Was ich nicht hören will, wenn es mir schlecht geht

Haben Sie das auch schon erlebt? Plötzlich “überfällt” Sie das Problem – eine schwere Diagnose, ein unerwarteter Verlust, die überraschende Kündigung, das weggelaufene Kind, die unerklärlichen Schmerzen…

Sie müssen damit fertig werden, grübeln über die Ursache und wie die Zukunft werden soll, fühlen den rasenden Schmerz und können das Ganze weder einordnen noch verstehen. Und dann bekommen Sie Besuch.

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16 Gedanken zu “Was ich nicht hören will, wenn es mir schlecht geht

  1. Solche Dinge passierten immer wieder, werden immer wieder passieren – und wer sich dadurch in seiner inneren Ruhe erschuettern laesst, hat sich selber nicht im Griff.

    Ein vernunftgemaesses Wesen sollte wissen, dass soetwas passiert und dies so hinnehmen wie kommt. Es ist nicht rational seine Gefuehle von etwas ausserhalb der eigenen Kontrolle abhaenig zu machen (und zwar unabhaenig davon ob man dies Akte eine Gottes oder als schlichten Zufall sieht). Man soll weder jubeln, noch sich Trauer oder Wut hingeben, sondern unter allen Umstaenden absolute Gleichmut zeigen.

    Jede andere Haltung ist einem vernunftbegabten Wesen nicht angemessen.

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  2. @Rheinländer

    Gefühle sind etwas völlig anderes als der Verstand. Sie blenden das völlig aus. Doch, man soll jubeln. Und ja, man soll auch trauern.
    Ja, genau das macht das Menschsein: dass man Gefühle hat und einen Verstand, beides. Ansonsten ist man eine Maschine.

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  3. @Rheinländer

    Wenn Sie sich nur auf Ihren Verstand reduzieren, dann verleugnen Sie einen Teil Ihres Menschseins, Sie verleugnen dann einen Teil von sich selbst. Fragen Sie mal einen Psychologen zum Thema.

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  4. Es geht nicht darum, ob man sich auf etwas reduziert, es geht darum, welchen Teil seiner Selbst die Herrschaft zugesteht.

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  5. @Rheinländer

    es ist ein unterschied, ob man philosophisch oder theoretisch über leid, verlust, tod und trauer diskutiert, oder ob man sie durchlebt.

    sagen sie einer frau, die gerade ihren mann nach einer schweren operation verloren hat, sie solle doch gleichmütig ihr schicksal ertragen, sie soll ihre innere ruhe wiederfinden und sich bitteschön – wenn sie das nicht packt, wieder in den griff bekommen.

    das ist einfach blödsinn, wass sie da von sich und anderen verlangen.
    haben sie keine gefühle? erleben sie keine freude, begeisterung, brennendes herz? sind sie stoisch, gefühlsneutral?
    das glaube ich ihnen absolut nicht. sowas gibts gar nicht (ausser ich habe ne flasche wodka intus).

    worum es mir in obigem artikel ging: diese sensibilät zu erlernen, um dem anderen eine echte hilfe in seinem schmerz oder verlust zu sein. das ist möglich…
    freundliche grüsse,
    andreas m.

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  6. Bezueglich Trauer: Meine Empfehlung deckt sich mit der Seneca in Brief Nr. LXIII.

    Ich habe mit dieser Haltung, die zwar immer den Stoikern alleine zugeschrieben wird, aber auch von anderen Schule geteilt wird, mehr als einen Todesfall verarbeiten koennen.

    Es nutzt weder mir, noch dem Toten zu trauern. Das Leben geht weiter.

    Ich sehe in diesem Artikel eher ein Symptom unser Gesellschaft, die uns vorgaukelt gegen alles abgesichert zu sein, gesund zu bleiben und uns vor Tod und Unglueck rundum „versichert“.

    Nur: Eine solche Sicherheit gibt es nicht, kann es nicht geben. Das Leben primaer eines: Unsicher und gefaehrlich. Wer sich dessen nicht klar ist, wird im Falle-eines-Falles in emotionales Loch fallen, weil er sich nicht zu ruhigern Zeiten der Unsicherheit des Lebens klar wurde.

    Seneca hat dort natuerlich besseres „Anschauungsmaterial“: Ein Menschenleben war im antiken Rom nicht viel wert und als Mitglied der „besseren roemischen Gesellschaft“, noch mit Verbindung zum Kaiserhaus zur Zeit des Tiberius, Caligula oder Nero, war der Sturz aus groessten Luxus und Ansehen ins Nichts ein ziemlich „gewoehnliches“ Schicksal.

    Nur, das entbindet uns nicht, uns der Unischerheit unser heutigen Situation immer wieder klar zu werden und daraus die Konsequenzen zu ziehen.

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  7. @Rheinlaender

    Ein Psychotherapeut würde Sie womöglich fragen, ob Sie nicht etwas verdrängen.

    Ein Menschenleben war in Rom wenig wert, wenn es sich um einen Sklaven handelte. Ein römisches Leben war durchaus etwas wert.

    Und heutzutage ist ein Menschenleben viel wert.

    Also: ich denke, Sie verdrängen einen Teil Ihrer Persönlichkeit. Wenn man etwas verdrängt, kommt es übrigens oft an anderer Stelle wieder empor und äußert sich irgendwie anders, ist dann schwer zu greifen irgendwann, weil man nicht mehr weiß, woher ein gewisses Verhalten dann kommt.

    Depressionen können von derartig verdrängten, traumatischen Erlebnissen ihren Ursprung nehmen.

    Generell ist es sinnvoll, Trauerarbeit zu leisten. Es bringt nicht viel, wenn man sich über Trauer selbst hinwegtäuscht. (was sinnvoll ist, da gebe ich Ihnen Recht, dass man sich nicht völlig in ein Loch fallen lassen sollte.)

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  8. Zunaechst kurz zum Wert eines roemsichen Lebens: Die drei „schlechten Kaiser“, Tiberius, Caligula und Nero (wobei man sicher diskutieren kann, ob sie diesen Ruf zu recht haben) haben ziemlich in der roemischen Oberschicht, zu der auch Senca gehoerte, aufgeraeumt. Das Lebens eines roemischen Senators oder jeder anderen Person im naehren Kreis um den Kaiser konnte jederzeit durch ein den Verdacht auf die Teilnahme oder Billigung einer Verschwoerung zerstoert werden – ein Geruecht reichte oft schon aus.

    Interessanterweise war unter diesen Kaiser das Leben der breiten Masse besser geschuetzt als in Republi, in der politische Morde an Tiberius und Gaius Gracchi und deren Anhaenger, oder die Verfolgung unter Sulla drastisch zeigten.

    Das Roemsiche Recht schuetzte zu einem gewissen Masse auch das Leben derer mit dem Latinischen Buergerrecht und Buerger der griechischen Poli, war aber sehr brutal gegenueber dem Leben aller anderen Bewohner des Reiches (wie am Beispiel Jesus prominent zu sehen).

    Ist ein Menschenleben heute wirklich so viel mehr wert als zu Zeiten Roms? Wir schuetzen tatsaechlich recht effektiv das Leben derer, die sich im „Reichen Club des Westens“ befinden. Das Leben aller anderen wird ganz anders berwertet.

    So wie das Roemische Recht der Kaiser das Leben eines Teils der Bevoelkerung recht effektiv schuetzte (solange es sich nicht um politische Prozesse handelte), und sich wenig um das Leben von Menschen ausserhalb diese Clubs kuemmert, es sei denn wirtschaftliche Gruende sprechen dagegen.

    Ich moralisiere hier nicht – eine solche Haltung ergibt aus der Interessenlage unserer Staaten. Was mich nur etwas stoert ist, dass dies nicht klar formuliert wird und man diese tatsaechliche Haltung hinter moralisierenden Wischi-Waschi-Formulierungen verschleiert.

    Rom war hier in seiner Brutalitaet ehrlicher.


    Das bringt mich zurueck zu meinen ursprunglichen Punkt.

    Unsere moderne Gesellschaft redet jedem ein, dass seine Erfahrungen, sein Leiden, sein Glueck eine Sache sei, die so nur ihm passieren wuerde. das gleiche gilt fuer den Tod, der mythisiert wird und verdraengt.

    Wenn sich, die oben zitierte Frau, klar macht, dass es solange es Menschen gibt solche Dinge passieren, und dies wohl noch lange so bleiben wird, dass ihr Schicksal von Mrd. anderen Menschen geteilt wurde und wird, wird klar werden, dass ihr etwas ziemlich normales passiert, und dass es es kleinen Grund geben kann ihre Gleichmut zu verlieren.

    Es geht nicht darum, eine „Kultur des Todes“ zu erzeugen, aber darum, sich und klar zu machen, dass sterben eine ziemlich banale Angelegenheit ist, um die niemand herum kommt.

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  9. Korrektur – Ich bin etwas durcheinandergekommen bei Satzbau. Der Paragraph „So wie das Roemische Recht der Kaiser das Leben eines Teils der Bevoelkerung …“

    sollte lauten:

    „So wie das Roemische Recht der Kaiser das Leben eines Teils der Bevoelkerung recht effektiv schuetzte (solange es sich nicht um politische Prozesse handelte), und sich wenig um das Leben von Menschen ausserhalb diese Clubs kuemmert, so handeln unsere Staaten in der Praxis, es sei denn wirtschaftliche Gruende sprechen dagegen.“

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  10. @Rheinlaender

    Mag sein, dass heute ebenfalls ein Gefälle besteht: dass in der westlichen Welt die Menschenrechte oft stärker betont werden, als in manchen anderen Staaten.

    Klar, dass Milliarden anderen Menschen ebenfalls Unheil passiert. Das Leben endet in der Regel mit dem Tod, wenn man es biologisch sieht. (Als Christ ist man der Meinung, dass es allerdings eine Wirklichkeit hinter der sichtbaren Wirklichkeit gibt, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. )

    Sterben ist aber keine „banale“ Angelegenheit. Aus der Beobachterperspektive heraus womöglich (wenn man abgebrüht ist), aus der subjektiven Perspektive heraus aber keineswegs.

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  11. Menschenrechte: Der Westen achtet Menschenrechte nur innerhalb seines „Clubs“ wirklich.

    Ein drastisches Beispiel: Der Krieg in der Darfur-Provinz des Sudan – in diesem Krieg, der wohl nach gaenigen Massstaben (Genocide Convention) nur als Voelkermoed zu betrachten ist wurden – je nach Schaetzung – rund 300’000 Menschen umgebracht.

    Warum hat der Westen nicht interveniert?

    Voelkerrecht? Es kann gut argumentiert werden, dass man aus der Genocide Convention gar eine Verpflichtung zur Intervention ableiten kann.

    Prosteste Chinas und Russlands? Nun, das stoerte schon im Falle Serbiens nicht weiter. Fuer beide Laender sind die wirtschaftlichen Beziehungen zum Westen wichtiger als der ganze sudan zusammen.

    Die sudanesische Armee … naja.

    Warum also nicht? Weil eben rund 300’000 Sudanesen nicht etliche Mrd $/£/€ wert sind in der Kalkulation der westlichen Regierungen. Dahinter steht die gleiche kalte Berechnung warum die Caesaren in Rom Geld verteilen liessen und jeden, der keine Steuern zahlte oder dazu aufrief, in einer abhaenigen Provinz ans Kreuz schlagen liessen.

    Der Unterschied ist nur der, dass Rom dies ehrlich sagte, und unsere Politiker nicht.

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  12. Es gibt leute, die sagen ich sei zynisch und manch mal erscheine ich wohl auch so. Doch ich bin nicht zynischer als die Realitaet, die uns umgibt. Meine Methode ist immer die selbe, die Tatsachen zu beobachten, zu analysieren und dann zumindest zu richtigen Fragen zu gelangen – und ab-und-an sogar zu vernuenftige Antworten.

    Dies tue ich bei den Handlungen der Staaten, wie bei dem was mit uns passiert.

    Was ist banal? Banal ist, wenn ich einen Bus besteige, eine Banane essse, Sex habe oder schlafen gehe. Warum? Weil Mio./Mrd. Menschen gibt, dies auch tun – taeglich, ohne ein grosses „Gewese“ darum zu machen.

    Jeden Tag sterben Mio. Menschen. Die grosse Mehrheit unbesungen in ziemlich miesen Umstaenden, selbst in unseren reichen Industrienationen. Zu Sterben braucht man keine Ausbildung, keine Vorbereitung, man muss nur geboren worden sein – der rest erledigt sich ueber kurz oder lang von alleine.

    Wenn jemand das klar ist, dann wird jemand auch klar, warum das „banal“ ist. Das Problem entsteht nur in unseren Koepfen und dort kann man es durch rationale Ueberlegung wieder zu dem machen, was ist: Eine Banalitaet.

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  13. @Rheinlaender

    Recht negative Einstellung.
    Nach jüdisch-christlicher Auffassung ist jeder Mensch ein Individuum und von Gott gewollt. Keine Laune der Natur. Durch Evolution entstanden, aber dahinter steht Gottes Wille. Jeder Mensch ist ein Gedanke Gottes. Das wird umso deutlicher, wenn man derartige Überlegungen zumindest einmal theoretisch durchdenkt: https://theolounge.wordpress.com/2010/02/11/die-materie-existiert-nicht-alles-ist-geist-wir-sind-ein-gedanke-gottes/

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  14. Gehe ich davon aus, dass der Mensch ein Zufallsprodukt sei, so habe ich keine Problem zu erklaeren, warum Kinder mit ueblesten Missbildungen auf die Welt kommen in oder in Umstaende hineingeboren werden, die ihnen mit Sicherheit ein kurzes und elendes Leben bereiten werden.

    Ginge jedoch ich davon aus, dass jeder Mensch so von Gott gewollt waere, dann ist die Erklaerung der o.g. Umstaende um etliches schwieriger.

    Zu welchen Schluss muss ich also kommen, wenn ich Occam’s Razor anwende?

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