Erntedank – eine Provokation | Gardinenpredigerin

An Erntedank geht es irgendwie um etwas, wovon der brave Stadtmensch schon lange entfremdet ist und was den gesättigten Mitteleuropäer schon lange nicht mehr wirklich mit Dank erfüllt: es geht darum, dass die Ernte und damit das menschliche Überleben nicht selbstverständlich ist, sondern sich in einer ständigen Gefährdung befindet. Darum, dass die Zivilisation als solche eigentlich pausenlos auf der Kippe steht: Schimmel im Kornspeicher, Fäule im Kartoffelkeller und die Menschen müssen Hunde und Katzen essen – oder sogar sich gegenseitig. Dass es so nicht ist, liegt letztlich an der Huld Gottes: er ist derjenige, an dessen Wohlwollen unser Bestehen hängt.

Diese ständige Existenzangst und die zugehörige Dankbarkeit ist uns irgendwo auf dem Weg verloren gegangen, daran können selbst unmittelbare Bedrohungen wie Ebola, die IS und auch Putin nichts ändern.

Der Grund dafür liegt in verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen: es geht uns einfach sagenhaft gut. In Wirklichkeit ist es das, was wir feiern müssen.

Aber an Erntedank feiern wir gerade die Gründe für diesen unseren sagenhaften Wohlstand nicht. Was wir feiern ist ein gnadenlos veraltetes und verkitschtes Ideal von Landwirtschaft und auch von Landwirten: feiste Bäurinnen in Kleidung, die bereits zur Entstehungszeit der Bilder im 19. Jahrhundert historisierend gemeint war; um den Altar herum liegen Zierkürbisse, die man nicht einmal essen kann und natürlich auch das erdig-sympathisch angeditschte Gemüse vom Biobauern….viaErntedank – eine Provokation | Gardinenpredigerin.

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