Geistige Auseinandersetzung mit dem Islam

Die westliche Welt wird sich mit dem Islam auseinandersetzen müssen. Nüchtern, sachlich, tief. Da ist zum einen die Gottesfrage. Wenn es einen Gott geben sollte, dann kann dieser nur ein Gott der Liebe sein. Alles andere kann mit dem Begriff „Gott“ nicht vereinbar sein. Denn unter „Gott“ verstehen wir das „alles Umfassende“. Man kann aber nur dann alles umfassen, wenn man nichts ausschließt. Das aber ist Liebe.

Gott kann man deshalb nur näherkommen durch die Liebe, und nicht durch Hass. Damit ist völlig ausgeschlossen, dass ein sogenannter Gotteskämpfer durch sein Morden ins Paradies käme. Das muss jedem denkenden Menschen einleuchten.

 

Nun kommen wir zur weit schwierigeren Frage der Offenbarung. Für einen Gläubigen ist die Offenbarung alles, was er von Gott hat. Sie ist ihm Gesetz. Und das Befolgen von Gottes Willen hat für einen ernsthaft Gläubigen Priorität. Das, was im heiligen Buch steht, sei es die Thora, die Bibel oder der Koran, ist für den Gläubigen Wahrheit. Wahrheit, die Gott dem Menschen offenbart hat.

Wenn das so sein sollte, dann dürften sich doch die verschiedenen heiligen Schriften nicht einander widersprechen. Das tun sie aber, wenn vielleicht auch nicht im Wesentlichen. Das Problem wird also nicht dadurch gelöst, dass man nur die Offenbarung der eigenen Gemeinschaft als die allein göttliche erklärt.

 

Nun ist es eine bekannte Tatsache, dass die einzelnen Offenbarungsschriften nicht von Anfang an den Menschen gegeben wurden, sondern unterschiedlich alt sind. Die Fertigstellung des Pentateuch, der 5 Bücher Mose unseren Alten Testaments datiert man auf etwa 440 v. Chr.. Die Kanonisierung des Neuen Testaments erfolgte im 4. Jahrhundert n. Chr., und den Koran will Mohammed im 7. Jahrhundert empfangen haben. Offensichtlich ist die Zeit, in der eine Offenbarung gegeben wurde, nicht unerheblich. Ebenso, welches Volk sie empfing. Damit erweist sich eine Offenbarung nicht als zeitlos gültiges Dokument. Vielmehr steht sie in einem innigen Zusammenhang mit der Menschheitsentwicklung im Allgemeinen und der Volksentwicklung im Besonderen.

 

Wollte man nach dem Zweck einer Offenbarung fragen, so kann man diese im Sinne Lessings beantworten: Sie muss der Erziehung des Menschengeschlechts dienen.

Es ist dem Menschen eingeboren nach dem Höchsten zu streben. Heute erfüllt sich dieses Streben im Wesentlichen durch Denkarbeit. Durch diese ergeben sich immer neue Erkenntnishorizonte. Aber wie haben wir uns die Erfüllung dieses Triebes vorzustellen in einer Zeit, da das denkerische Erfassen der Welt und alles dessen, was in ihr ist, noch nicht möglich war? – Wir wissen heute, dass die Anfänge der Logik im antiken Griechenland liegen. Vorher erfasste der Mensch die Welt mehr durch die Empfindung. Von den Empfindungen erhielt der Mensch seine Antriebe, so wie heute durch das Denken. Aber Empfindungen sprechen autoritativ. Die höchsten Empfindungen, zu denen sich ein Mensch aufschwingen kann, sind immer die idealen, d.h. noch nicht gewohnten. Was in ihnen offenbar wird ist also das Noch-nicht-Verwirklichte aber nach Verwirklichung Strebende, das sich im „Du sollst…“ ausdrückt.

In den Offenbarungen sprechen sich also allgemeinmenschliche Ideale aus, so gut sie eben in der jeweiligen Zeit und vom jeweiligen Volk erfasst werden konnten. Das erklärt auch, weshalb die Offenbarungen das jeweils herrschende Weltbild, also das sonstige Wissen über die Welt unangetastet lassen.

 

Kommen wir nun zum Islam und zum Christentum. Der Islam gebietet im Wesentlichen nichts anderes, als das, was schon, für das gedeihliche menschliche Zusammenleben, in den 10 Geboten des Alten Testaments, der Thora gefordert wurde. Er stellte zumindest für die noch in polytheistischen Anschauungen lebenden arabischen Stämme einen Fortschritt dar. Für die Juden musste er ohne Bedeutung sein, und für die Christen erst recht. Denn Christen akzeptierten nicht nur die alttestamentlichen Gebote, sondern ihnen eröffnete sich auch der Weg, wie sie mit dem Ewigen Eins werden können: In der Erkenntnis des wahren Wesen des Menschen, das ewiger Natur ist. Aus diesem Bewusstsein ist ihnen eine Allliebe möglich, wie sie in Jesus offenbar wurde.

Ganz gleich, wie weit jemand in der Verwirklichung dieser Liebe gekommen ist, so steht doch die Liebe als höchstes Ideal dem Menschen vor Augen. Wer deshalb Hass predigt, kann niemals im Namen Gottes sprechen, und wer solchen Predigern folgt, muss Verderben ernten. Denn jeder der hasst, isoliert sich selbst.

Wir wissen heute aus den Nahtoderfahrungen, dass der Mensch der Liebe begegnet, wenn er dem Licht nahe kommt. In diesem Licht prüft sich die Seele selbst, inwieweit sie mit ihr im Einklang ist, und empfindet alle Lieblosigkeit als schmerzlich. Das wird auch den sogenannten Gotteskriegern so gehen.

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