Memorandums-Gegner errichten virtuellen Pranger

Von Walter Jungbauer. Die Auseinandersetzungen um das „Memorandum Freiheit“, welches 144 römisch-katholische Professorinnen und Professoren am letzten Samstag veröffentlicht haben, und welches mittlerweile von 228 Professorinnen und Professoren unterschrieben wurde, nimmt an Schärfe zu.

Auf der einen Seite sammeln sich Befürworter und Unterstützer online auf einer von zwei Theologie-Studierenden initiierten Unterschriftenliste unter dem Titel „Unterstützung für einen notwendigen Aufbruch. Memorandum Freiheit“ (mittlerweile mehr als 3.450 Unterstützende)  sowie bei Publik Forum (Kirchenaufbruch jetzt).

Auf der anderen Seite haben sich aber auch die GegnerInnen des Memorandums bereits online organisiert. Sie beten für die Professorinnen und Professoren, da sich diese „in einem öffentlichen Akt gegen zentrale Punkte des katholischen Glaubens ausgesprochen“ hätten (siehe „Gebet für Professoren„). Aber sie sammeln auch ebenfalls online Unterschriften für eine Gegenerklärung unter einer „Petition pro ecclesia“ mit derzeit mehr als 1.700 Unterstützenden.

Dabei schrecken die Memorandums-Gegner auch nicht davor zurück, die unterzeichnenden Professorinnen und Professoren regelrecht an einen virtuellen Pranger zu stellen. Auf der Website von kathpedia werden alle unterzeichnenden Professorinnen und Professoren mit ihrer E-Mail-Adresse aufgelistet und auch gleich mit einem Link zum zuständigen römisch-katholischen Bischof vermerkt (damit man sich gleich dort über die unbotmäßigen Theologinnen und Theologen echauffieren kann) – Siehe: Theologen-Memorandum 2011.

Fehlt nur noch, dass Fotos und Adressen dazu gestellt werden. Dann könnten die interessierten Kreise gleich zur Hetzjagd übergehen. (Ironie!).

foto:tuxbrother,flickr.com

7 Gedanken zu “Memorandums-Gegner errichten virtuellen Pranger

  1. Man kann sich seine Unterstützer nicht immer aussuchen. Die Organisatoren der Petition „Pro Ecclesia“ haben damit jedenfalls nichts zu tun.
    Solche Extreme gibt’s immer auf beiden Seiten.
    Ich wurde auch schon von „Reformern“ persönlich
    beleidigt, weil ich gegen das Theologen-Papier
    bin.

    Liken

  2. Das ist nichts unübliches, letztes Jahr gab es im Dekanat Mühldorf eine Veranstaltung „Zu mir oder zur dir? – Themen zwischen Bett und Beichtstuhl“ (http://www.jugendstelle-muehldorf.de/berichte.html) und entsprechende Portale haben die Veranstaltung schon im Vorfeld regelrecht verrissen und e-Mailadressen von BDKJlern veröffentlicht…

    Ich hab sie gerade deshalb trotzdem auf unserm Blog unter Gegnern aufgeführt: http://quasiperlach.wordpress.com/2011/02/13/kirche-braucht-veranderung-ii/
    Mit einem bezeichnenden Verweis aus der Linzer Kirchenzeitung…
    Denn leider werden kath.net, kreuz.net und gloria.tv zu oft für seriös und offiziell gehalten…

    Liken

  3. Was ist daran ein „Pranger“, wenn Menschen, die öffentlich wirken, die Öffentlichkeit zu ihrem Zweck benutzen und mit der öffentlichen Zustimmung spekulieren, öffentlich gennant und mit ihren öffentlich zugänglichen E-Mail-Adressen in einem öffentlich zugänglichen Dokument gelistet werden?
    Die sogenannten Professoren_innen der katholischen Theologie haben selbst in Listenform die Öffentlichkeit gesucht oder hatten sie das etwa „nicht so gemeint“?

    Manchmal kann ich ob der Befindlichkeiten nur noch den Kopf schütteln und leise brahmanisieren: „Heul doch“.
    .
    „Quidquid agis – prudenter agas et respice finem“

    Liken

  4. @ Caruso Canary

    Wenn Du es nicht verstehen kannst, dann schau Dir den virtuellen Pranger (ich bleibe bei dem Begriff) nochmal genau an. Es ist ja nicht so, dass nur die Namensliste dupliziert worden wäre, sondern – wie im Ausgangsartikel erwähnt – es wurde auch noch die jeweilige E-Mail-Adresse des entsprechenden Professors / der entsprechenden Professorin (ihre Zahl ist mittlerweile übrigens auf 261 UnterzeichnerInnen angestiegen) und der Link zum dazugehörigen Bischof des Bistums dazugeschrieben, um auch gar keine Mühe zu machen, sich ganz rasch an der jeweils richtigen Stelle über diese nicht-braven ProfessorInnen beschweren zu können.

    Und natürlich wird auf der entsprechenden Pranger-Website nur die pro-ecclesia Unterschriftenliste der romtreuen Adlaten genannt und verlinkt (im Moment etwa 7.000 Unterzeichnende), aber nicht die Unterstützerliste „Unterstützung für einen notwendigen Aufbruch“ (derzeit etwa 8.500 Unterstützende), die das Memorandum unterstützende Unterschriftensammlung von Publik Forum „Kirche 2011 – Ein notwendiger Aufbruch“ (mittlerweile rund 17.500 Unterschriften) oder auch die Tatsache, dass sich bislang 267 Diakone und Priester des Erzbistums Freiburg auf einer eigenen Online-Unterschriftenliste („Unterstützer des Memorandums“) mit den Anliegen des Memorandums solidarisch erklärt haben.

    Liken

  5. Bezüglich der Debatte um das „Memorandum Freiheit“ empfehle ich ein an diesem Wochenende in der Frankfurter Rundschau erschienenes Interview mit dem Religionssoziologen Franz-Xaver Kaufmann. Er ist nicht sonderlich optimistisch in Blick auf die praktischen Wirkungen, welche das Memorandum in der römisch-katholischen Schwester-Kirche entfalten wird.

    Link: „An die Kandare genommen“.

    Liken

Kommentar verfassen...(Kommentare, die Links enthalten, müssen auf Freischaltung warten)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.