In Deutschland geht ein Gespenst der Angst um, und nicht nur hier, sondern besonders derzeit natürlich in Paris, in Frankreich und letztlich wahrscheinlich in der gesamten EU. Das Gespenst heißt Terror, die Botschaft ist, es kann jeden treffen.

Dies ist der optimalen Nährboden für rechtsradikale Gruppierungen überall in der Europäischen Union. Auch die Medien tun das ihre dazu, sie sind ja letztlich Verkaufsartikel und möchten hohe Verkaufsquoten erzielen. Dadurch lohnt es sich für Medien wenig, über all die positiven Dinge zu berichten, die hier im Land geschehen und die mit Flüchtlingen zu tun haben, stattdessen wird der Fokus gelegt auf überfüllte Brücken, voll mit Flüchtlingen, überfüllte Routen, auf denen Flüchtlinge augenscheinlich das Land zu fluten drohen. Verbale Entgleisungen wie Flüchtlingsflut, Flüchtlingslawine und ähnliches geben das ihrige dazu. Ängste werden in der Bevölkerung geschürt, dass die Überfremdung zu groß werde, und das seltsamerweise besonders in Landesteilen, in denen kaum Flüchtlinge aufzufinden sind. Die Ratio wird durch die Angst ausgehebelt. Es ist die Zeit der populistischen Rattenfänger.

Und in der Tat kann es natürlich schwierig werden, viele Menschen zu integrieren, wenngleich sie im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung der EU doch einen marginalen Anteil ausmachen. Erschreckend ist auch, dass offenbar einige der Attentäter von Paris durchaus schon längere Zeit in der EU sesshaft und wohnhaft waren.

Aber hier kommt nun der positive Aspekte der Flüchtlinge. Zum einen muss man ihnen natürlich helfen und Ihnen aufgrund der Genfer Flüchtlingskonvention Asyl gewähren. Dies ist ein rechtlich festgeschriebener Akt der Menschlichkeit. Es ist zudem eine moralische und ethische Verpflichtung. Allerdings, was viele Menschen, die in die radikale Richtung denken, derzeit wohl zu wenig beachten, ist der Aspekt, dass ein Großteil der Flüchtlinge gerade vor den Radikalen flieht, am Beispiel von Moslems (und natürlich auch anderen Religionsrichtungen) ist es wohl der IS. Zu glauben, solche Flüchtlinge hätten nichts Besseres hierzulande zu tun, als nun ihrerseits hier einen Gottesstaat aufzubauen, dessen Tentakeln und Auswüchsen sie doch gerade mit höchster Not entkommen konnten, oftmals unter hohen menschlichen Verlusten, manchmal unter dem Verlust der halben oder der ganzen Familie, ist völlig absurd und irreführend.

Flüchtlinge, die diesen Hintergrund haben, sind also per se schon einmal ein gutes Schutzschild gegen die Radikalisierung im Lande, auch gegen die religiöse.

Flüchtlinge, die derzeit nicht arbeiten dürfen, werden sich zu einem großen Prozentsatz im Laufe der Jahre sicherlich in die arbeitende Bevölkerung eingliedern. Zum einen gibt es hier gerade in den schlecht bezahlten Jobs sicherlich Verteilungskämpfe und Rivalitäten. Einerseits. Andererseits wird es wohl so sein, dass ehemalige Flüchtlinge, die im Laufe der Jahre mit am Deutschen Bruttosozialprodukt beteiligt sind, die Renten und die Arbeitslosenversicherung beispielsweise gerade sogar für diejenigen Leute bezahlen werden, die heute bei fremdenfeindlichen Protesten und Parteien mitlaufen, bei der AfD oder bei Pegida beispielsweise.

Flüchtlinge, die hierzulande integriert werden, atmen gewissermaßen täglich die europäische Kultur ein. Es wird demnach sehr darauf ankommen, wie freundlich und wohlwollend man ihnen begegnet. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch zurück. Bereits jetzt hat für einen Großteil der Flüchtlinge die EU sicherlich gerade deswegen einen solch hohen Anziehungsfaktor, weil sie eines der wenigen Gebiete auf dieser Erde ist, in denen Demokratie gelebt wird, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit festgeschrieben und auch in den Köpfen der Menschen verankert sind. Wer aber über Jahre hinweg diese Art der Kultur inhaliert, der verändert sein Denken. Moslems beispielsweise, die vor der radikalisierten Form des Islam geflohen sind, lernen hier eine demokratische und tolerante Form des Islam kennen. Natürlich gibt es die wenigen radikalisierten Ausnahmen, die offenbar auch an den Terroranschlägen von Paris teilgenommen haben. Für den Großteil der hier lebenden Moslems gilt aber sicherlich, dass ihre Form der Religiosität mit Grundgesetz beziehungsweise europäischem Recht in Einklang stehen.

Diese hier erlernte Form des Kulturverständnisses exportieren ehemalige Flüchtlinge natürlich in ihre Herkunftsländer, selbst, wenn sie dort möglicherweise nie wieder leben werden. Viele von ihnen sind über Smartphones mit ihrer Heimat vernetzt, Skype, Hangouts und ähnliche Kontaktmöglichkeiten werden genutzt, um mit der Heimat im Kontakt zu bleiben. Die daheim gebliebenen Menschen in dem Herkunftsland lernen durch diesen Kontakt kennen, wie man hierzulande miteinander umgeht und leben kann, was für Werte es hier gibt. Eine bessere kulturelle „Entwicklungshilfe“ kann es eigentlich gar nicht geben. Auf diese Weise kann es gelingen, auch radikales Denken in den Herkunftsländern positiv in eine demokratische Richtung hin zu verändern. Es ist diese einzigartige Möglichkeit, die keine Luftangriffe dieser Welt jemals werden bewirken können, nämlich die Möglichkeit, das Denken von Menschen positiv und freiwillig zu beeinflussen. Wer wäre dazu besser geeignet, als die eigenen Angehörigen, die in der europäischen Kultur heimisch werden und diese Kultur verbal nach Hause exportieren?

Und ein letzter Aspekt ist auch noch zu bedenken. In vielen Ländern, in denen Menschen flüchten, gibt es neben der Verfolgungssituation und der Bedrohung durch Krieg und/oder Krankheit auch die Bedrohung durch fehlende finanzielle Mittel und fehlende medizinische Versorgung, was miteinander einhergeht. Ehemalige Flüchtlinge, die in der Europäischen Union Arbeit gefunden haben, exportieren wesentlich mehr Geld in ihre Heimatländer, um dort ihre Kernfamilien, oder sofern sie diese Kernfamilien irgendwann nachgeholt haben, zumindest den weiteren Kreis ihrer Familien finanziell zu unterstützen, als staatliche Entwicklungshilfe es jemals könnte. Diese finanzielle Unterstützung übertrifft in der Regel bei weitem sämtliche Versuche der Entwicklungshilfe, die von staatlicher Seite in Angriff genommen werden.

Zusammenfassend muss man also festhalten, dass die Kultur, die in der Europäischen Union erlernt und gleichsam mit jedem Atemzug stündlich, täglich, wöchentlich, monatlich und jährlich inhaliert wird, über Flüchtlinge und ehemalige Flüchtlinge in ihre Herkunftsländer exportiert wird und somit das Denken dort positiv im Sinne des europäischen Gedankens und der Demokratie, der Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit verändert. Es ist diese Art von Friedenssicherung für die Zukunft, die keine Luftangriffe und kein militärischer Einsatz in Syrien oder in anderen Ländern jemals leisten können werden. Zudem erbringen ehemalige Flüchtlinge, die in der EU arbeiten, einen gewaltigen Teil an finanzieller Entwicklungshilfe. Sie fördern dadurch die Lebensbedingungen in ihren Herkunftsländern und machen diese wieder lebenswert.

Insofern sind Flüchtlinge vielleicht sogar das beste, was der EU derzeit passieren kann. Vielleicht sind sie mittelfristig sogar das Patentrezept gegen die Diktaturen und Anarchien in manchen Ländern der arabischen Welt, ja sogar aller Länder, die diese Merkmale aufweisen.

Schlussgedanke zum Eingangsthema: entstanden ist der IS durch die Macht und Kraft der Gedanken, radikaler Gedanken. Durch die Macht und Kraft demokratischer und freiheitlicher Gedanken kann er auch wieder beendet und in das Reich vergangener Geschichtsschreibung zurück katapultiert werden.

Teil des Menschen ist offenbar beides: Der Wunsch nach Macht und der Wille zur Freiheit. Der Freiheitsdrang ist auf Dauer aber immer der stärkere Impuls. Und die Mitmenschlichkeit ist das, was von den Menschen langfristig honoriert wird, nicht die Unterdrückung. Repression ist ihr eigener Untergang, die Macht der Zukunft dagegen ist immer die Freiheit.

Und einen solch starken und zuverlässigen Verbündeten wie die Flüchtlinge wird Europa so schnell wohl nicht wieder finden. Denn sie stehen für die Macht der Freiheit.

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