Zum Thema Geistheilung

Die Vorstellung, mit Geisteskraft Heilung zu bewirken, kommt in sehr unterschiedlichen weltanschaulichen Milieus vor:

in den Naturreligionen, in der esoterischen Lebenshilfe oder in pfingstlich-charismatischer Frömmigkeit. Gegenüber dem naturwissenschaftlichen Welt- und Menschenbild der modernen Medizin erinnern eine spirituelle Medizin, mentales, geistiges oder energetisches Heilen daran, dass der Geist ein wichtiger, ja charakteristischer Teil des Menschen ist. In der Erforschung der Geistheilung versucht man die Kräfte zu identifizieren, mit deren Hilfe Naturgesetze beeinflusst und Heilwirkungen herbeigeführt werden können. > mehr.
foto:yhonnyyps,flickr.com: Heilung des Gelähmten Lukas 5,17

15 Gedanken zu “Zum Thema Geistheilung

  1. Aus dem Artikel: „Die Frage nach dem Realitätsgehalt der Geistheilung ist ohne die Reflexion der weltanschaulichen Voraussetzungen nicht zu beantworten.“

    Das ist schlichter Unsinn: Es setzt vorraus, dass es eine Erkenntnis ausserhalb der wissenschaften Methode gibt. Die letzte 400 Jahren haben mehr als nur „eindrucksvoll“ gezeigt, dass eine solche Erkenntnis nicht gibt.

    „Im Altertum waren die Heiler Angehörige der Priesterklasse, und auch im Mittelalter wurde der Arztberuf von der Geistlichkeit ausgeübt.“

    Mit welchen Erfolg?

    „Verfolgt man den Begriff Therapie auf seine älteste bezeugte Bedeutung zurück, tritt jedoch sein religiöser Kern deutlich hervor: Das griechische „therapeuein“ bedeutet zunächst die Götter verehren, der Gottheit dienen …“

    Damals legte man Kranke in den Tempel des Aeskulap und hoffte, dass sie geheilt wuerden …

    „Gegenüber den Heilungsversprechen vieler Geistheiler sind die biblischen Befunde wohltuend wirklichkeitsnah und nüchtern.“

    Meint man da die umfaenglichen Vorschriften des Alten Testamentes bezueglich des Umganges mit „Aussaetzigen“?

    „Gott will sich dem Menschen mitteilen und ist ihm gerade auch in Zeiten von Krankheit und Not nahe.“

    Hat ein ominipresaentes und ominipotentes Wesen da nicht bessere Mittel?

    „Innerhalb des kreatürlichen Bereichs der Schöpfung ereignen sich immer wieder außergewöhnliche Heilungen, die nicht den naturgesetzlichen Erwartungen folgen.“

    Ich denke, dass „Wunder“ schon von Hume und Spinoza hinlaenglich ad-acta gelegt wurden. Hat der Autor da etwa 400 Jahre Fortschritt verpennt?

    „Allerdings ist damit nicht das Erlernen einer speziellen Gebetstechnik gemeint, sondern das Vertrauen auf Gottes Handeln, ein Vertrauen, das sich besonders aus Gebet und Vergebung speist. Heilungen sind zeichenhafte Hinweise auf das zukünftige Reich Gottes, in dem Krankheit, Leid und Tod endgültig überwunden sein werden.“

    Ist nun Krankheit (s.o.) die Methode, in der dieses, wie gesagt omnipotente und -presente, Wesen kommuniziert oder Gesundheit?

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  2. Nun, aus diesem Artikel habe ich zitiert – wenn das das Beste ist, was die EKD vorzuweisen hat, dann komme ich nicht umhin, ihr ein gewaltiges Problem zu atestieren.

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  3. …ist übrigens nicht beleidigend gemeint, überhaupt nicht (!), nur so ein Eindruck…gibt ja durchaus Kritikpunkte an Kirche. Auch den Glauben kann nicht jeder Mensch gleichermaßen erleben, der eine so, der andere so.

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  4. Ich habe mit Glauben nicht mehr Problem als mit jeder anderen Behauptung.

    Ich bin weder Stoiker, noch Epikuraerer, noch Kyniker, noch Rationalist, noch Kantianer, noch Marxianer, noch sonst etwas. Ich habe aber gelernt, dass diese Leute etwas zu sagen haben ohne zu verlangen, dass man etwas unbewiesenes ohne die Andeutung eines Beweises glaubt. Man mag ihren Argumenten folgen, sie fuer nicht mehr zeitgemaess halten, aber alle diese fordern von ihren Lesern, das man sie vor die Gerichtsschranke der Vernunft zehrt – und vieles was damals geschrieben wurde ist heute noch erstaunlich frisch und brauchbar.

    Ferade die Kyniker, die Epikuraer und die Stoiker versprechen Glueck nicht irgentwelchen Heilversprechungen, die nicht nachvollziehbar oder beweisbar sind, sondern fornern uns auf, uns mit der Welt auseinandersetzen, in der wir leben, ohne uns Illusionen oder unbegruendeten Hofnungen hinzugeben.

    Ich lege diesen Massstab auch den Glauben an – gleich welcher Sorte. Dieser Glaube verlangt von mir Dinge als wahr hinzunehmen, die keinerlei Beweiss haben, die logisch wiederspruechlich sind – in rund 2000 Jahren hat die gesamte christliche Denkschule kein Gegenargument zu dem „The Riddle of Epicurus“ liefern koennen:

    Sie hat das Problem der letzten Ursache verlagert – oder anders „Wer schuff Gott“. Sie ignoriert tunlich die logischen Problem, die aus einem omnipotenten Wesen ergeben muessen, etc. etc. pp.

    Sobald Kirche ihre Thesen beweisen kann, so wie die Physik die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit, so mag sie sich wieder melden.

    Es ist – und hier kann man viel aus der Krikit des Diogenes dem Hund an Plato lernen – schlicht eine Alberheit ein philosophisches System aufzubauen, ohne die Fundamente in der Realitaet sauber zu legen und zu begruenden.

    Und solange sich Glaube, egal welcher Art, sich nicht der regorosen Ueberpruefung stellt, wie jede andere Behauptung ueber den Zustand der Welt oder Natur des Menschen, solange erlaube ich mir in das Gelaechter des Diogenes einzustimmen.

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  5. @Rheinländer

    Epikur löste das Problem ebenfalls nicht. Er wich aus in die Behauptung, dass die Unendlichkeit existiere. Ebenfalls eine Theorie. Er ging zudem von der Behauptung aus, dass der Materialismus wahr sei, dass zb die Seele nur aus besonders feinen Atomen bestünde. Ebenfalls eine Behauptung (die sich damit schwer tut zu erklären, wie in einer solch angeblich rein materiellen Welt etwas immaterielles wie Bewusstsein überhaupt entstehen kann).

    Stoiker und ihre Schicksalsergebenheit: das ist eine Art psychologischer Beruhigung.

    Die Philosophen, die Sie nennen, haben nur Thesen, bleiben jedoch – letztlich – wie jedes Denksystem den Beweis der Richtigkeit ihres Systems schludig. Sonst gäbe es nicht so viele philosophische Denkrichtungen, wenn eine als die „wahre“ allgemein anerkannt wäre. Dies Philosophen haben interessante Gedanken – definitives und absolutes Wissen über die Beschaffenheit der Dinge haben sie aber nicht.

    Insofern kann man dann schon lachen – wenn man sich dieser Sache bewußt ist, dass der Mensch eigentlich nichts weiß.

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  6. Die Frage der Unendlichkeit spielt keine wirkliche Rolle bei Epikur, jedoch die Frage des Aufbaues des Universum. In seinem Brief an Pytholes stellt klar, dass die einzige Quelle der Erkenntnis aus der Beobachtung der Natur und logischen Schlussfolgerungen besteht. Es hat rund 1900 Jahre geduaert bis Sir Francis Bacon dies das naechste Mal so klar und eindeutig formulierte.

    Was heisst heisst „Materialismus“? Wer behauptet, dass es ausserhalb dessen was man messen kann (im weisteten Sinne) etwas existieren wuerde, ist den Beweis schuldig – nicht umgekehrt. Ich habe nicht zu beweisen, dass z.B. Krishna keine Erscheinungsform des Rama sei, sondern der Hindu hat mir dies zu beweisen. Es ist nicht an mir die Wahrheit des Koran zu beweisen, sondern der eines Moslems, etc. pp.

    Wir haben schon mal durueber diskutiert: Ich sehe keinen Grund etwas ausserhalb der Materie namens „Seele“ einzufuehren. Es ist an denen, die dies einfuehren wollen, zu beweisen, dass dies notwendig sei. Es hat noch nie jemand mit einem Toten geredet – oder besser gesagt: Eine Antwort bekommen. Noch nie wurde soetwas wie eine „unsterbliche Seele“ gemessen oder sonst feststellen koennen? Warum also so ein Konzept einfuehren?

    Epikur hat sicher in vielen – zeitbedingt – geirrt, aber er fordert uns nicht auf ihm blind zu glauben, sondern unsern Verstand selber kritisch zu verwenden.

    Die Stoiker versuchen uns einen Weg zu zeigen wie wir mit einer unsicheren Welt umzugehen koennen – ohne uns auf eine Illusion hinzugeben.

    Ist das chrisltiche Versprechen per „Blanko Scheck auf das Jenseits“ nicht um Kategorien unehrlicher als die klare Aussagen, wie man gluecklich leben ohne sich selber zu betruegen, und im vollen Bewusstsein der Unsicherheit und der Gefahren unseres Lebens.

    Diese Philosophen geben auch nicht vor „definitives und absolutes Wissen über die Beschaffenheit der Dinge“ zu haben, wie Religionen, sondern sind sehr klar in Aussage der Beschraenkheit ihres Wissen. Das ist immer noch um Kategorien ehrlicher als ohne vernuenftige Begruendung „Wissen“ zu verkuenden, wie es die Kirchen (und andere Religionen) tun.

    Machen wir uns nichts vor: Wir sind ein bischen Dreck auf der Oberflaeche eines ziemlich mittelpraechtigen Planeten. Machen wir das Beste daraus und geniesen die paar Jahre, die wir haben – ich halte es aber nicht fuer angemessen, uns mit Illusionen zu betaeuben.

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  7. @Rheinländer

    Wenn man außerhalb des physikalisch meßbaren Weltbildes kein anderes zulässt und sich auf den Standpunkt stellt, außerhalb dessen gebe es nichts, dann lässt sich auch schwer eine Diskussionsgrundlage finden.
    Kontakt zu Toten ? Werden Sie sicherlich als Humbug ablehnen. Dennoch, wenn es Sie interessiert:
    https://theolounge.wordpress.com/2008/03/03/tote-verabschieden-sich/

    Auch in der Bibel finden sich unterschiedliche Denkrichtungen, nicht nur bei den Philosophen.
    Die Bibel wurde von Menschen geschrieben (Theologen, Priester, u.ä.), die Gotteserfahrungen machten.

    Machen wir uns nichts vor: Wir sind ein bischen Dreck auf der Oberflaeche eines ziemlich mittelpraechtigen Planeten.

    Ihre negative Sicht teile ich nicht. Und kann auch nicht nachvollziehen, wie Sie diese Sicht als objektiv darstellen wollen – das ist nur Ihre subjektive Weltsicht.

    ich halte es aber nicht fuer angemessen, uns mit Illusionen zu betaeuben.

    Vielleicht ist Ihre Weltsicht ebenfalls eine Illusion.

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  8. Was da heisst da Weltbild? Einigen wir uns doch darauf, dass wenn etwas existiert, es auch Auuswirkungen, gleich welcher Art, haben muss. Diese Auswirkungen sind aber messbar: In und ausserhalb unseres Gehirns, ansonsten waeren sie reine Illusion, ohne irgenteinen Bezug zur Wirklichkeit.

    Wenn wir wirklich gruendlich ueber die Quellen der Erkenntnis nachdenken kommen wir um die Schlussfolgerungen, die David Hume hier zog nicht umhin.

    Zu den sich-verabschiedenen Toten: „Anecdotal Evidence is No Evidence At All.“

    Nun, meine Weltsicht basiert z. B. auf dem Unstand, dass das beobachtbare Universum einen Radius von ca. 1,3 10^27 m hat, wir einen Planenten bewohnen, der gerade mal einen Radius von 6,37 10^6 m hat und wir so etwa 1.8 m hoch sind; von dem Umstand, dass eine Tatalzerstoerung der Erde in ueber 99,9999 … % des Universums noch nicht mal messbar waere in ihren Auswirkungen. Ob es uns passt oder nicht: Egal was wir hier auf der Erde tun, es hat fuer das Universum als ganzes weniger Auswirkungen als ein Hundepfurz fuer die Sonne. Monty Python hat dies mal musikalisch auf den Punkt gebracht:

    Wenn man sich dessen bewusst wird, dann kann man ein ganz angenehmes Leben fuehren.

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  9. @Rheinländer

    Ja, ich habe nix gegen Monty Python. Auch das „Leben des Brian“ ist ganz amüsant, auch, wenn natürlich doch recht despektierlich.

    Für das Universum ist es sicherlich nicht so bedeutsam, was wir hier tun. Für uns allerdings schon, drum kam mir Ihr Einwand recht negativ vor.

    Dienstag Abend kommt voraussichtlich ein Artikel zur Parapsychologie, der sich auf universitäre Forschung bezieht. Dort ist man der Meinung, dass das rein physikalisch betrachtete Weltbild nicht alles abdeckt, was exisitert.

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  10. Wenn wir uns klar werden, wie laecherlich die meisten unser Aktionen sind, meist nur um unsere Eitelkeit zu befriedigen oder uns vorzumachen, wie wichtig wir sind, spart man sich viel Aufhebens – auch um sich selber.

    Oder mit Marcus Aurelius zu sprechen:

    „Betrachten wir die Geschichte, z.B. die Zeiten Vespasians, so finden wir Menschen, die sich freien, Kinder zeugen, krank liegen, sterben, Krieg führen, Feste feiern, Handel treiben, Acker bauen; finden Schmeichler, Freche, Mißtrauische, Listige, oder solche, die ihr Ende herbeiwünschen, die sich über die schlimmen Zeiten beklagen; finden Liebhaber, Geizhälse, Ehrgeizige, Herrschsüchtige. Nicht wahr? Ihr Leben ist jetzt nirgends mehr zu finden. Gehen wir über auf die Zeiten des Trajan: alles ganz ebenso. Und auch diese Zeit ging zu Grabe.–So betrachte die Grabschriften aller Zeiten und Völker, damit du siehst, wie viele, die sich aufschwangen, nach kurzer Zeit wieder sanken und vergingen. Namentlich muß man immer wieder an die denken, bei denen wir´s mit eignen Augen gesehen haben, wie sie nach eitlen Dingen trachteten, wie
    sie nicht taten, was ihrer Bildung entsprach, daran nicht unablässig festhielten und sich daran nicht genügen ließen. Und fällt uns dann die Regel ein, daß die Behandlung einer Sache ihren Maßstab in dem Wert der Sache selbst hat, so wollen wir sie doch ja beobachten, damit wir uns vor dem Ekel bewahren, der die notwendige Folge davon ist, daß man den Dingen mehr Wert beilegt, als sie verdienen.“ (Med. IV, 32)

    Oder kuerzer auf den Punkt gebracht:

    „Eintagsfliegen sind beide, der Gedenkende und der, dessen gedacht wird.“ (Med. V, 35)

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  11. PS.: Mit dem Respekt halte ich es mit Diogenes dem Kyniker: Desto erhaberner etwas daher kommt, desto mehr verdient es unseren Spott und unser Gelaechter. Eine Sache ist aus sich heraus so erhaben, dann kann sie mein Spott auch nicht ankrazen, oder sie ist so schwach, dass sie in sich zusammenfaellt. Ich fuer mir meinen Teil habe keine Hemmungen Aristophanes fuer mindestens so wichtig fuer unsere westliche Zivilisation zu halten wie Sophokles oder Aischos.

    Jeder der meint, gegen Spott protestieren zu muesen, gar Massnahmen fordert oder gar den Authoren den Tod zu wuenschen, zieht m.M. vor allen anderen die Unterhose sich selber herunter – und was man das sieht ist dann selten schoen.

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  12. @Rheinlaender

    Ich halte es lieber damit, dass ich Achtung vor dem habe, was anderen Menschen wichtig ist. Auch, wenn ich dazu eine andere Meinung haben kann. Jemanden verspotten halte ich für nicht so zielführend.

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  13. Ich halte es fuer ein Zeichen schlestesten Characters den Schwachen oder den Leideneden zu verpotten, aber wenn jemand sich mit seiner Meinung oder Religion aus dem Fenster haengt und gar noch Applaus sucht, dann soll er sich auch nicht beschweren, wenn das werte Publikum faule Tomaten fuer angemessner haelt.

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