Was bedeutet eigentlich: Auferstehung ?

Historisch-kritische Diskussion.
Rationalismus

Zu Beginn der historischen Erforschung des NT im Zeitalter der Aufklärung diskutierte man über das leere Grab Jesu und versuchte, es rationalistisch zu erklären.

Für Hermann Samuel Reimarus (1694–1768) traf ein Vorwurf von Jerusalemer Juden zu, den Mt 28,11–15 als verabredete Lüge der sadduzäischen Gegner Jesu zurückweist: [Saget], seine Jünger kamen nachts und stahlen ihn, während wir [die Bewacher des Grabes] schliefen. Nur durch diesen Diebstahl des Leichnams Jesu, so Reimarus’ Betrugshypothese, hätten seine Anhänger ihn als für die Sünden der Menschen gestorbenen, nun auferstandenen Erlöser in Jerusalem verkünden können.

Heinrich Eberhard Gottlob Paulus (1761–1851) dagegen nahm an, Jesus sei bei seiner Bestattung in einem Felsengrab nur scheinbar tot gewesen und später vorübergehend ins Leben zurückgekehrt. Diese Scheintodhypothese wurde im 19. Jahrhundert u. a. von Friedrich Schleiermacher erwogen. Auch Franz Alt vertrat sie in seinem Buch Jesus – der erste neue Mann(1989). Sie ist in spekulativen Thesen sowie in der populärwissenschaftlichen Literatur über Jesus öfter anzutreffen.

Ein anonymer Aufsatzautor vertrat 1799 die Umbestattungsthese, die Heinrich Holtzmann und Joseph Klausner später aufgriffen. Joseph von Arimathia habe Jesu Leichnam ohne Kenntnis der Jünger in ein anderes Grab verlegt, so dass Maria von Magdala zu Recht trauerte (Joh 20,13): Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

Diese Erklärungsversuche gehen gemeinsam davon aus, dass Jesu Grab tatsächlich leer war, deuten dies aber ohne Auferstehungswunder. Sie begründen den Auferstehungsglauben also entgegen den Eigenaussagen der Texte aus einer absichtlichen oder irrtümlichen Fehldeutung des leeren Grabes.

Subjektive Visionshypothese

Mit David Friedrich Strauß (1808–1874) verlagerte sich das historische Interesse auf die Erscheinungen Jesu: Sie, nicht die „Legende“ vom leeren Grab, hätten den Osterglauben der Jünger hervorgerufen. Deren Berichte von Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus seien Ausdruck tatsächlicher innerer Erlebnisse.

Diese „Visionen“ seien eine psychologische Reaktion auf den Widerspruch zwischen Messiasglauben der Jünger und Jesu Kreuzestod gewesen: Sie hätten dieses Scheitern bewältigt, indem sie den Tod als schriftgemäßes, von Gott gewolltes Heilsereignis nach Jes 53 und Psalm 22 deuteten und Jesus mit einem kreativen „frommen Enthusiasmus“ zu Gott erhöht hätten. Später hätten sie ihre Visionen mythologisch und apologetisch ausgestaltet: Motive, wonach Jesus als göttliches Wesen durch verschlossene Türen kam und ging und die Jünger mit ihm aßen und tranken, hätten nachträglich die Realität des Erlebten betonen sollen.

Diese Sicht des Osterglaubens als innerpsychischer Vorgang ohne äußeren Anstoß bestimmte die liberale Theologie im 19. Jahrhundert weithin. Carl Holsten (1825–1897) führte sie auch für das Bekehrungserlebnis des Paulus (Apg 9,1–22) aus. Vorausgesetzt wurde dabei ein tatsächlicher Messiasanspruch Jesu, so dass sein Kreuzestod zur Glaubenskrise der Jünger wurde.

Diese Annahme stellte William Wrede (1859–1906) in Frage (Das Messiasgeheimnis 1901): Jesus sei nicht als Messias aufgetreten, sondern erst aufgrund der Ostererscheinungen wie inRöm 1, 3f EU als messianischer Sohn Gottes verehrt worden. Damit kehrte sich die Betrachtung um: Im 20. Jahrhundert wurde der Auferstehungsglaube nicht als Folge des vorösterlichen Messiasglaubens, sondern als Grund des nachösterlichen Messiasglaubens der Jünger erklärt. Damit war erneut offen, was den Anstoß zu beiden gab.

Gerd Lüdemann (Die Auferstehung Jesu 1994) vertritt eine Variante der subjektiven Visionshypothese: Die Geschichte vom leeren Grab sei eine späte apologetische Legende. Nur Petrus und Paulus sei Jesus ursprünglich „erschienen“: nicht real, sondern nur in ihrer Seele. Alle übrigen Jüngervisionen seien abhängig von der Überlieferung dieser Primärvisionen entstanden und nur durch Massensuggestion – wie die Vision der 500 (1 Kor 15, 6 EU) – erklärbar. Die Erstvisionen versucht er psychologisch zu erklären: Jesu plötzlicher Tod habe den Trauerprozess bei Petrus blockiert. Um seine Schuldgefühle gegenüber dem von ihm verratenen Toten zu bewältigen, sei seine Vision entstanden. Der Verfolger Paulus sei durch Jesus unbewusst fasziniert gewesen, dies sei irgendwann in ihm durchgeschlagen.

Kerygmatheologie

In der von etwa 1920 bis 1960 in Deutschland führenden „Kerygmatheologie“ trat die historische Frage nach der Entstehung der Ostertexte zurück. Zugleich wurden Jesu Ostererscheinungen aus zwei Hauptgründen als unerklärbarer Anstoß zur neutestamentlichen Traditionsbildung aufgefasst:

1. Die neue exegetische Methode der Formgeschichte ergab, dass schon die frühesten kleinen Texteinheiten von meist wenigen Versen („Perikopen“) von Verkündigungsabsichten für und durch urchristliche Gemeinden geformt waren und kaum zuverlässige Aussagen über die historischen Tatsachen erlauben. Keiner der messianischen Hoheitstitel ließ sich sicher auf den historischen Jesus zurückführen. Damit wurde immer wahrscheinlicher, dass der Osterglaube der einzige Anstoß zur Evangelienverschriftung war, der alle vorösterlichen Traditionen umschmolz und den aktuellen Gemeindebedürfnissen unterwarf. Was den objektiven Anstoß zum Osterglauben selber gab, blieb unerklärbar.

2. Jesus und seine Jünger erwarteten das Reich Gottes: eine neue, verwandelte Welt, die bald die alte, von Sünde und Tod beherrschte Welt ablösen würde. Daher konnten seine Anhänger seine Auferstehung nur als Beginn der neuen Welt deuten, die eine neue Seinsweise für die Gläubigen schon in dieser Welt schuf und ermöglicht. Der angemessene Zugang zu diesem Ereignis sei, so die Theologen, daher nicht die historische Rückfrage, sondern nur der durch die Verkündigung gestiftete Glaube, der auf jeden Rückhalt an weltlichen Tatsachen verzichte. Das singuläre Auferstehungswunder lasse sich nicht im Rahmen dieser vergehenden Welt erklären und verifizieren, es könne nur schlicht geglaubt werden. Zum Wissen werde es erst bei der Ankunft der neuen Welt, die mit ihm verheißen sei.

Für Rudolf Bultmann war Christus „ins Kerygma auferstanden“: Die im mündlichen Wort der kirchlichen Predigt verkündete Auferstehungsbotschaft wird für ihn so selber zu einem „eschatologischen Ereignis“, das die Hörer vor eine aktuelle, endgültige Entscheidung über ihr Selbstverständnis stelle. Nicht, wer Jesus sein wollte und was er tatsächlich gesagt und getan habe, sei für den Glauben noch wichtig, sondern dass er gekommen sei.

Objektive Visionshypothese

In der Nachkriegszeit begann eine neue Suche nach den historischen Gründen für die Osterverkündigung des NT. Der Kirchenhistoriker Hans Freiherr von Campenhausen (Der Ablauf der Osterereignisse und das leere Grab 1952) vertrat, die Entdeckung des leeren Grabes Jesu sei der Anstoß für den Auferweckungsglauben gewesen. Petrus habe die Jünger daraufhin in Jerusalem gesammelt und nach Galiläa geführt, wo Jesus ihnen erschienen sei. Die spätere Überlieferung habe diese Abfolge dem Engel im Grab als Ankündigung in den Mund gelegt.

Hans Graß (Ostergeschehen und Osterberichte 1956) vertrat den umgekehrten Ablauf: Nur die unerwarteten Erscheinungen Jesu könnten den Osterglauben und die Gründung der Urgemeinde erklären. Die Geschichte von der Grabfindung dagegen sei eine späte apologetische Legende, die die Auferstehungsbotschaft in Jerusalem nachträglich bestätigen sollte. Jesus sei wahrscheinlich als Verbrecher mit den anderen hingerichteten Zeloten an unbekanntem Ort verscharrt worden.

Auch Willi Marxsen (Die Auferstehung Jesu als historisches und theologisches Problem 1964) nahm die Priorität der Erscheinungen an. Aber er unterschied das unerklärbare „Sehen“ der Jünger (griech. ophtae in der Liste der Osterzeugen 1 Kor 15,3–8) von der „Auferweckung“: Dies sei bereits eine Deutung, die die Jünger ihren Erscheinungen gaben. Sie sei zeitbedingt aus vorgegebenen apokalyptischen Traditionen abgeleitet und unwesentlich für den eigentlichen Osterglauben: Die Sache Jesu geht weiter.

Klaus Berger (Die Auferstehung der Propheten und die Erhöhung des Menschensohnes 1976) versuchte, diese Deutung der Seherlebnisse der Jünger als historisch möglich zu erweisen: Damalige Juden hätten durchaus an eine Auferweckung Einzelner vor dem Weltende und der allgemeinen Totenauferstehung glauben können. So sei Jesus nach Mk 6, 14 EU schon vor seinem Tod für den „wiedergeborenen“ Johannes der Täufer gehalten worden; auch Offb 11, 11f EU rede von der Auferweckung einzelner Zeugen.

Auch Ulrich Wilckens ging davon aus, dass die Auferweckung aller Toten im Judentum damals erwartet wurde, so dass die Jesuserscheinungen der Jünger in diesem Erwartungshorizont gedeutet wurden (Auferstehung 1970). Aber er betonte das Neue des urchristlichen Osterglaubens: Die Vorwegnahme (Prolepse) dieser Auferstehung an einer einzelnen Person sei singulär im Judentum.

Verifizierungsversuche

Der jüdische Theologe Pinchas Lapide hält die leibliche Auferstehung Jesu für den entscheidenden Faktor des urchristlichen Glaubens im NT. Deshalb lehnt er die Auferstehungsdeutungen von Bultmann und Karl Rahner ab. Dass das Christentum ohne die tatsächliche Auferstehung Jesu auch nur bis ins zweite Jahrhundert hätte überdauern können, hält Lapide für äußerst unwahrscheinlich. Andererseits weist er den Gedanken, dass Jesus von Nazaret der jüdische Messias sei, energisch zurück.[4]

Wolfhart Pannenberg betonte schon 1959 gegen die Bultmannschule, die historische Wissenschaft sei der einzige Weg, Gewissheit über Grundaussagen des christlichen Glaubens zu erlangen. In seiner Systematischen Theologie (1991) führte er aus, dass Grabtradition und Erscheinungstradition etwa gleichzeitig, aber unabhängig voneinander entstanden seien. Erst nachdem die Jünger, denen Jesus in Galiläa erschien, wieder nach Jerusalem zurückgekehrt seien, hätten sie dort vom leeren Grab erfahren, das die Frauen inzwischen gefunden hätten. So habe es ihre vorherige Jesusbegegnung bestätigt. Die Erscheinungen seien zudem in ähnlicher Form an ganz unterschiedlichen Orten zu unterschiedlicher Zeit passiert. Damit weist Pannenberg die subjektive Visionshypothese zurück: Was durch verschiedene Sachverhalte bestätigt wird, könne nicht Produkt subjektiver Phantasie sein, sondern müsse auf einer realen Erfahrung basieren. Die Jünger hätten tatsächlich den auferweckten Jesus gesehen, da ihre Glaubensaussagen sonst nicht aus jüdischem Glauben ableitbar seien. In einem weiteren Schritt versucht Pannenberg den Geschichtsbegriff so zu erweitern, dass er notwendig auf ein Ende der Geschichte, das deren Gesamtsinn erst aufdeckt, verweist. So soll die Auferstehung Jesu als vorweggenommene Offenbarung dieses Sinns der Geschichte auch dem aufgeklärten Historiker einsichtig und annehmbar werden.

Nicholas Thomas Wright untersuchte zuerst das Verständnis der Begriffe Tod und Auferstehung in der Antike, dann im Judentum des zweiten Tempels, dann in den urchristlichen Berichten der Evangelien und außerkanonischen Texten.[5] Er folgerte aus diesem umfassenden Vergleich, dass die Auferstehungsberichte von Matthäus, Lukas und Johannes wegen ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten wahrscheinlich auf eine gemeinsame sehr frühe mündliche Tradition zurückgingen, die ihnen von jeweils unterschiedlichen Personen überliefert worden sei. Diese mündliche Auferstehungstradition hält er besonders wegen der Erwähnung von Frauen für älter als die Liste der Auferstehungserscheinungen in 1 Kor 15,3–8.[6] Er dokumentiert, dass Berichte über Erscheinungen von Toten in der Antike nicht ungewöhnlich waren. Daraus schließt er, dass solche Erlebnisse der Jesusanhänger keine genügende Erklärung für ihren Auferstehungsglauben wären, sondern dass dieser nur aus der Kombination solcher Erscheinungen mit den Berichten vom leeren Grab entstehen konnte. Nur die tatsächliche Auferstehung Jesu könne diese beiden Traditionen erklären, da alle übrigen Hypothesen dafür versagten. Er kritisiert besonders die Hypothesen von Leon Festinger und Edward Schillebeeckx, bei denen er keine plausible Erklärung für die schnelle Verbreitung des frühen Christentums findet.[7]

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4 Kommentare zu „Was bedeutet eigentlich: Auferstehung ?

  1. Für den wahren Wiedergeburtschristen von Anfang an, bedeutet die >Auferstehungersten AuferstehungSündenGerechtgkeiterste Auferstehunggeistig lebenden< vor Gott!

    Alles Geschwätz und Geschreibe
    über die Auferstehung Jesu Christi von Nichtberufenen, Nichtzubereiteten, Nichterwählten, Nicht-wiedergeborenen und Nichtlegitimierten Menschen, ist geich das Dreschen von Spreu und Stoppeln anzusehen sagt Gott,
    weil es ohne den Willen, Geist und Wort Gottes und ohne den wahren Glauben geschieht.
    "Was nicht im Geist der Auferstehung und Glauben Gottes geschieht durch einen Menschen, das ist Sünde sagt Gott!!!

  2. Ich habe noch nicht alle Statements gelesen, aber kann man nicht einfach die Bibel stehen lassen?
    Ich habe die „Neugeburt “ wie im Johannesevangelium beschrieben erlebt, geboren durch Wasser und Geist.

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