Der evangelikale Fernsehprediger Peter Hahne griff diese Frage vor ein paar Tagen in Wittenberg auf und verneinte sie. Er war der Meinung, Pfarrer sollten der Gemeinde den Weg zu Gott weisen, sich politisch aus der Welt heraushalten und jedem seine eigene politische Meinung lassen. Jeder könne sich schließlich einer Partei anschließen bzw. selbst politisch informieren. Mit dieser Meinung steht er jedoch etwas allein, zumindest wenn es nach der EKD und ihrem Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm geht.

Dieser verweist zu Recht darauf, dass Kirche es beispielsweise nicht zulassen könne, wenn Gemeindemitglieder bzw. Christen beispielsweise gegen Flüchtlinge hetzen, weil dies der christlichen Botschaft im Kern fundamental widerspricht. Seiner Ansicht nach muss Kirche auch politisch sein.

Damit begibt er sich unter anderem in die Tradition der Bekennenden Kirche, die in der Barmer Theologischen Erklärung gegen Hitler und die sogenannten Deutschen Christen zu kämpfen versuchte. Hitler wurde dort zwar nicht direkt genannt, jedoch war implizit klar, gegen wen sich die Erklärung richtete.

Auch der Pfarrer Dietrich Bonhoeffer war der Meinung, es könne ja nicht angehen, dass ein Wahnsinniger mit seinem Auto durch die Stadt rase und Menschen zu Tode fahre, der Pfarrer jedoch sich einfach nur um die Hinterbliebenen zu kümmern, ihnen Beileid zuzusprechen und sie zu versorgen habe. Er müsse vielmehr aktiv eingreifen ins Geschehen, um zu vermeiden, dass noch mehr Unheil geschehe. Mit dem wahnsinnigen Autofahrer meinte Bonhoeffer Hitler. Auch Karl Barth in der Bekennenden Kirche sah es ähnlich.

Und ja, heute muss man natürlich Christen sagen, welche die Tendenz haben, in rechtsradikales Gedankengut abzudriften, dass sie falsch liegen. Und dass dies nichts mit der christlichen Botschaft zu tun hat.

Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ein Pfarrer von der Kanzel natürlich keine Tipps dergestalt gibt, man solle nun SPD, CDU, die Grünen, CSU oder sonst wen wählen. Aber implizit sollte er natürlich durchaus Stellung nehmen zu gesellschaftlichen Themen, welche automatisch auch immer politische Themen sind, die massiv der christlichen Botschaft zuwiderlaufen. Wenn nicht die Pfarrer dies tun, wer soll es denn dann tun? Auf Peter Hahne braucht man hier nicht zu warten.

Nein, als Christ darf man nicht gegen Flüchtlinge hetzen, nicht gegen Moslems, nicht gegen  Schwule. Man darf  überhaupt gegen kein Ebenbild Gottes, also gegen keinen Menschen, hetzen. Jesus sagte nicht, liebt die, die ihr toll findet und mögt und die nett zu euch sind.  Er sagte, und natürlich ist das schwierig, liebt eure Feinde. Ob Peter Hahne das auch schon mal im Neuen Testament gelesen hat? Vor dem Hintergrund von Jesu Aufforderung zur Feindesliebe darf ein gläubiger Christ natürlich nicht schweigen, wenn unter dem Deckmantel einer angeblichen Botschaft Jesu die Nächstenliebe und die Feindesliebe von sogenannten Christen eingeschränkt oder sogar verraten werden.

Quelle zu Peter Hahne

http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/hahne-in-wittenberg-auf-der-kanzel-keine-parteipolitik-betreiben-99470.html

Quelle zu Bedford-Strohm

https://www.evangelisch.de/inhalte/139722/28-10-2016/bedford-strohm-im-zdf-morgenmagazin-kirchen-muessen-sich-politisch-einmischen

2 Kommentare zu „Dürfen Pfarrer politisch predigen?

  1. Hast Du mal eines der Bücher von Peter Hahne gelesen? Wie er darin über Parteien wie die Grünen und deren Politiker herzieht? Und das in einer Zeit, wo man von ihm aufgrund seiner öffentlichen journalistischen Tätigkeit ein Mindestmaß an Neutralität hätte erwarten können?
    Wenn überhaupt jemand aufgrund seines eigenen Verhaltens nicht das Recht hat, den Kirchen in dieser Hinsicht ein Fehlverhalten vorzuwerfen, dann Peter Hahne.
    Er profitiert von einer evangelikalen Blase: Da ist jemand im öffentlichen Fernsehen, der ist bekehrter Christ. Und deswegen gilt er in manchen Kreisen als unfehlbar und hundertprozentig zuverlässig. Kritik an ihm ist nicht nur nicht erwünscht, sie ist diesen Zusammenhängen auch nahezu undenkbar. Und so kann er schon seit Jahrzehnten die Realitäten biegen und parteipolitisch agieren, dass es nur so kracht.
    Nein, ich habe nicht alle seine Bücher gelesen, aber über die Jahren immer wieder reingeblättert.

  2. Ist wohl so, wie manch Philosoph heute: reden, wie es sein müsste, aber selbst danach nicht handeln. Das fällt bei dem heutigen Unsinn, der so geredet wird, ohnehin nur noch einer Hand voll Menschen auf…

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