Advent: Gott kommt, dass Friede werde ?

Wie ist unsere Welt ? Wenn man sich umsieht, könnte man manchmal die Angst kriegen. Krieg und Terror. Deutschland ist im Krieg in Afghanistan, im Irak sprengen sich Menschen in die Luft und das Land findet keine Ruhe. Hardliner in Israel und Iran bereiten den Nährboden für den nächsten Krieg vor. Die Fussball-WM in Südafrika versteckt die Armen, um ein gutes Bild abzugeben. Das ist die Lage im Großen. Aber auch im Kleinen sieht es nicht besser aus. Lehrer, die Druck ausüben, Schulsysteme, die die Schüler überlasten, Amokläufe als Aufschrei dagegen. Arbeitgeber die das Kapital anbeten und ihre Angestellten ausnutzen, ihnen Überstunden abverlangen, unbezahlt, die mit der Angst ihrer Mitarbeiter spielen, um sie bei der Stange zu halten.

Und da soll man 1. Advent feiern, den Tag, an dem man sich auf die Ankunft Gottes vorbereitet ?

Wie passt das zusammen ?

Denken wir daran, die Welt hatte schon immer das „Böse“ in sich. Das, was die Bibel als Diabolos bezeichnet, diese Macht, die die guten Absichten durcheinanderbringt und durcheinanderwirft. (griechisch: diaballein: durcheinanderbringen).

Die Welt war noch nie ein Paradies. Aber so schlecht ist sie auch nicht. Denken wir an all die Initiativen, die Menschen helfen: Brot für die Welt, Patenschaften mit armen Kindern und Ländern, Friedensinitiativen, Lehrer, die den Schüler als ganzen Menschen sehen und ihm warmherzig begegnen. Unternehmer, die sich darum bemühen, verantwortlich mit ihren Angestellten umzugehen, die sie nicht als Maschinen sondern als Menschen sehen.

Nehmen wir wahr: es gibt immer zugleich beides, das Gute und das Böse, und beides sogar noch durchmischt. Kaum einen Menschen wird man finden, der völlig das eine ist. Und auch, wenn Menschen bösartig sind, so kann man es so sehen, dass sie ihre eigene Geschichte haben, die sie zu dem machte, was sie nun sind. Dass der Diabolos ihr Leben durcheinanderwarf.

Aber auch, wenn es so ist: es gibt viel Leid auf dieser Welt. Auch, wenn man bei fast jedem Menschen nachvollziehen kann, warum er wie handelt, so gibt es doch viele Menschen, die in dem Ergebnis einfach Leid verursachen. Gute Absichten hin oder her. Das Ergebnis ist Leid.

Vor 2000 Jahren geschah etwas sehr einzigartiges. Der Gott, der der Urgrund allen Seins ist, der Urgrund des Universum, der Urgrund unserer Seele, unseres Bewußtseins, dieser Gott zeigte sich.

Er zeigte sich nicht nur als Idee, nicht nur als Prophet, nicht nur als Vision. Er wurde leibhaft Mensch. Er wurde Mensch und erlebte Höhen und Tiefen. Er erlebte die größte Gottverlassenheit und die größten und wiederwärtigsten Niederträchtigkeiten der Menschen. Er wurde bespuckt, geschlagen, verlacht, verhöhnt, gekreuzigt und begraben.

Aber das war nicht das Ende. Gott erstand wieder auf. Er war nicht tot. Er hatte sich in einer seiner Seinsweisen den Menschen gezeigt, in Jesus, den die Menschen fortan als den Christus erkannten. Ein Teil von Gott war gestorben, weil er sich den Menschen ausgeliefert hatte. Dennoch ließ Gott es nicht dabei bewenden. Er erweckte Jesus wieder auf. Er erweckte die Hoffnung wieder auf. Er überwand die Grenzen der bislang bekannten Naturwissenschaften. Denn wer tot ist, der gilt eigentlich als tot. Gott überwand in Jesus diese Grenzen der Naturwissenschaften. Vergleichbar vielleicht mit dem Urknall, jenem seltsamen Phänomen, an dem die Philosophen, die Wissenschaftler, die Theologen steckenbleiben. Was war davor ? Die Antwort der Theologen: Gottes Wille war davor. Gott war davor. Er ist der Urgrund allen seins.

Und dies hat er den Menschen vor 2000 Jahren sehr deutlich gemacht. Er hat sich selbst gezeigt. Er hat deutlich gemacht: in der Welt habt ihr Angst. Ich aber habe die Welt überwunden. – Jesus sagte dies.

Damals brach gewissermaßen eine neue Zeit an und wir alle rechnen danach: wir sagen: das Jahr so und so nach Christus.

Wir alle gedenken an diesen Augenblick, wo Gott hinein in diese Welt sprach, demütig und gedemütigt, aber gerade dadurch unüberhörbar kraftvoll und laut. Es war der Augenblick, wo etwas Neues anbrach. Man spricht hier von präsentischer Eschatologie: Gott zeigt sich bereits im Hier uns Jetzt. Etwas Neues hat begonnen. Das Leid in der Welt ist nicht die letzte Aussage. Nein, bereits in dieser Welt haben auch die guten Kräfte begonnen, zu wirken.

Und das ist nicht alles. Futurische Eschatologie ist hier das Stichwort: Gott wird diese Welt, oder unser Leben, oder unser Menschsein, wie auch immer man sich das vorstellen mag, noch vollenden. Es wird eine Seinsweise geben, wo es kein Leid mehr geben wird. Es wird eine Seinsweise geben, wo die Niederträchtigkeiten der Welt keine Existenz mehr haben werden.

Begonnen hat diese Entwicklung mit Jesus dem Christus vor 2000 Jahren. Abgeschlossen ist sie nicht. Vielleicht wird sie erst abgeschlossen sein, wenn wir unseren persönlichen Tod erfahren. Die christliche Auffassung ist die, dass es danach weitergeht. Der Tod hat keine Macht mehr. Jesus erstand auf, Gott hat ihn auferweckt. Die Aussage, die darin steckt ist diese: egal, wie diese Welt auch ist, sie ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Es gibt eine Wahrheit hinter unserer Welt. Gott hat sein Ja zu dieser Welt gesprochen. Er hat das Ja zu jedem einzelnen Menschen gesprochen. Er sagt jedem Einzelnen: ich habe Dich gewollt. Und es wird eine Zeit kommen, da werden die Tränen abgewischt sein. Und selbst, wenn ihr in dieser Welt hier Angst habt, seid Euch gewiss: ich weiß, wovon ihr sprecht. Ich habe es selbst erlebt in Jesus.

Und noch eine Aussage steht im Raum. Gott hat ja gesagt zu jedem Einzelnen. Er hat jedem Menschen sein Leben geschenkt. Und will, dass wir dieses Geschenk annehmen, egal, wie widrig das Leben auch sein mag.

Auch dafür zeigte sich Gott der Welt. Vor 2000 Jahren. Auch deshalb feiern wir Advent.

Bild: darwin bell,flickr.com – wikipedia.org,wikicommons.

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