wpid-wp-1431701001992.jpgGestern war (unter anderem): Vatertag. Viele Deutsche sind Jesus dankbar für diesen Feiertag, so würde es wohl eine Satirezeitschrift posten. Immerhin wissen aber doch noch viele Deutsche, dass Christi-Himmelfahrt eigentlich zunächst nicht der Vatertag ist, sondern ein religiöser, christlicher Festtag.

Wie aber soll man sich die Himmelfahrt Christi vorstellen ? Das hängt ganz davon ab, wie man sich seine Auferstehung vorstellt: Körperlich oder leiblich ?

Hä, ist das nicht Dasselbe ?

Nein.

Körperlich würde gewissermaßen salopp ausgedrückt bedeuten können, dass Jesu Leichnam wiederbelebt herumwandelte und dann gewissermaßen auch irgendwann die Erde wieder verlassen musste (in den Himmel  hinaufflog ? Sich in der Wolke verflüchtigte ? Damit tun sich viele Menschen heute schwer).

Leiblich würde bedeuten, dass Jesus nicht im Tod blieb, dass sein „Leib“, also das, was er war und was ihn ausmachte, weiterlebte (also nicht bloß die Erinnerung an ihn weiter lebte, sondern tatsächlich er selbst  –  aber nicht als „wandelnder Leichnam“). So treffen die Emmausjünger einen Mann,  den sie nicht (er)kennen – erst durch seine Art, seine Erzählungen, sein Abendmahl nehmen sie wahr, dass es Jesus ist. Er zeigt sich ihnen in einem anderen Menschen. Dann verschwindet diese Wahrnehmung wieder, im Evangelium heißt es: dann verschwand er.

Auch Maria am Grab trifft einen Mann, den sie nicht (er)kennt und für den Gärtner hält.  Erst durch seine Art erkennt sie Jesus und nennt ihn „Rabbuni“, „Meister“. Jesus zeigt sich in einem anderen Menschen.

Die Berichte können so gedeutet werden, dass also nicht Jesu Leichnam herumwandelte (auch,  wenn das in der Kunst vielfach so dargestellt wurde), sondern dass Jesu Anhänger ihn in anderen Menschen (wieder)erkannten – und zwar so intensiv, dass sie völlig davon überzeugt waren, dass er es war und dass er weiterlebte. Dazu passt zudem Jesu Aussage: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Jesus zeigt sich in anderen Menschen.

Mit dieser Deutung kann man heute gut glauben und sie löst das „Wandelnde-Leichnam-Problem“. Sie geht ein wenig in Richtung Nahtoderfahrungen, wo Menschen, die klinisch tot waren, nach ihrer Rückkehr detailliert über Geschehnisse im Raum berichteten (besonders gut dokumentiert ist der Fall der >Pam Reynolds). Und zwar in sofern, dass diese Menschen trotz klinisch messbarem Tod nicht tot sind.

Die Himmelfahrt Jesu kann dementsprechend so verstanden werden, dass die Präsenz Jesu in unterschiedlichen Menschen schließlich zurückging, so dass man sagte, Jesus ist zu seinem Vater, Gott, zurückgekehrt.

An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass eigentlich „Sohn Gottes“ in der Zeit der Antike vielerorts meinte:  eine besondere Nähe zu Gott. Mit dem Ehrentitel „Sohn Gottes“ soll nicht zuletzt ausgedrückt werden, dass Jesus und Gott „eins“ sind, dass die Nähe zwischen beiden sehr, sehr nah ist. Den Titel biologisch zu deuten ist wohl nicht in erster Linie gemeint gewesen.

Wenn man die Himmelfahrt wie oben durchdenkt, ist eben auch die Auferstehung wichtig zu denken. Die oben schon erwähnte Sicht des katholischen Theologen Hans Kessler kann man hier nachlesen:

https://theolounge.wordpress.com/2015/04/05/auferstehung-jesu-war-sein-grab-uberhaupt-leer/

Letztlich bleibt es natürlich Glaubenssache, welcher dieser Sichtweisen man sich anschließen möchte. Aber beide Sichtweisen zu kennen ist für einen rational zugänglichen Glauben sicherlich hilfreich.

Aber wie sagte Jesus: wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, dann bin ich mitten unter ihnen. Jesus zeigt sich in anderen Menschen.  Auch heute noch.

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