunterricht teilnehmen. Es ist also kein Urteil speziell gegen den Islam. Es geht darum, dass einzelne Schülerinnen nicht von der Teilnahme sozialer und bildungspolitischer Unternehmungen ausgegrenzt werden dürfen, dass sie also das Recht haben, teilzunehmen, ohne sich dies daheim erst aufwändig erstreiten zu müssen. Zudem soll das Urteil die kulturell bedingten Gewohnheiten Europas stärken, dass nämlich Menschen, auch im Schwimmbad, sich ohne Vorurteile begegnen können. Und dazu muss diese Begegnung ja erst einmal stattfinden können.

In diesem Zusammenhang müssen es beispielsweise, um den Zugang zu Bildung zu gewährleisten, auch Eltern, die Zeugen Jehovas sind, zulassen, wenn im Unterricht Harry Potter gelesen wird, wenn es also um Zauberei geht. Fundamentalistische Eltern müssen es ertragen, dass ihren Kindern die Erkenntnisse der Evolutionstheorie vermittelt werden und rechtsgerichtete Eltern dürfen keine Bedenken anmelden, wenn beispielsweise eine Moschee besucht wird, um den Dialog zu fördern.

Diese Vorgehensweisen sind sinnvoll, um eine neue Generation tolerant und weltoffen zu erziehen. Denn in einer globalisierten Welt funktioniert es einfach nicht mehr, Menschen in die Wir- und die Ihr-Gruppe einzuteilen. Oder sagen wir so, funktionieren tut es zwar, aber dann gibt es Krieg oder Bürgerkrieg. Und den will heute ernsthaft niemand mehr. Denn es wäre ja schön, noch einmal 70 Jahre des Friedens in Europa erleben zu dürfen. Und das ist nur möglich, wenn ein Verständnis von Toleranz, Demokratie und Diskursfähigkeit bereits in der Kindheit und Jugend erlernt werden kann. Denn die Kinder von heute sind die Wähler und Politiker von morgen. Schon mal drüber nachgedacht?

https://www.google.de/amp/www.zeit.de/amp/gesellschaft/schule/2017-01/schwimmunterricht-muslime-europaeischer-gerichtshof

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