Martyrium | Jobo72’s Weblog

Anmerkungen zu einer wichtigen Differenz

Offenbar ist durch die langjährige Berichterstattung über Selbstmordattentäter der Begriff des Martyriums völlig falsch konnotiert worden. Märtyrer, das sind junge Männer (oder Frauen), die mit einem Sprengstoffgürtel in Einkaufszentren rennen – und sich dabei auf Gott berufen. Wenn dann mal nicht nur ein unbedeutendes Blog, sondern das Nachrichtenmagazin eines breit rezipierten Mediums über eine Seligsprechung von Märtyrern berichtet, klicken die Synapsen zielsicher zusammen: Wie kann er nur, der Papst! Denn diese Seligsprechung sei angesichts der Lage im Nahen und Mittleren Osten ein „Zeichen […] zur falschen Zeit“, da es „ein Steinchen auf dem Weg zur Radikalisierung“ sei, wenn Menschen, die für ihren Glauben leiden, derart „geadelt“ werden (so in einem Kommentar). Nun, man kann „radikal“ im christlichen Sinne auslegen, gemeint ist jedoch wohl: Hier wird Öl ins Feuer gegossen, weil Christen mit den Verlockungen kirchlicher „Adelung“ gleichsam aufgefordert werden, im Sinne eines Selbstmordattentäters das Martyrium zu erlangen. Zwischen „für den Glauben sterben“ und „für den Glauben töten“ besteht zwar ein Unterschied, aber der wird hier galant unterschlagen.

Mit beigetragen zur…

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