Vorhin hörte ich den Lounge-Sender meines Vertrauens und – glaubte meinen Ohren nicht. 

„Du bist so ein Oarschloch“ sang dort einer. Nicht, dass ich mich persönlich angesprochen gefühlt hätte. Aber ich kam aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus. 

Der Text ist wohl wienerisch, wenn ich das richtig sehe. So lautet er wohl:

Du bist so ein Oaschloch, glaubst du bist da Superstar foast hoid an Bmw, owa dei Spatzi is zkla bin hoid ka Trottl und glaub da den Schaß, foa liawa a Kraxn und wenns sei muas im kras

Übersetzung: Du bist so ein A***, glaubst Du bist der Superstar, fährst halt einen BMW, aber deine Freundin ist zu klein, ich bin halt kein Trottel und glaub da den Sch***, fahr lieber einen Kleinwagen und wenns sein muss im Graz(?)

Na, wie auch immer. Ich fühlte mich nicht angesprochen, aber dachte mir: außer mir natürlich hat doch jeder schon mal so gedacht. Und solche garstigen Worte in den Mund genommen (das würde ich nicht mal in die Hand nehmen).

Und irgendwie dachte ich, das Lied ist zu schräg, als es wirklich zu vergessen. Aber wie auf einer theologischen Seite unterbringen ? Schwer. 

Versuch 1: auch die bravesten Christen denken mal so. Sie doch auch, oder ? – Nein, Sie nicht ??

Versuch 2: auch, wenn man sich über gewisse Leute ärgert – what would Jesus do ? Nun, so ganz genau wissen wir es vielleicht nicht, aber wir können mutmaßen: er wandte sich auch denen zu, die von anderen Menschen nicht gemocht wurden – und begegnete ihnen mir Respekt. Reeeeeeeeeeeespekt. Schwer, oder ?

Wer ist denn Ihr Oarschloch ?

Jaaa, Sie wissen das doch ganz genau, gell.

Nun, und gerade diesem Menschen begegnen Sie ab morgen mal mit: Respekt. Dann wird sich manches ändern in Ihrer Wahrnehmung. Und das Reich Gottes bricht im Sinne der präsentischen Eschatologie vielleicht auch hier auf unserer Erde schon ein bisschen an: wenn man miteinander gut umgeht.

Oh, wie schwer, werden Sie sagen ?

Ja.

Um mit Seneca zu antworten: (lesen Sie das sehr langsam, sonst kapieren Sie die Aussage nicht):

Nicht, weil es schwer ist, wagen wir es nicht.

Sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

Kapiert ?

Den Song hören Sie übrigens hier unten- genau hinhören…:

Vorneweg noch kurz, was der Standard.at dazu schreibt:

DJ DSL FEATURING URBS
Oaschloch 

(G-Stone)
Ursprünglich ein leiwander Remix für Neneh Cherry, den Paul Nawrata alias Urbs mit Wiener Text, Schmäh und Schmähung versieht, wird zur Hymne des Fahrradfahreralltags: „Du bist so a Oaschloch, glaubst du bist a Superstar, foast hoid an BMW, owa dei Spatzi is zkla.“ Word.
(DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2010)

foto:dcdan, flickr.com

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