Wollen Sie das bedingungslose Grundeinkommen einmal testen?

Norwegen macht Ernst, zumindest ein bisschen. Im Laufe des Jahres soll ein Gesetzesentwurf eingebracht werden, dem zufolge testweise 2000 Personen monatlich 560 € erhalten, die an keine Bedingungen geknüpft sind. Man erhofft sich dadurch unter anderem eine Entlastung der Sozialsysteme und der Zahlungsverpflichtung anderer Gelder, die Bürger sonst auf kompliziertem Wege über staatliche Institutionen beantragen müssten. Diese Institutionen werden dadurch schlanker oder fallen ganz weg, der Verwaltungsaufwand reduziert sich.

Ein anderer Gedanke von einigen Verfechtern des bedingungslosen Grundeinkommens ist, dass ein Mensch, der ein solches erhält, sollte es denn hoch genug sein, beispielsweise 2000 € im Monat, nicht mehr jeden üblen Job annehmen müsste, nur um zu überleben. Dadurch würden die Menschen freier, Unternehmer hingegen müssten sich mehr anstrengen, ihren Arbeitnehmern etwas zu bieten, anstatt sie auszubeuten und auf den möglichst niedrigsten Lohn zu drücken.

Ein weiterer Grundgedanke ist, dass der Mensch an sich ein produktives Wesen ist und sich nicht damit begnügen will, so er denn beispielsweise 2000 € monatlich zur Verfügung hätte, jeden Tag mit einem Kasten Bier auf der Parkbank zu verbringen, sondern durchaus etwas Sinnvolles anzustellen wollte mit seinem Leben, seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten und sein Leben gestalten wollte.

Klingt insgesamt nicht allzu verkehrt, was da überlegt wird. Die Frage ist, ob es denn funktioniert. Und das können Sie selbst testen, falls Sie das wollen. 

Wählen Sie sich beispielsweise zehn Freunde, mit denen sie vereinbaren, sich gegenseitig monatlich 1000 € zu geben. Diese 1000 € zahlen Sie in einen Topf ein, aus dem sich jeder zu gleichen Anteilen, also zu je 1000 €, bedienen kann. Sofern alle von Ihnen arbeiten, ist die Sache natürlich relativ witzlos, den jeder erhält genau die 1000 €, die er vorher eingezahlt hat, wieder zurück. Sollte aber einer in Not geraten, sind es beispielsweise nur noch acht Einzahler, zwei Leute aber, die sich bedingungslos ebenfalls aus dem Topf bedienen können und ebenfalls monatlich ein Zehntel des Geldes bekommen. Diese beiden Leute geraten dann nicht in existenzielle Not, sondern könnten überleben. Und zwar ohne zu allen möglichen Institutionen laufen zu müssen.

Sie können das Ganze natürlich noch weiter differenzieren. Weiten sie es auf 1000 Freunde und Bekannte aus und nehmen Sie noch ein paar Arbeitslose und schwer in Arbeit vermittelbare Menschen mit hinzu. Einerseits wird Ihnen dies dann vielleicht ein Dorn im Auge sein. Andererseits ist es aber ein sehr sozialer Gedanke, der nicht zuletzt sogar Ihnen zugutekommt, da Menschen nicht völlig in Armut fallen. Und wie wir wissen, ist eine der Gefahren einer großen Kluft zwischen Arm und Reich die, dass die Kriminalitätsrate steigt. Mit Ihrem System hätten Sie also für sich selber ein Stück Sicherheit gewonnen, da es niemanden oder in Ihrem Fall: weniger Leute) gibt, die so wirklich arm sind. Naja, wenn ihnen 1000 € zu wenig sind, können Sie auch auf 2000 € erhöhen. Dafür können Sie dann sicher durch die Straßen gehen. Und brauchen weniger Polizei. Mütter können sich um ihre Kinder kümmern. Die Gesellschaft insgesamt könnte möglicherweise weniger gestresst sein, viel entspannter. Und wer weiß, vielleicht werden diejenigen, denen man es nie zugetraut hätten, plötzlich äußerst produktiv, würden einen Kiosk errichten, einen Lieferservice oder sonst etwas. Würden in Arbeit finden und andererseits irgendwann in Zukunft einmal ihnen, wenn Sie nämlich keine Arbeit mehr hätten oder arm, alt oder krank wären, in gleicher Weise bedingungslos helfen.

Nachtrag:

Sollten Sie nun enttäuscht sein, weil Sie dachten, Sie bekämen hier etwas kostenlos, ohne etwas dafür zu tun, gehören Sie vielleicht zu den Schnorrern, die alles gerne mitnehmen, einstecken und abgreifen, sich selber aber nicht einsetzen und einbringen wollen. So funktioniert der Gedanke des bedingungslosen Grundeinkommens aber nicht. Denn der Grundgedanke ist die Solidarität und der achtsame Umgang mit den Mitmenschen und die Sorge um und für ihn. Es ist der Gedanke, dass es allen gut gehen könnte, wenn nur alle solidarisch wären. Denken Sie noch mal drüber nach.

Das Bild wurde gewählt, weil es eben vermutlich gerade nicht so sein würde, dass jemand, der ein bedingungsloses Grundeinkommen bezieht, dieses dann automatisch in Alkohol umwandeln würde. Vielmehr würden die meisten Menschen es vermutlich, so zumindest die optimistische Sicht, produktiv nutzen, um ihr Leben oder das von anderen Menschen besser zu machen.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Spannendes Thema! Bin sehr gespannt, was der Versuch bringt. Kann sowohl pro und contra verstehen 🙂

  2. theolounge sagt:

    Ja, ich weiß auch nicht, ob die Menschen für so etwas bereit wären, aber es ist ein spannender Versuch, der zu mehr Gerechtigkeit führen könnte.

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